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Nord- und Südkorea: Kim Jong Un verbietet Familienzusammenführung

Zehntausende Koreaner hatten darauf gewartet: Ende September sollten sich Familien wiedersehen, die seit dem Koreakrieg getrennt sind. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat das Treffen gestrichen.

Die Lage zwischen Nord- und Südkorea schienen sich beruhigt zubhaben, nachdem kürzlich der gemeinsam genutzte Industriepark Kaesong wiedereröffnet wurde. Doch jetzt befeuert Nordkoreas "Oberster Führer" von Volk, Partei und Streitkräften, Kim Jong Un, erneut eine mögliche friedliche Wiedervereinigung mit Südkorea. Wenige Tage vor den mit Spannung erwarteten geplanten Zusammenführungen nord- und südkoreanischer Familien hat Nordkorea die Treffen abgesagt.

Das Vorhaben werde wegen der "feindlichen" Politik des Südens auf unbestimmte Zeit verschoben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Erst vor wenigen Wochen hatten sich Pjöngjang und Seoul auf die Wiederaufnahme der Treffen geeinigt. Das nordkoreanische Komitee zur friedlichen Wiedervereinigung Koreas machte deutlich, erst wenn sich die Gesprächsatmosphäre normalisiert habe, könnten Verhandlungen geführt werden. Von der Regierung Südkoreas gab es zunächst keine Reaktion darauf.

Nach bisheriger Planung wollten beide Seiten ab Mittwoch in mehrtägigen Treffen Familien zusammenführen, die seit dem Koreakrieg in den Jahren 1950 bis 1953 getrennt sind. Dieses Vorhaben wird nach Angaben des Komitees nun auf unbestimmte Zeit verschoben. Dasselbe gilt für die für den 2. Oktober angesetzten Gespräche über die Wiedergenehmigung von Reisen in die nordkoreanische Touristenregion Kumgang.

72.000 Südkoreaner warten auf Zusammenführung

Der Norden kritisierte vor allem gemeinsame Militärübungen des Südens mit der USA. Das südkoreanische Parlament hatte außerdem Anfang September der Festnahme eines linksgerichteten Abgeordneten wegen mutmaßlicher Anstachelung zum Aufruhr im Interesse Nordkoreas zugestimmt. Südkoreanische Vertreter waren am Samstag für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Auf die Wiederaufnahme der Zusammenführungen hatten sich Nordkorea und Südkorea Ende August geeinigt. Die Familien sollten sich zwischen dem 25. und dem 30. September im Feriengebiet Kumgang in Nordkorea treffen. Das Programm aus dem Jahr 2000, in dessen Rahmen bislang tausende Menschen kurzzeitig ihre Verwandten besuchen konnten, sollte nach dreijähriger Pause wieder aufgenommen werden.

Derzeit stehen etwa 72.000 Südkoreaner auf einer offiziellen Warteliste und hoffen, ihre Familienmitglieder im Norden besuchen zu dürfen. Die Hälfte von ihnen ist bereits über 80 Jahre alt. Zuletzt hatte es im Jahr 2010 Familienzusammenführungen gegeben, die stets sehr emotional ablaufen. Unter Aufsicht des Roten Kreuzes trafen sich Verwandte, die auf verschiedenen Seiten der innerkoreanischen Grenze lebten.

jat/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters