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Bestechung und unerlaubte Einflussnahme Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy legt Berufung gegen Hafturteil ein – Carla Bruni verteidigt ihren Ehemann

Frankreich, Paris: Nicolas Sarkozy, ehemaliger Präsident von Frankreich, trifft im Gerichtssaal ein
Nicolas Sarkozy, ehemaliger Präsident von Frankreich
© Michel Euler / AP / DPA
Vor neun Jahren verließ er den Élyséepalast. Nun wird Nicolas Sarkozy von einer Affäre eingeholt und zu einer Haftstrafe verurteilt. Die Aussichten auf ein Comeback dürften sich damit erheblich verdüstern.

Frankreichs früherer Präsident Nicolas Sarkozy ist wegen Bestechung und unerlaubter Einflussnahme zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Davon setzte ein Strafgericht am Montag in Paris zwei Jahre zur Bewährung aus. Der 66-Jährige muss nach der Entscheidung des Gerichts nicht ins Gefängnis: Er kann die Strafe zu Hause unter elektronischer Überwachung verbüßen. Das Urteil gilt in Frankreich dennoch als beispiellos: Bisher wurde in der 1958 gegründeten "Fünften Republik" kein früherer Staatschef so hart bestraft.

Die Richter verurteilten auch Sarkozys langjährigen Anwalt Thierry Herzog und den Juristen Gilbert Azibert zu Haftstrafen von jeweils drei Jahren, ebenfalls mit zwei Jahren auf Bewährung. Anwalt Herzog darf seinen Beruf fünf Jahre lang nicht ausüben. Der Prozess hatte Ende vergangenen Jahres zu großem Aufsehen in Frankreich geführt. Bei der Verkündung des Urteils war Sarkozy persönlich anwesend. 

Sarkozy legt Berufung ein

Der frühere französische Präsident will die gegen ihn verhängte Haftstrafe anfechten: Seine Anwältin Jacqueline Laffont kündigte am Montag im Namen des 66-Jährigen Berufung an. Die Verurteilung Sarkozys zu drei Jahren Haft, davon zwei auf Bewährung, sei "extrem hart" und "völlig unbegründet", sagte sie. "Sarkozy ist ruhig, aber entschlossen, seine Unschuld zu beweisen", fügte Laffont hinzu.

Der Altpräsident hatte der Anklageschrift zufolge 2014 versucht, über Herzog von dem Juristen Azibert Ermittlungsgeheimnisse in einer anderen Affäre erhalten. Im Kern habe dieses Verhalten die Unabhängigkeit der Justiz gefährdet, argumentierte die Anklage. Das Gericht sprach nun von einer "besonderen Schwere" der Taten, da sie von einem früheren Staatschef begangen worden seien, wie es in einer Mitteilung hieß.

Der konservative Politiker regierte von 2007 bis 2012 im Elyséepalast. Er hatte die Vorwürfe Ende vergangenen Jahres vor Gericht zurückgewiesen und bestreitet sie bis heute. Bei zahlreichen Anhängern der bürgerlichen Rechten gilt Sarkozy als Führungsikone, obwohl er keine Ämter mehr hat. Die Vorwürfe beruhen auf der Verwendung abgehörter Telefongespräche des Politikers mit Anwalt Herzog. Um die Rechtmäßigkeit dieser Abhöraktion hatte es einen heftigen Streit gegeben.

Verfahren gegen "Sarko" gilt als einmalig

Der Prozess gilt als historisch. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass in Frankreich ein früherer Präsident verurteilt wurde. Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac erhielt 2011 wegen Veruntreuung und Vertrauensbruch in seiner Zeit als Pariser Bürgermeister eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Affären um reiche Freunde, maßlose Regierungsmitglieder oder Vetternwirtschaft hatten Sarkozys Zeit im Élysée geprägt. Der einstige Hoffnungsträger der Rechten hatte seine Karriere als Bürgermeister begonnen. Er verlor schließlich 2012 gegen den Sozialisten François Hollande. Nach seinem Abgang wollte er fünf Jahre später noch einmal Präsident werden – scheiterte jedoch bereits im parteiinternen Ausleseverfahren.

Sarkozy steht vor einem juristischen Hürdenlauf. Wegen Ausgaben für seine erfolglose Wiederwahlkampagne wird es Mitte des Monats einen weiteren Prozess geben. Die Justiz ermittelt zudem seit Jahren wegen angeblicher Zahlungen Libyens für seinen erfolgreichen Präsidentenwahlkampf 2007. Sarkozy weist auch hier alle Vorwürfe zurück.

"Sarko", wie er häufig genannt wird, hatte in der Vergangenheit Spekulationen über ein mögliches politisches Comeback genährt. Im vergangenen Sommer veröffentlichte er den Memoirenband "Le Temps des Tempêtes" ("Die Zeit der Stürme"), der zu einem Bestseller wurde. Durch die Verurteilung haben sich die Aussichten auf eine Rückkehr allerdings sehr verdüstert. Präsidenten werden in Frankreich eigentlich von einer weitreichenden Immunität vor Strafverfolgung geschützt.

Carla Bruni verteidigt ihren Ehemann

Romantische Fotos von Sarkozy und seiner Frau Carla Bruni waren in letzter Zeit Mangelware. Nun hat die Sängerin und Schauspielerin selbst eins auf Instagram geteilt: Das Paar berührt sich darauf liebevoll mit der Stirn, Sarkozy lächelt, über dem Bild liegt ein Weichzeichner.

Den Schuldspruch gegen ihren Mann kommentierte sie mit dem Hashtag #injustice – Ungerechtigkeit. "Welch sinnlose Verbissenheit, mein geliebter @nicolassarkozy", schreibt Bruni zu der Verurteilung ihres Mannes zu drei Jahren Haft, davon zwei auf Bewährung, wegen Bestechung eines Generalanwalts. "Der Kampf geht weiter, die Wahrheit wird ans Licht kommen", betont Bruni.

Das frühere Model ist seit 13 Jahren mit Sarkozy verheiratet. Zum Zeitpunkt der Eheschließung im Februar 2008 war Sarkozy noch Frankreichs Präsident. Auch das Foto stammt offenbar aus der Frühzeit der Beziehung, der heute 66-Jährige Sarkozy wirkt darauf deutlich jünger. Brunis Gesicht ist hinter ihren langen dunklen Haaren dagegen nicht zu erkennen. In französischen Gesellschaftsmagazinen gab es zuletzt immer wieder Spekulationen über eine Trennung des Paares, das eine gemeinsame Tochter hat.

fs DPA

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