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Karl Rove: Karl der Große

Der Wahlerfolg von George W. Bush hat einen Namen: Karl Rove. Er war der Mathematiker des Stimmenfangs, der Meister der kleinen und großen Tricks. Nun plant Rove, die rechte Revolution zu vollenden.

Manchmal setzt George W. Bush diesen Hundeblick auf. Er schaut dann versonnen wie sein Scotch-Terrier Barney. Er neigt den Kopf und hebt ihn langsam. Neulich war wieder so ein Hundstag. Bush hatte die Wahl gewonnen, sah müde und zugleich glücklich aus, als er in Washington vor Tausenden von Anhängern seiner Frau Laura, seinen Töchtern Barbara und Jenna, seinem Team, seinen Wählern, dem ganzen amerikanischen Volk dankte. Schließlich fixierte er einen unscheinbaren Mann in der Menge und sagte: "Und ich danke dem Architekten - Karl Rove." Applaus brandete durch die Halle des Reagan-Buildings.

Die Kommentatoren suchten nach historischen Parallelen für ein solch ultimatives Lob. Sie fanden keine. Karl Rove, erklärten die Blätter und Fernsehsender quer durchs politische Spektrum, sei einzigartig und der einflussreichste Präsidentenberater der US-Geschichte.

Karl Rove, 53

, nahm das milde lächelnd zur Kenntnis und ging zur Tagesordnung über. In zwei Jahren sind Mid-Term-Elections, zwei Jahre sind ein Wimpernschlag in der Politik, und Rove und Bush sind noch nicht am Ziel. Denn es ging bei der Präsidentenwahl um mehr als um eine zweite Amtszeit. Es ging um den Aufbau einer konservativen, sprich republikanischen Vorherrschaft für mindestens eine Generation. Und mit derselben Akribie und Präzision, mit der er George W. Bush zur Wiederwahl verholfen hat, wird er abermals arbeiten, Stimmen rekrutieren und die Demokraten sich fragen lassen: "Warum haben wir so einen nicht?"

Karl Rove ruht nie. Er ist ein Mann der Details, Zufälle passen nicht in sein Koordinatensystem. Also kann es auch kein Zufall sein, dass schon am Morgen des Wahltages im Weißen Haus eine magische Zahl kursierte: 51 Prozent. Auf den Punkt genau hatte der Topstratege das Ergebnis vorausgesagt. Mit Hilfe eines gigantischen Netzwerkes von 1,4 Millionen Helfern und penibler demografischer Kalkulation. Bis in die letzten Wahlbezirke hinein ließ er errechnen, wie viele Stimmen die Republikaner in den umkämpften Staaten benötigen würden. Sodann erging an das republikanische Fußvolk Roves Marschbefehl aus Washington: Bringt mir genau diese Stimmen.

Sie brachten sie ihm, 51 Prozent. Ein erheblicher Teil davon ist Karl Roves Idee zu verdanken, auf dem Wahlzettel in elf Bundesstaaten zugleich eine Abstimmung über die Homo-Ehe zu platzieren. Dieses Reizthema für Konservative brachte viele von ihnen, die sonst nicht zur Wahl gegangen wären, an die Urne: um gegen solch eine Ehe zu stimmen - und überdies noch für Bush. In neun der elf Staaten gewann der Präsident.

Rove hatte auch als Erster

begriffen, dass die konservativ-christliche, an traditionellen Werten orientierte Klientel der Republikaner nicht bloß in den klassischen Vorstädten zu finden war, in den so genannten suburbs, sondern auch in den "exurbs". So nennen die Amerikaner die seit den 90er Jahren entlang der Highways entstandenen Siedlungen, in denen die Menschen auf der Suche nach erschwinglichem Wohnraum und einer sicheren Nachbarschaft so etwas wie Mittelschicht-Ghettos gebildet haben. Mit Bürokomplexen und Malls, mit Kinos, Kirchen und Restaurants. Kleinstädte, deren Namen kaum jemand kennt: Mesa in Arizona, Polk County in Florida oder Loudoun County in Virginia. Die Wahlstrategen der Demokraten hatten solche Orte eher selten auf dem Radarschirm. Rove beobachtete diese Gegenden seit langem - weshalb die Republikaner hier besonders gut abschnitten.

Viele Geschichten und Gerüchte kursieren über Rove in Washington. Als Machiavelli, Mephisto und Rasputin wird er bezeichnet, als sinistrer Einflüsterer des Präsidenten, Strippenzieher, als Bushs Gehirn. "Wann überfällt Karl Rove Syrien?", witzelten Journalisten nach der US-Invasion des Irak. Jetzt schreiben sie über den "Architekten" oder "King Karl".

"Wahr ist, dass Karl Rove ein Puzzle vollendet hat", sagt Bruce Buchanan, Forscher für präsidiale Geschichte an der Texas University in Austin. "Er war der Erste, der das politische Potenzial von George W. Bush erkannte. Bush brachte alles mit: Resolutheit, Temperament, Stärke, Glauben, Geld. Und Rove hat aus diesen Zutaten einen Präsidenten geformt."

