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Polen wählt neues Parlament: Kaczynski fordert Tusk heraus

Nachdem sein Bruder Lech bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, wollte Jaroslaw Kacznski selbst polnischer Präsident werden - und scheiterte. Heute tritt er gegen Donald Tusk bei den Parlamentswahlen an. Auch gegen Tusk hat er schon einmal verloren.

Das erste Reiseziel im Falle eines Wahlsiegs steht für Jaroslaw Kaczynski bereits fest. Nicht nach Brüssel, nach Washington oder gar nach Berlin - er will nach Krakau fahren und das Grab seines Zwillingsbruders besuchen. Jaroslaw und der im vergangenen Jahr tödlich verunglückte Staatspräsident Lech Kaczynski waren ein unzertrennliches Gespann, auch an der Spitze der von ihnen gegründeten nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS).

Mit der Flugzeugkatastrophe von Smolensk verlor Polen seinen Präsidenten, Kaczynski aber seinen engsten Vertrauten und Verbündeten. Wochenlang wirkte er wie versteinert. Doch auch Trauer lähmte den 62-Jährigen nicht auf Dauer. Am Sonntag will er die 2007 gegen den Liberalkonservativen Donald Tusk verlorene Macht zurückerobern. Er will nicht mehr der alte Ministerpräsident sein, sondern der neue.

Drohgebarden gegen Angela Merkel

Jaroslaw Kaczynski galt stets als der schwierigere der Zwillinge - im Gegensatz zu dem verbindlicheren Familienmenschen Lech hat der Junggeselle und Katzenfreund ein eher aufbrausendes Temperament. Er wurde als Kopf des Gespanns angesehen, als Stratege und Ideengeber. Im Wahlkampf zeigte er sich über Wochen von einer anderen Seite, als gütiger älterer Onkel, der enttäuschten Jungwählern Hoffnung auf eine bessere wirtschaftliche Zukunft machte. "Polen hat Besseres verdient", lautete Kaczynskis Wahlkampfmotto. Der Tusk-Regierung wirft er vor, dass die sozialen Unterschiede in Polen weiter denn je auseinanderklaffen. Vor allem auf dem Land und unter der jungen Bevölkerung kann er Umfragen zufolge auf Stimmen hoffen.

Selbst mit jungen Frauen umgab sich der bei seiner Mutter lebende Kaczynski im Wahlkampf. Als "Kaczynskis Engel" wurden die PiS-Kandidatinnen in den polnischen Medien schon bald ein geflügeltes Wort. Auch für junge, moderne Frauen ist die PiS wählbar, lautete die Botschaft. In der Endphase des Wahlkampfes allerdings kämpfte Kaczynski einmal mehr mit harten Bandagen - mit antideutschen Bemerkungen in seinem pünktlich vor der Wahl erschienenen Buch. Indem er Bundeskanzlerin Angela Merkel unter anderem Großmachtstreben vorwirft, will er sich als starker Mann präsentieren, der sich auch vom großen Nachbarn im Westen nicht einschüchtern lässt.

ono/DPA / DPA