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Trump-Anhänger Konsequenzen des 6. Januar: Erst stürmten sie das Kapitol, dann verloren sie ihre Jobs

Sehen Sie im Video: Jake A. stürmt das US-Kapitol – Wer ist der "QAnon Schamane"?






Dieser kostümierte Mann erregt beim Sturm auf das Kapitol in Washington D. C. mit seinem Aussehen besondere Aufmerksamkeit.


Auf Twitter wird der "gehörnte Mann" von zahlreichen Nutzern als Mitglied der Antifa oder "Black Lives Matter"-Bewegung bezeichnet – offenbar, um die Verantwortung für die Eskalation in der US-Hauptstadt auf diese Gruppen – und somit indirekt auf Joe Biden, den Trump im Wahlkampf immer wieder mit der "radikalen Linken" in Verbindung gebracht hattte – zu schieben.


Jake A. ist ein 32-jähriger US-Amerikaner aus Arizona.


2020 erlangt er wegen seines ungewöhnlichen Auftretens bei zahlreichen Pro-Trump-Demonstrationen Bekanntheit.


Dass es sich bei Jake A. um ein Mitglied der Antifa oder der "Black Lives Matter"-Bewegung handelt, ist mehr als unwahrscheinlich.


Er bekennt sich in Interviews öffentlich zum abgewählten US-Präsidenten Trump – und zur rechtsextremen Verschwörungs-Bewegung QAnon.


Das und seine Verkleidung bringen ihm den Spitznamen "QAnon Schamane" ein.


"Yeah! Danke Präsident Trump! Danke Q(Anon)! Amerika!"


Auf seiner Facebook-Seite posiert er mit Trump-Anwalt Rudy Giuliani.


Jake A. trägt außerdem einen sogenannten Wotansknoten als Tattoo. Hierbei handelt es sich um ein aus der nordischen Mythologie stammendes Zeichen, das auch von Rechtsextremen genutzt wird.


Dass der Mann zur Antifa oder der Black-Lives-Matter-Bewegung gehört, ist damit sehr unwahrscheinlich.
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Nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington nimmt die Justiz ihre Arbeit auf. Doch auch im Privatleben bekommen die gewalttätigen Demonstranten die Konsequenzen ihres Handelns zu spüren. Vor allem viele Arbeitgeber reagieren.

Donald Trump hat die Folgen des Sturms seiner Anhänger auf das Kapitol in der vergangenen Woche schon zu spüren bekommen. Der amtierende US-Präsident hatte mit seinen ständigen Lügen über Betrug bei der US-Wahl seine Unterstützer dazu angetrieben, bei der geplanten Bestätigung der Wahl von Joe Biden zum Präsidenten in das Kapitol einzudringen. Twitter, Facebook und Instagram hatten daraufhin die Social-Media-Accounts von Trump gesperrt, auf der politischen Ebene wird ein neues Impeachment-Verfahren eingeleitet.

Doch auch für die Kapitol-Stürmer selbst hat ihr Handeln Konsequenzen. Anfangs schien es noch, als würden sie davonkommen: Am Abend des Angriffs berichtete die Polizei von 52 Festnahmen, davon 26 auf dem Gelände des Kapitols. 47 Personen wurden festgenommen, weil sie gegen die verhängte Ausgangssperre verstoßen hatten. Vier der Demonstranten starben. In den Tagen danach wurde eine Reihe von Trump-Anhängern, die an den Ereignissen im Kapitol beteiligt waren, verhaftet. Während die Mühlen der Justiz langsam mahlen, erlebten einige Demonstranten recht unmittelbar die Folgen ihrer Ausschreitungen.

