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Israel einigt sich mit Hamas Freiheit für Schalit und tausend Palästinenser


Einigung unter Erzfeinden: Israel wollte nie mit Terrororganisationen reden oder verhandeln. Jetzt hat die Regierung mit der verfeindeten Hamas einen Gefangenaustausch vereinbart. Der israelische Soldat Schalit kommt nach fünf Jahren frei - und gut 1000 Palästinenser.

Spektakuläre Einigung in Nahost mit weitreichenden Folgen: Nach Jahren von Unnachgiebigkeit und Gewalt haben sich Israel und die radikalislamische Hamas erstmals flexibel gezeigt und einen Gefangenenaustausch vereinbart. Im Gegenzug für mehr als 1000 Palästinenser soll der israelische Soldat Gilad Schalit schon kommende Woche nach mehr als fünf Jahren von seinen Entführern freigelassen werden. Deutsche und ägyptische Vermittler haben dies möglich gemacht.

Die Einigung löste auch neue Hoffnung für die vom Westen angestrebte Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen aus. Die deutsche Regierung begrüßte den Austausch.

"Für die gesamte Bundesregierung ist jetzt das Allerwichtigste, dass Gilad Schalit endlich freikommt", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Einzelheiten der deutschen Vermittlung nannte er nicht. Auch der Bundesnachrichtendienst (BND), der längere Zeit zwischen der Hamas und Israel vermittelt hatte, wollte nichts sagen.

Israels letzter lebender Soldat in den Händen der Hamas

Die erste Phase des Gefangenaustauschs soll am Montag beginnen. Dann würden 450 in israelischen Gefängnissen inhaftierte Männer und 27 Palästinenserinnen zum Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen gefahren, sagte der Sprecher der Organisation Volkswiderstandskomitee (PRC), Abu Attaya. Zeitgleich werde der Israeli Schalit über den Grenzübergang Rafah nach Ägypten gebracht. In einem weiteren Schritt sollten binnen zwei Monaten 550 weitere militante Kämpfer freikommen.

Das PRC hatte zusammen mit dem bewaffneten Arm der Hamas, den Al-Kassam-Brigaden, und der Armee des Islams am 25. Juni 2006 Schalit in das Gebiet am Mittelmeer verschleppt. Der 25-Jährige war der letzte lebende israelische Soldat in den Händen militanter arabischer Gruppen.

Die Freilassung Schalits hat auch Auswirkungen auf andere Staaten in der Region. So könnte der Iran weiter unter Druck geraten. Der Iran unterstützt die Hamas. Sollte sich Israel entscheiden, militärisch gegen das iranische Atomprogramm vorzugehen, wäre Schalit nicht mehr in Gefahr.

"Die Freude ist unbeschreiblich"

Die Einigung zum Austausch der Gefangenen, gegen die sich der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu früher gewehrt hatte, habe auch mit Iran zu tun, kommentierte die Zeitung "Jediot Achronot". "Dies wird den nationalen Konsens stärken und das Ansehen des Ministerpräsidenten im Vorfeld der kommenden Herausforderungen verbessern." Im kommenden Jahr soll auch ein Raketenabwehrsystem einsatzbereit sein, mit dem sich Israel vor möglichen iranischen Raketenangriffen zu schützen hofft.

"Ich habe mein Versprechen gehalten und bringe Ihren Sohn und Enkel zurück", sagte Netanjahu der Familie Schalits. "Die Freude ist unbeschreiblich", sagte Gilads Mutter Aviva, nachdem das israelische Kabinett der Vereinbarung zugestimmt hatte. "Wir werden mit großem Bangen die Woche oder zehn Tage warten, bis Gilad zurückkommt."

Nach stundenlangen Debatten hatte das israelische Kabinett den Handel in der Nacht zum Mittwoch mit großer Mehrheit abgesegnet. 26 Minister stimmten dafür und drei, darunter Außenminister Avigdor Lieberman, dagegen, wie das Büro Netanjahus mitteilte.

Sponaten Freudenfeier in Palästina

Der militärische Hamas-Arm in Gaza bestätigte den geplanten Austausch. Der Chef des Politbüros, Chaled Maschaal, sprach in Damaskus von insgesamt 1027 palästinensischen Gefangenen, die in den zwei Schritten freikommen sollten.

Nach Bekanntwerden des Gefangenenaustauschs feierten im Gazastreifen tausende von Palästinensern spontan auf den Straßen und schwenkten grüne Hamas-Flaggen. Auch Palästinenserpräsident Abbas begrüßte die Vereinbarung. Sein Minister für die Belange palästinensischer Flüchtlinge, Issa Karake, kritisierte den von Hamas ausgehandelten Austausch jedoch. "Hamas hätte einen besseren Handel vereinbaren können", sagte der Politiker.

DPA DPA

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