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Massenproteste in Tunesien: Ermordeter Oppositioneller Brahmi soll beigesetzt werden

Zwei führende Oppositionelle sind wohl vom selben Täter ermordet worden. Einer von ihnen soll heute beigesetzt werden. Erneute Proteste werden erwartet, fast alle Flüge nach Tunesien sind gestrichen.

Der am Donnerstag bei einem Anschlag getötete tunesische Oppositionspolitiker Mohamed Brahmi soll am Samstag beigesetzt werden. Aus diesem Anlass werden weitere Demonstrationen erwartet.

Am Freitag folgten zahlreiche Menschen dem Aufruf zu einem Generalstreik. Europäische Fluggesellschaften mussten fast alle Flüge in das nordafrikanische Mittelmeerland streichen. Die Flaggen in Tunis wehten auf halbmast. Präsident Moncef Marzouki hatte Staatstrauer anordnen lassen, um ein Zeichen gegen Terrorismus und Gewalt zu setzen.

Auf Brahmi wurde mit der selben Waffe geschossen wie bei der Ermordung des Regierungskritikers Chokri Belaïd im Februar. Hinter der Tat werden erneut islamistische Extremisten vermutet. Innenminister Lotfi Ben Jeddou machte am Freitag Boubaker al Hakim für beide Taten verantwortlich. Ihm wird auch Waffenschmuggel aus Libyen vorgeworfen.

Kanzlerin Merkel zeigt sich bestürzt

Der Abgeordnete Brahmi war am Donnerstag in einem Vorort von Tunis von Unbekannten auf der Straße erschossen worden. Der 58-Jährige gehörte in der Verfassungsgebenden Versammlung dem linken, laizistischen Lager an und leitete die Partei "Bewegung des Volkes". Nach der Ermordung Belaïds waren Anfang des Jahres seit längerem anhaltende Spannungen im Ursprungsland des Arabischen Frühlings eskaliert. Es kam zu Massenprotesten. Die islamistische Regierungspartei Ennahda stimmte deswegen einer Kabinettsneubildung zu.

Auch nach dem Anschlag auf Brahmi kam es wieder zu Protesten gegen die Regierung. Randalierer setzten in der Nacht zum Freitag unter anderem Gebäude der Regierungspartei Ennahda in Brand. Am Freitag zogen Tausende Menschen durch die Innenstadt von Tunis. Zusammenstöße mit der Polizei gab es zunächst nicht. Die Ermordung Brahmis löste international Bestürzung aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Mord als feiges Attentat. "Ich bin erschüttert", sagte Merkel nach einer am Freitag in Berlin veröffentlichten Mitteilung. Die Täter müssten zügig ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden. Das gelte auch im Fall Belaïd.

ds/DPA / DPA