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Inhaftierter chinesischer Künstler: Henkel startet Initiative zur Freilassung Ai Weiweis

Von Ai Weiwei fehlt jede Spur, die Kunstszene weltweit sorgt sich um das Schicksal des bekannten chinesischen Künstlers, der am Sonntag in Peking festgenommen worden ist. Nun ruft Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel Vertreter aus Politik und Wirtschaft auf, sich für Ai Weiweis Freilassung einzusetzen.

Von Silke Müller

Es ist doch seltsam, dass wir diese riesige Ausstellung zur Kunst der Aufklärung in Peking eröffnen, und kaum ist Außenminister Westerwelle aus dem Land, wird der wichtigste Künstler, Ai Weiwei, eingesperrt", ereifert sich der ehemalige Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und Professor für internationales Management, Hans-Olaf Henkel. "Ich erwarte, dass Westerwelle reagiert und sich nicht von der Wirtschaft einschüchtern lässt."

Henkel startete am Donnerstag einen Aufruf an Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur, sich für die sofortige Freilassung Ai Weiweis einzusetzen, der am Sonntag auf dem Pekinger Flughafen verhaftet wurde. Der international renommierte Künstler und Bürgerrechtler sollte eigentlich Ende April zum Berliner Gallery Weekend kommen, wo er am 28. seine Installation eines "Teehauses" im Dahlemer Museum für Asiatische Kunst begutachten und am 29. April eine Ausstellung in der Galerie neugerriemschneider eröffnen wollte. Doch ob es dazu kommt, ist unklar. Seit der Verhaftung des 53-jährigen Künstlers gibt es keine Informationen darüber, wo er sowie acht seiner Mitarbeiter, die ebenfalls festgenommen wurden, sich befinden. In einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua hieß es, gegen Weiwei werde wegen "Wirtschaftsverbrechen" ermittelt. Das lässt Henkel und auch Freunde und Galeristen des Künstlers aufhorchen. "Mich erinnert das an den Fall Chodorkowski", sagt Henkel, "das ist extrem beunruhigend." Der russische Unternehmer und Regierungskritiker Michail Chodorkowski war Ende 2003 verhaftet worden und sitzt seitdem in Russland im Gefängnis, immer neue Anklagen werden gegen ihn erhoben.

Henkel, der sich seit vielen Jahren bei Amnesty International für die Abschaffung der Todesstrafe engagiert, kennt Ai Weiwei gut und hat ihn mehrfach in Peking, Berlin und Zürich getroffen. "Wir alle hatten den Eindruck, dass Ai Weiwei immer sehr hart am Wind gesegelt ist, wir haben uns immer schon Sorgen um ihn gemacht", sagt Henkel. Nun hofft er darauf, dass möglichst viele einflussreiche Vertreter aus Wirtschaft, Kultur und Politik seiner Forderung Nachdruck verleihen, Ai Weiwei sofort frei zu lassen.

Eissenhauer: Von langer Hand geplante Aktion

Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, zeigte sich "zutiefst frustriert" über die Situation des Künstlers. Er ist einer von drei deutschen Museumschefs, die für die deutsche Großschau "Kunst der Aufklärung" in der chinesischen Hauptstadt verantwortlich sind. Bundesaußenminister Guido Westerwelle hatte die Ausstellung am Freitag bei seinem China-Besuch eröffnet. Eissenhauer: "Ich empfinde es als eine Brüskierung aller, die an der Ausstellung beteiligt sind - auch des Außenministers. Es drängt sich der Eindruck auf, dass man die Eröffnung der Schau abgewartet hat, um dann eine von langer Hand vorbereitete Aktion zu starten. Vielleicht würden wir es anders wahrnehmen, wenn es in sechs oder zehn Wochen passiert wäre. Dass es passiert ist, während wir buchstäblich auf der Rollbahn standen, das ist besonders frustrierend."

Zum Verbund der Staatlichen Museen zu Berlin gehört auch das Museum für Asiatische Kunst, das mit Ai Weiwei zusammen gearbeitet hat. Ob Eissenhauer den Verbleib seiner Leihgaben für die Schau in Peking vom Schicksal Ai Weiweis abhängig macht, will er indes noch nicht entscheiden. "Wir müssen jetzt beobachten, wie es weiter geht. Die drei an der Ausstellung beteiligten Generaldirektoren schließen sich täglich darüber zusammen." Für die Belange des Museums für Asiatische Kunst sei es von existenzieller Bedeutung, sich weiter um einen intensiven und regen Austausch mit den Museen in China zu bemühen. "Wir sind unserer eigenen Sammlung verpflichtet, es ist in unserem zentralen Interesse, dass die Kontakte nicht abreißen."