Irak-Konflikt Heftige Kämpfe in Falludscha


Mit Kampfflugzeugen und Artillerie haben US-Streitkräfte Extremisten-Stellungen in Falludscha angegriffen. Auf Fernsehbildern waren mehrere große Brände zu sehen.

Aus Kampfflugzeugen und Artillerie haben die US-Streitkräfte am Dienstagabend Aufständische in der irakischen Stadt Falludscha mit schwerstem Beschuss belegt. Zwei Stunden lang bebte die ganze Stadt unter den Explosionen im Elendsviertel Dscholan, über dem ein orangener Feuerschein lag. Über Lautsprecher auf Moscheen wurde nach der Feuerwehr gerufen.

Ein US-Flugzeug warf vor Anbruch der Dunkelheit Flugblätter ab, in denen die Aufständischen zur Aufgabe aufgerufen wurden. "Gebt auf, ihr seid umstellt", hieß es darin. Die Kämpfe in der Nacht schienen weit heftiger als in der davor. Am Dienstag lief eine verlängerte Waffenruhe ab; von Donnerstag an sollen US-Marineinfanteristen zusammen mit irakischen Polizisten in Falludscha auf Streife gehen.Trotz der Eskalation hält der UN-Sonderbeauftragte für den Irak, Lakhdar Brahimi, die Benennung einer Übergangsregierung in Bagdad bis Ende Mai für möglich.

"Das wird zwar schwer (...). Aber wir können es schaffen. Die Iraker verlangen verzweifelt danach", erklärte Brahimi dem Weltsicherheitsrat in New York. Vorteil seines Zeitplans wäre, dass der künftige Übergangspräsident und seine zwei Stellvertreter einen Monat Zeit hätten, sich auf die Übernahme der begrenzten Souveränitat von den Besatzungsmächten am 30. Juni vorzubereiten.

Angriff auf Rebellen-Stellungen

Die Zusammenstöße in Falludscha bezeichnete Brahimi als "extrem besorgniserregend". Nach Berichten eines Korrespondenten des US- Senders CNN in Falludscha griffen am Abend zwei Flugzeuge vom Typ AC- 130 zwei vermutete Stellungen der Aufständischen in der Sunniten- Stadt an. Das US-Militär warf den Aufständischen vor, sie hätten zuvor die Waffenruhe beständig verletzt. Die beschossenen Stellungen sollen sich in jenem Gebiet befunden haben, in dem am Montag ein US- Elitesoldat getötet und neun weitere verletzt worden seien. In den vergangenen zehn Tagen war in Falludscha eine brüchige Waffenruhe zwischen den US-Soldaten und den Aufständischen in Kraft. Die US-Streitkräfte hatten die Unruhestadt Anfang April ins Visier genommen, nachdem vier amerikanische Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma dort getötet und deren Leichen grausam öffentlich geschändet wurden.

US-Luftangriffe bei Nadschaf

Am Montagabend hatten US-Kampfhubschrauber und ein AC-130-Flugzeug Stellungen der Miliz des radikalen Schiitenpredigers Muktada el Sadr nahe Nadschaf beschossen. Nach US-Militärangaben starben sieben Schiitenkämpfer, die in der Gegend das Feuer auf eine amerikanische Patrouille eröffnet hatten. Weitere 57 Milizionäre seien bei einem anderen Gefecht mit US-Soldaten gefallen.

US-Militärsprecher General Mark Kimmitt sagte in Bagdad, bei den Getöteten handele es sich um "feindliche Kämpfer". Der arabische Nachrichtensender El Dschasira sprach dagegen von vielen getöteten Zivilisten. Die Kämpfe hatten begonnen, nachdem US-Soldaten in eine Basis in Nadschaf eingerückt waren, die derzeit von den spanischen Truppen geräumt wird. Spanien zieht seine 1300 Soldaten bis zum 27. Mai komplett aus dem Irak ab.

DPA/AP AP DPA

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