Mann trug Arbeitsausweis beim Sturm auf das Kapitol – gefeuert

Viele von ihnen machten sich gar nicht erst die Mühe, ihre Gesichter zu verstecken. Auf Pressefotos und Bildern, die in den sozialen Netzwerken kursieren, sind sie klar zu erkennen. Dadurch verloren einige der Kapitol-Stürmer ihren Job, die Arbeitgeber entschieden sich für eine fristlose Kündigung, nachdem sie von den Aktivitäten ihrer Mitarbeiter erfahren hatten.

Bekannt geworden ist vor allem der Fall eines Mannes, der in zahlreichen Medien neben Jake Angeli, dem Mann mit Hornschmuck auf dem Kopf, zu sehen ist. Er trug in der Hand eine Trump-Fahne und um den Hals seinen Arbeitsausweis. Sein Arbeitgeber, eine Firma aus Maryland, teilte schon am Tag nach dem Sturm auf das Kapitol mit, den Mann fristlos zu feuern. Außerdem habe man seine Personalien an das FBI weitergegeben.

Trump-Anhänger im Kapitol
Der Mann rechts im Bild trägt seinen Arbeitsausweis um den Hals
© Saul Loeb / AFP

US-Medien berichten über weitere ähnliche Fälle. So trennte sich laut CNN eine Immobiliengesellschaft von einer Maklerin, die an dem Marsch auf das Kapitol teilgenommen hatte. Im Bundesstaat Illinois verlor der Geschäftsführer eines Unternehmens für Datenanalyse seinen Job. Er war nach den Ereignissen von Washington verhaftet worden.

Musiker wird von Label gekündigt

Auch einige mehr oder weniger bekannte Musiker hatten sich an dem Sturm auf das Kapitol beteiligt. Jon Schaffer, Gitarrist der Metal-Band Iced Earth, landete auf der "Most Wanted"-Liste des FBI. Wird er gefasst, droht ihm eine Haftstrafe. So schlimm wird es für Ariel Pink wohl nicht kommen. Soweit bekannt, protestierte der Indie-Musiker lediglich friedlich vor dem Kapitol. Dennoch gab sein Label Mexican Summer die Trennung bekannt: "Aufgrund der jüngsten Ereignisse haben Mexican Summer und seine Mitarbeiter beschlossen, die Zusammenarbeit mit Ariel Rosenberg AKA Ariel Pink zu beenden."

Der Politikwissenschaftler Rick Saccone wurde am Saint Vincent College in Pennsylvania zum Rücktritt gedrängt, nachdem er auf seiner Facebook-Seite eigene Videoaufnahmen von der Demonstration vor dem Kapitol gepostet hatte. "Wir werden sie aus ihren Büros vertreiben", hatte Saccone laut der Nachrichtenagentur Reuters dazu geschrieben. Nach 21 Jahren an seinem College musste er daraufhin seinen Schreibtisch als Lehrbeauftragter räumen – auch wenn er das Video später als "Spaß" abtat und von seiner Seite löschte. Saccone war für die Republikaner bis 2019 Mitglied des Repräsentantenhauses von Pennsylvania.

Dürfen Trump-Anhänger bald nicht mehr fliegen?

Möglicherweise könnten bald auch Flugreisen für die Beteiligten schwierig werden. Bennie G. Thompson, demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus, forderte bereits die Bundesbehörde für Öffentliche Sicherheit im Verkehr, TSA, und das FBI dazu auf, die einschlägig bekannten Demonstranten auf die landesweite No-Fly-List zu setzen. Das solle für alle gelten, die nachweislich und unerlaubt das Kapitol betreten hätten.

Im Netz kursieren bereits Videos von Trump-Anhängern, die angeblich aus diesem Grund von Flügen ausgeschlossen wurden. Das trifft aber nicht zu: Einige der Aufnahmen sind veraltet, in anderen Fällen wurden die Passagiere nicht zugelassen, weil sie sich nicht an die Corona-Schutzmaßnahmen halten wollten. 

Quellen: Navistar Direct MarketingCNNReuters / NBC / FBI / Mexican Summer / Committee on Homeland Security


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