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Jemen: Deutsche Fregatte rettet Frachter vor Piraten

Als sich die Schnellboote der Piraten vor der Küste des Jemen näherten, setzte der äthiopische Frachter einen Hilferuf ab. Aufgefangen wurde der von der einer deutschen Fregatte. Hubschrauber schlugen die Seeräuber in die Flucht. Demnächst sollen die deutschen Seeleute berechtigt sein, die Boote der Piraten notfalls auch zu versenken.

Neuer Anti-Piraten-Einsatz der deutschen Marine: Die Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" hat am Samstag vor der Küste des Jemen einen Angriff auf einen äthiopischen Frachter unterbunden. Dies bestätigte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam. Sicher durch das Piratengebiet am Golf von Aden kam hingegen der deutsche Luxusliner "MS Columbus" - allerdings ohne seine 250 Passagiere, die zeitweilig von Bord gehen mussten und zur Sicherheit über das Piratengebiet hinweg nach Dubai geflogen wurden.

Offiziell wird der deutsche Anti-Piraten-Einsatz im Rahmen der EU-Mission Atalanta erst am Freitag im Bundestag beschlossen. Dann soll die Deutsche Marine nach "Spiegel"-Informationen das Recht bekommen, Seeräuber-Schiffe notfalls zu versenken.

Inder nehmen 23 Seeräuber fest

Schon jetzt häufen sich aber die Fälle, in der die "Mecklenburg-Vorpommern" zu Hilfe eilt. Das Einsatzführungskommando bestätigte eine Meldung, dass die deutsche Fregatte einen Hilferuf von dem äthiopischen Frachter erhalten habe. Speedboote von Piraten seien im Begriff gewesen anzugreifen. Daraufhin sei der Bordhubschrauber des deutschen Kriegsschiffs gestartet. Als die Piraten den Hubschrauber sahen, seien sie abgedreht. Die Besatzung des angegriffenen Schiffs habe sich auch mit Bordwaffen gegen die Seeräuber gewehrt.

Die indische Marine ging ebenfalls erneut im Golf von Aden gegen Piraten vor und verhinderte die Entführung eines weiteren Frachters. 23 Piraten aus Somalia und dem Jemen wurden festgenommen worden, wie der indische Marinesprecher Nirad Sinha mitteilte.

Aus Sicherheitsgründen hatten die 250 Passagiere der "MS Columbus" ihr Kreuzfahrtschiff im Jemen verlassen und waren nach Dubai geflogen. Dort verbrachten sie die vergangenen drei Tage. Der Kapitän steuerte unterdessen das knapp 150 Meter lange Schiff nur mit der Stammbesatzung durch das Piratengebiet - nach Angaben einer Sprecherin von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten ohne brenzlige Situationen. In der omanischen Hafenstadt Salalah setzten die Reisenden ihre Fahrt fort.

Gates für Angriff auf Landstützpunkte der Piraten

Für die Beteiligung der Deutschen Marine an der EU-Mission Atalanta gibt es dem "Spiegel" zufolge inzwischen vertrauliche Einsatzregeln, wonach die Soldaten die Schiffe nicht nur aufbringen, sondern notfalls auch versenken dürfen. Außerdem sollen Militärpolizisten an Bord einen regelkonformen Umgang mit etwaigen Gefangenen sicherstellen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin äußerte sich mit Hinweis auf die Vertraulichkeit nicht zu den Einsatzregeln.

Der Golf von Aden liegt zwischen dem Horn von Afrika und der Arabischen Halbinsel und verbindet das Arabische Meer über das Rote Meer und den Suez-Kanal mit dem Mittelmeer. Allein in diesem Jahr wurden bereits etwa 100 Schiffe in der Gegend überfallen und fast 40 davon gekapert. US-Verteidigungsminister Robert Gates plädierte für Angriffe auf die Sammelpunkte der Seeräuber an Land. Dazu müssten die Verbündeten im Kampf gegen die Piraterie geheimdienstliche Informationen austauschen, sagte Gates im Golfstaat Bahrain. Wenn die genauen Stützpunkte bekannt seien, könnten gezielte Angriffe erfolgen. Bis dahin aber müssten die Schifffahrtsgesellschaften strenge Sicherheitsmaßnahmen ergreifen.

DPA / DPA