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EU-Erweiterung: Die Feiern haben begonnen

Vor der historischen Erweiterung der Europäischen Union um zehn vorwiegend osteuropäische Staaten haben hunderttausende "EU-Neubürger" bereits mit den Jubelfeiern zu dem Großereignis begonnen.

Einen Tag vor der historischen Erweiterung der Europäischen Union um zehn vorwiegend osteuropäische Staaten haben hunderttausende "EU-Neubürger" bereits mit den Jubelfeiern zu dem Großereignis begonnen. Bundespräsident Johannes Rau hob in einer Rede vor dem polnischen Parlament die Chancen der EU-Erweiterung hervor und warb gleichzeitig um Verständnis für die Sorgen der Menschen. Rau sprach als erstes deutsches Staatsoberhaupt vor beiden Häusern des polnischen Parlaments.

Mit der Aufnahme Polens, Tschechiens, Estlands, Lettlands, Litauens Ungarns, Sloweniens, der Slowakei, Maltas und Zyperns gehören der EU ab dem 1. Mai 25 Mitgliedstaaten an. Die Europäischen Union umfasst damit 450 Millionen Menschen. "Damit erfüllt sich eine historische Mission", sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder. Doch der Prozess sei noch nicht abgeschlossen. Bulgarien und Rumänien könnten 2007 Mitglied werden. Ende des Jahres stehe die Entscheidung über Verhandlungen mit der Türkei an.

Dies lehnte CDU-Chefin Angela Merkel mit der Begründung ab, es überfordere die EU-Bürger. Das Problem sei die Integrationsfähigkeit: "Wer Europa will, darf die Menschen in Europa nicht überfordern." CSU-Chef Edmund Stoiber kündigte an, die Europawahl am 13. Juni auch zur Abstimmung über das Thema Türkei zu machen.

Zeremonie in Irland

Die eigentliche EU-Zeremonie zur Erweiterung soll am Samstagnachmittag am Sitz der irischen Staatspräsidentin Mary McAleese außerhalb Dublins stattfinden. Zunächst wollen die Staats- und Regierungschefs der dann 25 Mitgliedstaaten zu einem Familienfoto zusammenkommen. Danach sollen die Fahnen aller Mitgliedstaaten gehisst werden. Im Anschluss ist ein gemeinsames Abendessen geplant, bei dem die 25 dann erstmals gleichberechtigt an einem Tisch sitzen werden.

Die Bürger feiern feste

Die Bürger in den neuen und den alten EU-Staaten feierten bereits am Freitag mit Straßenfesten und anderen Veranstaltungen in den 1. Mai hinein. Um Mitternacht sollten die neuen EU-Mitglieder überall mit Feuerwerk begrüßt werden. Die slowakische Tageszeitung "Pravda" hatte auf ihrer Titelseite die Schlagzeile "Guten Tag, Europa".

In den deutsch-polnischen Grenzstädten Frankfurt (Oder) und Slubice eröffneten die Bürgermeister am Freitagnachmittag ein Volksfest beiderseits der Oder, um die Aufnahme Polens in die Europäische Union zu begehen. Um Mitternacht wollten Bundesaußenminister Joschka Fischer und sein polnischer Kollege Wlodzimierz Cimoszewicz symbolisch die Grenze öffnen.

Rau in Polen

Mit der Aufnahme Polens in die EU beginnt nach Einschätzung von Rau ein völlig neuer Abschnitt im deutsch-polnischen Verhältnis. Damit breche eine Epoche "mit großartigem Möglichkeiten und weit reichenden Perspektiven an", sagte er vor dem Parlament in Warschau. Er verwies auf eine "allgemein wenig optimistische Stimmungslage" in der Bevölkerung beider Länder: "Alte und neue Ängste steigen auf." Rau rief die Polen dazu auf, sich nicht beeindrucken zu lassen von "dubiosen Stimmen, die partikulare Interessen vertreten".

Der britische Premierminister Tony Blair würdigte die EU-Erweiterung als positives Ereignis auch für Großbritannien. In einem Artikel der Londoner "Times" schrieb der Regierungschef am Freitag, die Aufnahme von zehn Staaten werde neue Anstöße und Impulse geben. Die neu hinzukommenden Länder teilten Großbritanniens Einstellung zu einer "liberalen, wettbewerblichen Wirtschaft" und einer starken Partnerschaft mit den USA, betonte Blair.

Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen erklärte, mit der EU-Erweiterung erfülle sich eine "Vision von einem freien und geeinten Europa".

William J. Kole/AP / AP / DPA