Die beiden begegnen sich erstmals am Vorabend des Erntedankfestes 1973. Bush ist damals hauptberuflich Sohn. Und Rove ein blitzgescheiter Intellektueller, der für Bush senior arbeitet, mitunter auch als Bote. Er soll Bush junior Autoschlüssel übergeben, und die erste Begegnung auf einem Bahnsteig in Washington beschreibt Rove noch Jahre später so, wie es gemeinhin nur Verliebte tun: "Er trug eine Fliegerjacke der Nationalgarde, Cowboystiefel und Blue Jeans. Er strömte mehr Charisma aus, als einem Individuum eigentlich gestattet sein sollte.“

Das ist der Anfang

einer nunmehr 30 Jahre währenden Freundschaft zweier Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Bush entstammt einer reichen Familie. Er hat in Harvard und Yale studiert. Er sieht gut aus. Er hat Ausstrahlung. Was ihm fehlt, ist eine Vision für sein Leben. Rove entstammt einer Mittelklassefamilie. Er wächst auf in Utah und Colorado, mit vier Geschwistern. Er ist 19, als er erfährt, dass sein Vater nicht sein leiblicher ist. Er ist 30, als sich seine Mutter das Leben nimmt. Er hat keinen Studienabschluss. Aber er hat eine Vision für sein Leben. Er will ein Gewinner sein. George W. Bush wird das Vehikel zur Umsetzung seiner Vision. In der Biologie würde man ihre Beziehung Symbiose nennen.

"Karl ist der Schlüsselspieler, und Bush respektiert das. Er profitiert, und Karl profitiert", sagt Bill Miller, ein alter Bekannter von Rove. "Bush ist nicht dumm. Er hat eine verdammt gute Menschenkenntnis." Das stimmt. George W. Bush kennt seinen Rove; er nennt ihn "boy genius", Wunderknabe, und wahlweise auch "turd blossom". Das ist ein texanischer Ausdruck für Blumen, die auf Kuhscheiße wachsen. Mit seiner chronischen Neigung zur Vereinfachung liegt Bush in diesem Fall nicht ganz falsch. Karl Rove hat zwei Gesichter.

Er ist einerseits das, was die Amerikaner "nerd" nennen, ein Streber, ein Freak. Ein von der Politik Besessener, der als Jugendlicher leidenschaftliche Debatten an der Olympus High School in Salt Lake City führt und stets gewinnt. Der in einem Alter, da seine Klassenkameraden Bob Dylan und Jimmy Hendrix hören, Machiavelli liest und ein Poster in seinem Zimmer aufhängt: "Wake Up, America." Einer, der früh ein seismografisches Gespür für Schwingungen und Stimmungen entwickelt. Einer, über den Medienberater Mark McKinnon sagt, er sei der Bobby Fischer der Politik, weil er die Schachzüge seiner Gegner weit im Voraus erahne. Einer, der auf die Frage, wann er seine Berufung als Präsidentenmacher entdeckt habe, antwortet: "Am 25. Dezember 1950" - seinem Geburtstag. Einer, der sich abseits seiner Frau Darby und seines Sohnes Andrew nur ein Hobby gönnt: Bücher. Einmal wird er von einem Freund zu einem Footballspiel zwischen den Dallas Cowboys und den San Francisco 49ers eingeladen. Was macht Karl Rove? Er liest auf der Tribüne in den Pausen einen Wälzer über den amerikanischen Bürgerkrieg. Das ist der "boy genius".

Andererseits ist er das,

was die Amerikaner "insidious" nennen, hinterlistig, durchtrieben. Einer, der seine Gegner kennt und kein Pardon. Der früh das Geschäft der Schmutzkampagnen gelernt hat. Mit 19 schleicht er sich ins Wahlkampfbüro des Demokraten Alan Dixon, stiehlt dort Briefbögen und schreibt darauf eine fingierte Einladung: "Freibier und freies Essen, Mädels und eine gute Zeit für lau." Die verteilt er unter Pennern und Hippies. Mehrere hundert Zausel erscheinen zur vermeintlichen Party und sind sauer auf den Demokraten Dixon, denn natürlich gibt's kein Bier und kein Büfett, und Mädels sind auch nicht da. Im Lauf der Jahre perfektioniert er solche Tricks. In den 80er Jahren, Rove ist politischer Berater in Texas, wird eine Wanze in seinem Büro entdeckt. Rove beruft eilig eine Pressekonferenz ein und beschuldigt die Demokraten des Lauschangriffs. Das macht Schlagzeilen im ganzen Land, und die Republikaner, zuvor aussichtslos abgeschlagen, gewinnen. Später stellt das FBI fest, dass die Batterie der Wanze erst Stunden vor der Entdeckung eingesetzt worden war - es wird gemutmaßt, dass Rove sie selbst installiert hatte.

