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Irak-Krise: Heftige Kämpfe in Nassirijah

Der Konflikt zwischen aufständischen Irakern und den Besatzungstruppen hat sich am Wochenende weiter vor allem auf schiitische Städte konzentriert.

Der Konflikt zwischen aufständischen Irakern und den Besatzungstruppen hat sich am Wochenende weiter vor allem auf schiitische Städte konzentriert. In der südlichen Stadt Nassirijah lieferten sich italienische Soldaten und Kämpfer des radikalen Geistlichen Muktada el Sadr heftige Gefechte um eine Brücke. Dabei wurden zwei Iraker getötet und sechs Italiener verwundet.

Nach Angaben eines Militärsprechers verschanzten sich die Aufständischen auch in einem Krankenhaus und eröffneten das Feuer. Die italienischen Soldaten hätten jedoch nicht zurückgeschossen. Wegen der anhaltenden Kämpfe wurde das Hauptquartier der Irak-Koalition in Nassirijah evakuiert.

In Kerbela griffen Aufständische in der Nacht zum Sonntag mehrfach eine Moschee an, die Koalitionstruppen als Lager für beschlagnahmte Waffen und Bomben benutzten. In Bagdad wurde ein US-Soldat bei der Explosion einer am Straßenrand deponierten Bombe getötet und ein weiterer verletzt.

Ayatollah Ali Chamenei kritisiert die USA

Der oberste geistliche Führer Irans kritisierte das Vorgehen der US-Truppen in Nadschaf am Sonntag in scharfer Form. Dort war am Freitag bei Gefechten ein Heiligtum der Schiiten beschädigt worden. „Muslime können das schändliche Eindringen amerikanischer Streitkräfte in heilige Orte nicht tolerieren“, erklärte Ayatollah Ali Chamenei laut einem Bericht der Nachrichtenagentur IRNA.

Kämpfe in der britischen Besatzungszone

In der britischen Besatzungszone dauerten die Angriffe ebenfalls an. Vier Iraker, darunter zwei zweijährige Mädchen, wurden bei einem Granatangriff getötet, der einem britischen Stützpunkt in Basra galt. Wie Krankenhausmitarbeiter in der südirakischen Stadt Amarah am Sonntag mitteilten, wurden bei den jüngsten Kämpfen zwischen britischen Truppen und Kämpfern El Sadrs mindestens 28 Iraker getötet. Die Milizionäre hatten am Freitag einen britischen Konvoi zwischen Amarah und Basra angegriffen.

Auch die Angriffe auf einheimische Mitarbeiter der Koalitionstruppen wurden fortgesetzt. In Mahmudija im Süden erschossen Bewaffnete eine Übersetzerin und verletzten eine Kollegen. In Bagdad griffen Aufständische einen Minibus an, dabei wurden zwei Übersetzerinnen getötet.

Hoon schließt Truppenverstärkung nicht aus

Großbritannien erwägt wegen der angespannten Lage eine Verstärkung der Truppen in Irak, wie Verteidigungsminister Geoff Hoon am Sonntag erklärte. Großbritannien hat 7.500 Soldaten in Irak stationiert. Die USA kündigten eine Änderung der militärischen Kommandostruktur an. Es werde mit der geänderten Kommandostruktur künftig zwei Hauptquartiere statt einem geben, teilten die Streitkräfte mit. Das eine sei für die Operationen in Irak insgesamt, darunter auch die Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte sowie die politische Umgestaltung, zuständig, das andere soll die täglichen Militäroperationen leiten.

US-Präsident George W. Bush machte in seiner wöchentlichen Radioansprache deutlich, das die US-Truppen auch über den 1. Juli hinaus in Irak bleiben würden. Zuvor hatte Außenminister Colin Powell erklärt, die US-geführten Besatzungstruppen würden sich aus Irak zurückziehen, sollte die zum 1. Juli eingesetzte irakische Regierung dies fordern.