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MILITÄREINSATZ: Scharon: Offensive wird fortgesetzt

Israel wird nach den Worten von Ministerpräsident Scharon die Militäroffensive im Westjordanland fortsetzen, bis es seine Ziele erreicht hat. Allerdings solle dies so bald wie möglich geschehen.

Israel wird nach den Worten von Ministerpräsident Ariel Scharon die Militäroffensive im Westjordanland fortsetzen, bis es seine Ziele erreicht hat. Es bemühe sich aber, den Einsatz »so schnell wie möglich« zu beenden, sagte Scharon vor dem Parlament, der Knesset. US-Präsident George W. Bush und der UNO-Sicherheitsrat hatten Israel zuvor aufgefordert, seine Truppen umgehend aus den Palästinenser-Gebieten abzuziehen.

Zeitlich begrenzt

Nach Scharons Worten war der Militäreinsatz von Anfang an als zeitlich befristete Maßnahme geplant worden. Ihr Ziel sei es, »die terroristische Infrastruktur« zu zerschlagen, die hinter den jüngsten Selbstmordanschlägen stehe.

»Regime des Terrors«

Dem Palästinenser-Präsidenten Jassir Arafat warf Scharon in seiner Rede vor, ein »Regime des Terrors« gegen Israel errichtet zu haben. Arafat stehe hinter »den Mörderbanden«, die mit dem Ziel operierten, die Israelis aus dem Lande zu vertreiben, sagte Scharon. Er hielt Dokumente hoch, die angeblich eine Verbindung Arafats zu den Attentätern beweisen. Arafat steht in Ramallah seit Tagen faktisch unter Hausarrest. Israelische Truppen belagern sein Hauptquartier. Die Palästinenser-Führung warf dem Ministerpräsident dagegen vor, mit seiner Rede die Vermittlungsbemühungen von US-Außenminister Colin Powell zu untergraben, noch bevor dessen Nahostreise begonnen habe.

Zu Gesprächen bereit

Scharon bekundete in seiner Rede zugleich Bereitschaft zu Friedensgesprächen, und zwar mit »moderaten und verantwortungsbewussten arabischen Politikern«. Wen er damit meinte, sagte er allerdings nicht. In dieser Woche wolle er mit Powell über eine Friedensinitiative und den Kampf gegen den Terrorismus sprechen.Scharons Rede in der Knesset wurde mehrfach von Tumulten unterbrochen. Arabische Abgeordnete, die mit Zwischenrufen gegen seine Rede opponierten, wurden von anderen Parlamentariern lautstark zurechtgewiesen.

Palästinenser sollen aufgeben

Israels Ministerpräsident äußerte sich auch zur Belagerung der Geburtskirche in Bethlehem. Sie werde so lange von der Armee umstellt bleiben, bis die bewaffneten Palästinenser sich ergäben. In der Kirche halten sich rund 200 teilweise bewaffnete Palästinenser sowie Nonnen und Geistliche auf. Die internationale Gemeinschaft forderte Scharon auf, die Palästinenser zur Aufgabe zu drängen.

Lage an der Geburtskirche

Nach Angaben des palästinensischen Gouverneurs von Bethlehem, Mohammed el Madani, hatten israelische Soldaten die Geburtskirche am Morgen beschossen. Dadurch war ein Feuer in dem angrenzenden Kloster ausgebrochen. Ein palästinensischer Polizist sei bei dem Versuch, das Feuer zu löschen, erschossen worden. Der Brand sei später gelöscht worden. Die Armee erklärte, Palästinenser hätten zuerst geschossen. Madani zufolge schossen die Soldaten von einem 100 Meter entfernten Verwaltungsgebäude auf die Kirche. Zudem hätten zwei Panzer das Gotteshaus unter Beschuss genommen.Der Sprecher der Katholischen Einrichtungen im Heiligen Land, David Jaeger, nannte den Beschuss der Geburtskirche einen Akt »unbeschreiblicher Barbarei« mit langfristigen Konsequenzen. Jaeger, der zurzeit in Rom ist, sagte Reuters, er habe telefonisch davon erfahren, dass israelische Truppen mit dem Beschuss der Kirche begonnen hätten und ein Feuer ausgebrochen sei.

Seit 18 Monaten hält ein Aufstand der Palästinenser gegen die israelischen Besatzer an. Dabei verübten sie immer wieder Selbstmordanschläge in Israel, denen zahlreiche Zivilisten zum Opfer fielen. In dem Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt kamen bislang mindestens 1228 Palästinenser und 420 Israelis ums Leben.

Reuters