Anfang der Neunziger,

George W. Bush kandidiert gegen die populäre Amtsinhaberin Ann Richards für den Gouverneursposten in Texas, flüstert man plötzlich rund ums Capitol von Austin, Texas: Warum umgibt sich Ann Richards mit so vielen Liberalen, mit so vielen Schwulen und so vielen Lesben? Ist die Gouverneurin selbst homosexuell? Der Urheber dieser Gerüchte bleibt unbekannt. Bush wird Gouverneur, und von diesem Amt aus ist es nur noch ein Schritt bis ins Weiße Haus.

Während des Vorwahlkampfs im Jahre 2000 sieht allerdings John McCain, sein Gegenkandidat in der republikanischen Partei, besser und präsidialer aus. Doch wundersamerweise melden sich obskure Anrufer in Talkshows, klemmen anonyme Flugblätter an den Autos von Kirchgängern: Hat McCains Frau nicht ein Alkoholproblem? Hat McCain, fünf Jahre lang ein Kriegsgefangener des Vietcong, vielleicht Geheimnisse verraten? Ist er psychisch überhaupt noch stabil? Und wer ist das dunkelhäutige Mädchen auf den Familienfotos? Der Spross einer Affäre des Senators mit einer schwarzen Prostituierten? Das Mädchen haben die McCains adoptiert; es stammt aus Bangladesch. McCain dementiert, aber Bush wird Kandidat der Republikaner.

Als im jüngsten Präsidentschaftswahlkampf die "Swift Boat Veterans for Truth" hanebüchene Lügen über John Kerrys Zeit in Vietnam verbreiteten, erkannten viele Roves Handschrift dahinter. Rove genießt die Aura der Ruchbarkeit. Man fürchtet ihn. Und Furcht kann im politischen Geschäft ein Werkzeug sein. Wenn Freunde wie Feinde über ihn reden, klingt das mitunter so, als sprächen sie über einen pfiffigen Einbrecher. Sie sagen: "Karl hinterlässt keine Fingerabdrücke." - Das ist der "turd blossom"-Rove.

George W. Bush profitierte von beiden Seiten seines Beraters. "Karl hat den Präsidenten in eine Position gebracht, aus der Bush nun machen kann, was er will", sagt Carl M. Cannon, Journalist des "National Journal", Co-Autor der Biografie "Boy Genius" und regelmäßiger Gesprächspartner von Rove. "Karl hat das Feld bestellt - auch für die Zukunft." Cannon sitzt in der Kantine seiner Zeitschrift im Watergate-Komplex von Washington und schüttelt immer wieder den Kopf. "Unglaublich", sagt er über Rove, und "what a son of a bitch", Hurensohn. Es hört sich an wie ein Lob. "37 Prozent der Amerikaner bezeichnen sich als konservativ", sagt Cannon, "und nicht mal 20 Prozent als liberal. Also dachte sich Karl: "Unsere Basis ist doppelt so stark wie die der Demokraten. Die lassen uns nicht im Stich. Vergiss die Eliten. Vergiss die Küsten. Setz auf das konservative Homeland." Auf dieses Amerika hat er Bushs Wahlkampf zugeschnitten. Auf Menschen, die die Demokraten nicht verstehen oder über sie die Nase rümpfen. Auf Konservative, christliche Fundamentalisten, Waffenbesitzer. Und, hey, Karls Rechnung ist aufgegangen."

Karl Roves Rechnungen gingen meistens auf. Als er nach Texas kam, war der Staat in demokratischer Hand. Als er knapp 30 Jahre später mit seinem Symbionten Bush Texas in Richtung Weißes Haus verließ, hatten die beiden die politische Landkarte neu gezeichnet. Texas wählt nicht nur mehrheitlich republikanisch, Texas ist die Blaupause für die ganze Nation. Darüber hatten sich Bush und Rove bereits sehr früh verständigt, "re-alignment" tauften sie ihren Plan, Umorientierung. Sie meinten eine Revolution von rechts.

Und sie sind keine Träumer. Das in weiten Teilen konservative Land bewegt sich auf Bush zu, nicht umgekehrt, und der Präsident wird seine Amtszeit nicht verschleudern wie Clinton. Die christliche Rechte feiert sich bereits in E-Mails und Wurfpost: "Wir haben den Ausschlag gegeben!" Rove und Bush werden sie nicht enttäuschen. Abtreibung, Schwulenehe, die Besetzung des Obersten Gerichtshofs: Es gibt viel zu tun.

Als alles vorbei war

und die Wahl gewonnen, begann für Karl Rove der politische Alltag. Er setzte sich ins Fernsehstudio des regierungstreuen Senders "Fox News" und gab die Botschaft seines Herrn und Meisters weiter: "Das amerikanische Volk kann sicher sein, dass der Präsident all das, was er im Wahlkampf gesagt hat, auch erfüllen wird." Rove sah zufrieden aus. Er lachte breit und laut aus seinem runden, weichen Gesicht.

Michael Streck / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(