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Internet-Überwachung: USA zapfen Bankdienstleister und Ölkonzern an

Swift-Bankgeschäfte galten bislang als sicher. Medienberichten zufolge werden diese Finanztransaktionen jedoch von der NSA ausspioniert. Auch Google und Petrobas sollen betroffen sein.

US-Geheimdienste spähen einem Medienbericht zufolge Datenverkehr zwischen internationalen Banken sowie mehrere Firmen aus. Betroffen seien unter anderem das Telekommunikationsnetzwerk für den Interbanken-Austausch (SWIFT), über das viele Finanztransaktionen weltweit abgewickelt werden, sowie die Firmennetzwerke von Google und dem staatlichen brasilianischen Ölkonzern Petrobras, berichtete der brasilianische TV-Sender Globo am Sonntag unter Berufung auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Auch Netze des französischen Außenministeriums seien angezapft worden. Der Sender berief sich auf NSA-Präsentationen vom Mai 2012, mit denen neue Agenten für das Ausspähen von Unternehmen geschult wurden.

Der nationale Geheimdienstdirektor der USA, James Clapper, räumte ein, dass die US-Dienste Wirtschafts- und Finanzdaten sammelten. Dies ziele aber nur darauf ab, die Finanzierung von Terrorismus zu überwachen und Probleme vorherzusagen, die zu Finanzkrisen oder anderen schweren Verwerfungen am Markt führen könnten. Die beteiligten Unternehmen waren zunächst nicht zu erreichen oder lehnten Stellungnahmen ab.

Das Ausspähen von Unschuldigen

Swift (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) nutzen weltweit mehr als 10.000 Banken und weitere Unternehmen für die Abwicklung des Finanzverkehrs. Bisher galt dieser Verband von Finanzinstituten als sicher. In einem Globo-Interview sagte der Enthüllungsjournalist und Snowden-Vertraute Glenn Greenwald, er verfüge über Dokumente, die "noch viel mehr Informationen über das Ausspähen von Unschuldigen, von Leuten, die nichts mit Terrorismus oder Wirtschaftsinformationen zu tun haben".

Diese Dokumente müssten veröffentlicht werden. Erst vor einer Woche hatte Globo aufgedeckt, dass auch E-Mails und Telefonate der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff sowie von deren mexikanischem Kollegen Enrique Pena Nieto angezapft wurden. Brasilien hat deswegen eine Entschuldigung von US-Präsident Barack Obama gefordert.

ins/Reuters / Reuters