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Entführung im Irak: Mutter und Sohn verschleppt

Im Irak sind zum dritten Mal deutsche Staatsbürger entführt worden. Bei den Opfern handelt es sich laut Medienberichten um eine Deutsch-Irakerin und ihren Sohn. Die beiden wurden bereits am vergangenen Dienstag aus ihrer Wohnung in der irakischen Hauptstadt von Bewaffneten verschleppt.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bestätigte das Verschwinden der zwei deutschen Staatsbürger. "Wir können nicht ausschließen, dass es sich um eine gewaltsame Entführung handelt", erklärte er am Montag am Rande des EU-Außenministerrats in Brüssel. Weitere Einzelheiten teilte er nicht mit. Der Krisenstab im Auswärtigen Amt (AA) bemüht sich seit Tagen um eine Aufklärung.

Familiäre Bindungen in Bagdad

Nach ARD-Angaben leben die beiden Verschleppten seit Jahrzehnten im Irak. Die Mutter habe familiäre Bindungen nach Berlin. Der Hintergrund der Entführung sei aber noch unklar. Nach Informationen des Berliner "Tagesspiegels" haben die Geiselnehmer gedroht, den erwachsenen Sohn zu erschießen. Der Vater, ein irakischer Arzt, sei zum Zeitpunkt des Überfalls nicht in der Wohnung gewesen. Als mögliche Hintermänner vermuteten deutsche Sicherheitskreise neben anderen Anhänger des früheren Diktators Saddam Hussein. Laut "Bild"- Zeitung geht die Bundesregierung von einem politischen Hintergrund aus. Dagegen spricht nach Einschätzung von Experten, dass bisher kein Geiselvideo aufgetaucht sei.

Die Bundesanwaltschaft hat nach Informationen von "Welt.de" aus Sicherheitskreisen in dem Fall ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt unter anderem wegen Geiselnahme eingeleitet und damit das Bundeskriminalamt (BKA) beauftragt. Die Entführer sollen versucht haben, die Bundesregierung zu erpressen. Beim BKA soll eine Sonderkommission "Prater" für die Entführung zuständig sein, berichtet die Online-Ausgabe der Zeitung. Weder Bundesanwaltschaft noch BKA wollten dazu am Montag Stellung nehmen.

Die Entführer der beiden Deutschen hatten nach Angaben der "Berliner Zeitung" in der vergangenen Woche Kontakt mit einem Familienmitglied in Berlin aufgenommen. Die Schwester des 20- Jährigen, der zusammen mit seiner Mutter gekidnappt worden sei, lebe in Berlin, berichtete das Blatt. Daraufhin habe auch das Auswärtige Amt von der Entführung erfahren.

Etwa 100 Bundesbürger im Irak

Ein Außenamtssprecher wollte nicht dazu Stellung nehmen, ob es bereits Kontakt zu den Entführern gibt. Nach seinen Angaben halten sich noch etwa 100 Bundesbürger im Irak auf. Darunter seien auch Personen, die trotz eindringlicher Reisewarnungen in das Land eingereist seien. Dazu gehören demzufolge einzelne Firmenvertreter und deutsche Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen. Die größte Gruppe der deutschen Staatsangehörigen befindet sich auf Grund von familiären Bindungen im Lande - also Iraker mit deutschen Pass oder Deutsche, die schon lange dort leben. Ein AA-Sprecher betonte, "unabhängig vom aktuellen Wohnort" gelte für alle deutschen Staatsangehörige die konsularische Betreuungspflicht.

Steinmeier erklärte: "Wir hoffen, dass das Ganze einen guten Ausgang findet, und wir tun natürlich alles dafür, dass die beiden deutschen Staatsangehörigen gesund zu ihren Familien zurückkehren können." Die Bundesregierung bat die Medien bei der Berichterstattung um Zurückhaltung, damit die Bemühungen um eine Freilassung nicht erschwert werden.

Entführungen als Geschäft

Die früheren Entführungen von Deutschen im Irak waren nach längeren Verhandlungen ohne Blutvergießen gelöst worden. Die beiden am 24. Januar 2006 gekidnappten Leipziger Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke waren nach 99 Tagen unversehrt freigelassen worden. Im November 2005 war die Archäologin Susanne Osthoff im Nordirak verschleppt worden und nach dreiwöchiger Gefangenschaft frei gekommen. In beiden Fällen wurde über Lösegeldzahlungen in Millionenhöhe spekuliert.

Im Irak hat sich seit dem US-Einmarsch eine kriminelle "Entführungsindustrie" etabliert. Nach US-Angaben werden an manchen Tagen landesweit bis zu 50 Iraker gekidnappt, um Lösegeld zu erpressen. Die geforderten und meist auch bezahlten Beträge liegen demnach für einheimische Geschäftsleute bei etwa 30 000 bis 50 000 US- Dollar. Für Ausländer würden erhebliche höhere Beträge gefordert.