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Menschenrechtsverletzungen in Russland: Gauck boykottiert Olympische Winterspiele

Bundespräsident Joachim Gauck hat einen Besuch bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi für sich ausgeschlossen. Mit seinem Boykott möchte offenbar er seine Solidarität mit Homosexuellen bekunden.

Bundespräsident Joachim Gauck hat in seinen Reden mehrfach das Thema Freiheit beschworen. Er selbst hat jahrelang die Behörde zur Aufarbeitung der Überwachung von DDR-Bürgern durch die Staatssicherheit geleitet.

Bundespräsident Joachim Gauck hat in seinen Reden mehrfach das Thema Freiheit beschworen. Er selbst hat jahrelang die Behörde zur Aufarbeitung der Überwachung von DDR-Bürgern durch die Staatssicherheit geleitet.

Bundespräsident Joachim Gauck wird nicht zu den Olympischen Winterspielen ins russische Sotschi reisen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter Berufung auf Informationen aus dem Bundespräsidialamt. Gauck will mit seiner Absage ein Zeichen gegen die Menschenrechtsverletzungen und die Drangsalierung der Opposition in Russland setzen. Im Sommer 2012 hatte Gauck sowohl die Olympischen als auch die Paralympischen Spiele in London besucht.

Die Online-Ausgabe des "Spiegel" sieht demnach eine Verbindung zwischen der Absage des Bundespräsidenten und einem umstrittenen Gesetz, das im Juni von dem russischen Präsidenten Wladimir Putin unterschrieben wurde, wonach sogenannte "homosexuellen Propaganda" in der Öffentlichkeit verboten und unter Strafe gestellt wird. Zuvor wurden ähnliche Gesetze bereits in einzelnen Regionen und Städten des Landes, etwa in St. Petersburg, verabschiedet.

Gauck verstehe seine Entscheidung nicht als Geringschätzung gegenüber den Athleten. Als Zeichen seiner Anerkennung für deren Leistung möchte er dem offiziellen Empfang zur Rückkehr aus Sotschi am 24. Februar in München beiwohnen.

Kritische Stimmen überwiegend von Sportlern

Offiziell soll das russische Gesetz Jugendliche vor der Zurschaustellung "nicht traditioneller Orientierungen" schützen. Tatsächlich kann aber schon das Schwenken von Regenbogenfahnen - einem Symbol der Homosexuellenbewegung - oder Händchenhalten in der Öffentlichkeit geahndet werden. Zudem gibt es Berichte, dass Rechtsradikale die neue Gesetzgebung ausnutzen. Demnach werden gezielt Homosexuelle in Online-Chats angesprochen und Verabredungen vereinbart, nur um junge Menschen zu misshandeln und die Taten anschließend im Internet zu veröffentlichen.

Gauck ist bislang das erste europäische Staatsoberhaupt, das seine Teilnahme in Sotschi offen und kategorisch wegen Menschenrechtsverletzungen ausschließt. Bisher haben sich vor allem Sportler kritisch zur Wahl Sotschis durch das Internationale Olympische Kommitee (IOC) geäußert. Snowboarderin Hannah Teter, Goldmedaillengewinnerin der Spiele von Turin 2006, sagte dem US-amerikanischen Magazin "Time", sie würde einen Boykott durch ihren Landesverband unterstützen. Auch der neuseeländische, offen schwule Shorttrack-Eisschnellläufer Blake Skjellerup hat mehrfach die Gesetzeslage in Russland kritisiert. Auch Amnesty International hat erst vor Kurzem mit drastischen Worten die Einschränkungen von Meinungs- und Versammlungsfreiheiten in Russland beschrieben.

2014 und der Berlin-Vergleich

Bei einem Besuch der Sportanlagen durch IOC-Präsident Thomas Bach hatte Putin versichert: "Wir tun alles, um sicherzustellen, dass sich Athleten, Fans und Gäste bei den Olympischen Spielen wohlfühlen". Man könne davon ausgehen, dass Russland die olympischen Prinzipien, die jegliche Diskriminierung verbieten, einhalten werde.

Für große Ressonanz sorgte im Sommer diesen Jahres der britische Schauspieler und Autor Stephen Fry, als er in einem offenen Brief an Premierminister David Cameron die Situation für Homosexuelle in Russland mit dem zunehmenden Antisemitismus im Dritten Reich vor den Olympischen Spielen 1936 in Berlin verglich.

ono