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Nach der Exportstopp-Drohung Irans Rohölpreis springt auf Rekordhoch

Der Ölpreis ist auf ein neues Hoch gestiegen: Ein Barrel kostete mit über 120 Dollar so viel wie seit neun Monaten nicht mehr. Grund ist der angekündigte Exportstopp Irans und die guten Aussichten für die Wirtschaft.

Rohöl kostet an den internationalen Börsen so viel wie seit rund neun Monaten nicht mehr. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent wurde am Montagmittag in London für 120,80 Dollar gehandelt. Das waren 1,22 Dollar mehr als zu Handelsschluss am Freitag. Ein Barrel der in New York gehandelten Sorte Light Sweet Crude kostete im elektronischen Handel 105,35 Dollar, und damit 2,11 Dollar mehr als am Freitag.

Als Grund nannten Händler und Analysten das Vorgehen des Iran im Atomstreit. Das Land war dem von der EU beschlossenen Ölembargo am Sonntag zuvorgekommen und will Öllieferungen an französische und britische Firmen stoppen.

Auch Deutschland und weiteren EU-Staaten hat die iranische Regierung mit dem Stopp der Öllieferungen gedroht. Sollten diese Länder ihre "feindlichen Handlungen" fortsetzen, werde der Export eingestellt, sagte der Vize-Ölminister Ahmed Kalebani am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr. Neben Deutschland nannte er Griechenland, Italien, die Niederlande, Portugal und Spanien. Am Sonntag hatte das Ölministerium bereits den Stopp aller Lieferungen an Frankreich und Großbritannien bekannt gegeben. Das Land ist der viertgrößte Ölexporteur der Welt.

Vor allem die Südeuropäer wären betroffen

Im Atomstreit mit dem Iran hatte die EU im Januar ein Ölembargo beschlossen, das schrittweise bis zum 1. Juli in Kraft treten soll. Daraufhin kündigte Teheran seinerseits einen Ausfuhrstopp an. Am Mittwoch waren die Botschafter von sechs EU-Staaten in Teheran im Außenministerium vor einem möglichen Exportstopp gewarnt worden. Davon wären auch die Südeuropäer betroffen, die derzeit die größten Abnehmer iranischen Erdöls sind.

Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Teheran weist dies zurück und beharrt auf seinem Recht zur Nutzung der Atomenergie. Am Montag traf in Teheran eine Delegation der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ein, um offene Fragen zur möglichen militärischen Dimension des Atomprogramms zu klären.

Benzinpreise in Deutschland könnten steigen

Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte die iranische Führung auf, mit den Inspektoren zusammenzuarbeiten. Die Zeit für taktische Manöver sei vorbei, sagte er bei einem Besuch in Mexiko. Westliche Diplomaten äußerten sich indes skeptisch: Vermutlich werde der Iran ein paar technische Schritte unternehmen, um den Anschein zu erwecken, kooperativ zu sein, ohne wirklich zu kooperieren.

Die Ölpreise stiegen nach Ansicht der Analysten und Händler aber nicht nur wegen der aktuellen Entwicklungen im Iran, sondern auch, weil die Chancen für eine starke Wirtschaft gut seien. Als Indiz dafür nannten sie den für Montagabend erwarteten Beschluss der EU-Finanzminister, weitere Milliardenhilfen für Griechenland freizugeben. Hinzu kommen gelockerte Bestimmungen für Banken in China, aufgrund derer diese nun mehr Kredite vergeben können - was die Wirtschaft ebenfalls befeuern könnte.

In Deutschland könnte der hohe Ölpreis weiter steigende Spritpreise bedeuten. Schon in den vergangenen Wochen hatte der Benzinpreis an seinem Rekordhoch von April 2008 gekratzt. Bei Diesel ist der Abstand zum Rekordstand von Juli 2008 noch etwas höher.

fro/AFP AFP

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