Litwinenko-Mord Eiszeit zwischen Putin und Brown


Der Mord an Ex-Agent Litwinenko sorgt für eisige Stimmung zwischen Großbritannien und Russland. Nachdem London russische Diplomaten ausgewiesen hat, verteidigte Premier Brown die Maßnahme. Bei einem solchen Mord erwarte er Hilfe. Nun droht Moskau mit "ernsten Konsequenzen".

Der britische Premierminister Gordon Brown hat die angekündigte Ausweisung von vier russischen Diplomaten aus seinem Land im Zusammenhang mit der Ermordung des Ex-Agenten Alexander Litwinenko verteidigt. "Wenn ein Mord auf britischem Boden geschieht und unschuldige Zivilisten großen Risiken ausgesetzt werden, erwarten wir, dass andere Länder in der Welt helfen, die Person vor Gericht zu bringen", sagte Brown am Montag nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Merkel unterstützte den britischen Kurs gegenüber Russland. Der britische Außenminister David Miliband hatte zuvor die Ausweisung der russischen Diplomaten als Reaktion auf die Weigerung Moskaus, den mutmaßlichen Mörder Litwinenkos auszuliefern, angekündigt.

Miliband sprach von einer "angemessenen Antwort" auf die "äußerst enttäuschende" Entscheidung Russlands, den des Mordes an Alexander Litwinenko beschuldigten Ex-Agenten Andrej Lugowoi nicht an Großbritannien auszuliefern. Das russische Außenministerium kritisierte die angekündigte Ausweisung der Diplomaten scharf. Diese Provokation werde nicht unbeantwortet bleiben, sagte ein Sprecher.

Merkel unterstützt London

Bundeskanzlerin Merkel unterstützte die Haltung der britischen Regierung. "Ich hoffe, dass diese Periode überwunden werden kann, aber wenn Aufklärungsnotwendigkeiten bestehen, muss man das auch mit den notwendigen Instrumenten machen", sagte sie am Abend in Berlin, nachdem sie den britischen Premierminister zu seinem Antrittsbesuch in der Bundeshauptstadt empfangen hatte.

Der russische Ex-Agent Litwinenko war im November vergangenen Jahres mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet worden. Er starb Ende November in einem Londoner Krankenhaus. Lugowoi soll ihn nach Auffassung der britischen Staatsanwaltschaft vergiftet haben.

Neben der Ausweisung der russischen Diplomaten kündigte die britische Regierung weitere Maßnahmen an. Miliband erklärte, Verhandlungen über Visa-Erleichterungen mit Russland seien ausgesetzt, zudem gebe es Änderungen bei der Visavergabe. Der Großteil der Russen werde jedoch nicht unter den geänderten Visabestimmungen leiden, zitierte die Agentur Interfax einen Sprecher der britischen Botschaft in Moskau. Das System der Visavergabe werde nur für diejenigen verändert, deren Anträge von der russischen Regierung gestellt werden. Litwinenkos Witwe Marina sagte, sie sei "sehr dankbar" für die Maßnahmen der britischen Regierung und "stolz eine britische Bürgerin zu sein".

In Moskau verurteilte das russische Außenministerium die angekündigte Ausweisung seiner Diplomaten als "wohlinszenierte Aktion, die die Ermittlungen im Fall Litwinenko politisieren soll". "Die provokativen Handlungen bleiben nicht ohne Antwort und werden ernsthafte Konsequenzen für die britisch-russischen Beziehungen nach sich ziehen", sagte der Sprecher des Ministeriums, Michail Kamynin, nach Angaben der Agentur Interfax.

Die Spannungen zwischen London und Moskau hatten in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen. Russland hatte es mit Hinweis auf die Verfassung abgelehnt, den Verdächtigen Lugowoi an Großbritannien zu überstellen.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker