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Nach israelischen Luftangriffen: Syrien droht mit Vergeltung und ruft UN an

Nach israelischen Luftangriffen auf Ziele in Syrien spricht die Regierung Assad von einer "Kriegserklärung". In einem Brief an den UN-Sicherheitsrat warnt das Außenministerium vor einer Eskalation.

Syrien hat Israel nach den nächtlichen Bombardierungen in Damaskus scharf attackiert und den UN-Sicherheitsrat zum Handeln aufgefordert. Die Regierung werde alles tun, um das syrische Volk zu schützen, sagte Informationsminister Omran al-Subi am Sonntag in Damaskus. Zuvor hatte laut staatlichen Medien das syrische Kabinett über die Angriffe beraten.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, schickte das Außenministerium ein Schreiben an den UN-Sicherheitsrat und den UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Israelische Kampfflugzeuge hätten Luftschläge auf drei Armeestützpunkte in und um Damaskus verübt, hieß es demnach. Es habe zahlreiche Todesopfer und Verletzte gegeben. Auch nahe gelegene Wohngebiete seien von den Angriffen betroffen. Mit den Attacken habe Israel den "terroristischen Gruppen" in Syrien direkte militärische Unterstützung gegeben. Wenn Israel seine Angriffe fortsetze, werde das die Spannungen in der Region erhöhen, zitierte Sana aus dem Brief. Dies könne zu einem Krieg führen, der Frieden und Sicherheit in der Region wie auch auf der ganzen Welt bedrohe. Der UN-Sicherheit müsse nun seiner Verantwortung gerecht werden und die israelischen Angriffe stoppen.

Zuvor hatte Vize-Außenminister Faisal al-Makdad die Luftschläge als "Kriegserklärung" bezeichnet. Dem US-Nachrichtensender CNN sagte al-Makdad, Syrien werde zu gegebener Zeit Vergeltung üben. Später erklärte die Regierung, die Angriffe hätten "die Tür zu allen Möglichkeiten weit geöffnet". Bei einer ähnlichen Aktion Israels im Januar hatte Syrien ebenfalls bei den Vereinten Nationen protestiert. Zu einem Vergeltungsschlag der Streitkräfte kam es aber nicht.

Zweiter Angriff innerhalb weniger Tage

Israel hatte am Sonntag zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage das Nachbarland Syrien angegriffen. Die Hauptstadt Damaskus wurde am frühen Morgen von schweren Explosionen erschüttert. Aus westlichen Geheimdienstkreisen verlautete, der Angriff habe einer Raketenlieferung aus dem Iran an die islamistische Hisbollah gegolten. Bereits am Freitag gab es einen ähnlichen Angriff. Die Regierung in Jerusalem ist besorgt, dass schwere Waffen in die Hände von Hisbollah-Kämpfer gelangen könnten, gegen die der jüdische Staat vor sieben Jahren einen Krieg geführt hatte.

Anwohner berichteten, rund um Damaskus habe es über Stunden Explosionen gegeben. "Die Nacht wurde zum Tag", sagte ein Mann. Auch in der Stadt Kura al-Assad, wo viele Regierungsmitarbeiter leben, gab es einem Zeugen zufolge Explosionen. Der Ort liegt etwa fünf Kilometer westlich von Dschamraja. In Damaskus selbst gingen die Bewohner zunächst von einem Erdbeben aus. Die Hauptstadt wurde von einer Explosion hellerleuchtet.

Wie aus den westlichen Geheimdienstkreisen verlautete, waren iranische Raketen vom Typ "Fateh 110" für die libanesische Hisbollah das Ziel des Angriffes. Die Islamische Republik ist ein Verbündeter des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad, der seit mehr als zwei Jahren gegen einen Aufstand im Land kämpft. Die meisten Rebellen sind Sunniten, während Assads Volksgruppe der Alawiten dem im Iran vorherrschenden schiitischen Glauben nahestehen.

Kriegszustand seit über 40 Jahren

In Israel wächst unterdessen die Furcht vor einer militärischen Antwort aus Syrien: Am Sonntag stationierte die israelische Armee zwei Raketenabwehrsysteme im Norden ihres Landes. Eine Militärsprecherin in Tel Aviv sagte, zwei Batterien des Systems "Iron Dome" (Eisenkuppel) seien in Position gebracht worden. Es handele sich um eine Routinemaßnahme, die nach "operativen Einschätzungen" erfolgt sei. Sie wollte nicht kommentieren, ob es sich um eine Vorsichtsmaßnahme nach den israelischen Luftangriffen in Syrien handelte. Der israelische Rundfunk meldete, die Batterien seien in der Nähe der Städte Haifa und Safed aufgestellt worden.

Israel und Syrien sind zwar verfeindet. Nach einem Krieg vor 40 Jahren ist es an der gemeinsamen Grenze aber vergleichsweise ruhig geblieben, obwohl sich beide Staaten offiziell noch im Kriegszustand befinden. Dagegen kämpften die israelischen Streitkräfte vor sieben Jahren mehr als einen Monat lang in einem Krieg gegen die Hisbollah im Libanon.

Ägypten protestiert gegen Luftschläge

Ägypten verurteilte die Luftschläge als "Aggression". Die Angriffe verstießen gegen internationales Recht und bedrohten die Sicherheit und Stabilität in der Region, erklärte das Präsidentenamt in Kairo am Sonntag.

Die Arabische Liga warnte Israel vor ernsten Konsequenzen. "Das ist ein ernster Verstoß gegen die Souveränität eines arabischen Landes", sagte Generalsekretär Nabil al-Arabi. Die regionale Sicherheit und Stabilität werde dadurch massiv gefährdet. Ähnlich tönte es aus dem Iran: Das Vorgehen Israels bedrohe die Sicherheit in der ganzen Region, sagte Verteidigungsminister Ahmed Wahidi nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Isna.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast, derzeit auf einer mehrtägigen Reise durch Israel und die Palästinensergebiete unterwegs, warnte vor einer internationalen Eskalation des Konflikts. "Wir glauben nicht, dass es die Situation der syrischen Opposition verbessert, wenn das Ausland dort interveniert." Stattdessen sollte die Staatengemeinschaft den syrischen Machthaber Baschar al-Assad drängen, Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden. Dass ihre Partei Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen ablehnt, sei auch im israelischen Interesse, "weil sich diese Waffen am Ende wohl unkontrollierbar verbreiten würden".

Obama stellt sich auf Israels Seite

Erst am Freitag hatte der US-Fernsehsender NBC unter Berufung auf Regierungsvertreter in Washington berichtet, dass die israelische Luftwaffe erneut ein Ziel in Syrien bombardiert habe. Der nächtliche Angriff habe einer Waffenlieferung an die libanesische Hisbollah-Miliz gegolten, die Verbindungen zur syrischen Regierung unterhält. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Diplomatenkreisen im Libanon erfuhr, wurden bei dem Militäreinsatz Boden-Luft-Raketen zerstört, die Russland kürzlich an Syrien geliefert habe. Eine offizielle Bestätigung aus Washington oder Jerusalem gab es auch hierfür nicht.

Nach den Berichten über den Vorfall sprach US-Präsident Barack Obama Israel das Recht zu, Waffenlieferungen an die Hisbollah-Miliz zu unterbinden, ohne dabei Bezug auf die Angriffsmeldungen zu nehmen. Er überlasse es der israelischen Regierung, diese zu kommentieren, sagte Obama während eines Besuchs in Costa Rica dem Fernsehsender Telemundo. Er glaube aber, "dass die Israelis berechtigterweise gegen den Transfer moderner Waffen an terroristische Organisationen wie Hisbollah vorgehen müssen".

jwi/Reuters/DPA / DPA / Reuters