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Terror im Kaukasus: Weiterer Sprengsatz entdeckt

Nach dem Sprengstoffanschlag auf einen Vorortzug im russischen Nordkaukasus ist die Zahl der Todesopfer auf 42 gestiegen. Mehr als 150 Menschen wurden verletzt.

Nach dem Terroranschlag auf einen Vorortzug im russischen Nordkaukasus mit 42 Todesopfern haben Sicherheitskräfte heute einen weiteren Sprengsatz an einem Güterzug entdeckt. Die Zeitbombe war an dem Radsatz eines Güterwaggons befestigt, berichtete die Agentur Itar-Tass. Der Sprengsatz sei noch im Bahnhof der Ortschaft Kropotkin im Bezirk Krasnodar entschärft worden.

Insgesamt seien bei dem Anschlag am Freitagmorgen 208 Menschen verletzt worden, 151 hätten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Präsident Wladimir Putin verurteilte die Tat als vergeblichen Versuch, die Lage vor den Parlamentswahlen an diesem Sonntag zu destabilisieren.

UN-Generalsekretär Kofi Annan verurteilte den Anschlag. Der Generalsekretär habe der russischen Regierung und den Angehörigen der Opfer sein Beileid übermittelt, teilte ein Sprecher Annans am Freitagabend in New York mit. Auch die US-Regierung verurteilte die Tat. "Kein Anlass, kein Umstand rechtfertigt solche Anschläge", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Adam Ereli, in Washington. Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete das Attentat in einem Telegramm an Putin als "Menschen verachtenden Anschlag".

Durch die Wucht der Detonation wurde der Waggon in zwei Teile gerissen

Nach Erkenntnissen der russischen Ermittler waren vier Terroristen, drei Frauen und ein Mann, an dem Anschlag beteiligt. Ein Selbstmordattentäter habe die Bombe mit einer Sprengkraft von rund zehn Kilogramm TNT am Freitagmorgen in der Nähe der Stadt Jessentuki, 1.500 Kilometer südlich von Moskau, zur Explosion gebracht. Durch die Wucht der Detonation wurde der voll besetzte Waggon des Pendlerzuges in zwei Teile gerissen.

"Der Mann starb, seine Identität steht bislang nicht fest. Er hatte Handgranaten an den Beinen. Das war ein Selbstmordattentäter", sagte der Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, Nikolai Patruschew, in Moskau. Bereits Anfang September waren bei einem Bombenanschlag auf dieselbe Bahnstrecke zwischen den Städten Kislowodsk und Minieralnyje Wody 7 Menschen getötet und mehr als 90 verletzt worden.

35 Menschen waren den Angaben zufolge auf der Stelle tot, sieben weitere starben später im Krankenhaus. Über 150 andere Menschen wurden verletzt im Krankenhaus behandelt. Die meisten Todesopfer waren Schüler und Studenten im Alter zwischen 16 und 19 Jahren sowie Berufspendler auf dem Weg zur Arbeit. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben den Zug vor Fahrtbeginn auf versteckte Sprengsätze untersucht. Während der Fahrt habe eine Patrouille in einem hinteren Waggons mit der routinemäßigen Suche nach verdächtigen Personen begonnen.

"Der internationale Terrorismus bleibt eine ernsthafte Bedrohung"

Wie bei früheren schweren Bombenanschlägen in der Region vermutete die Justiz tschetschenische Auftraggeber hinter der Bluttat. "Ich verbinde dieses Verbrechen als eine der Tatversionen mit den Handlungen tschetschenischer Terroristen", sagte Justizminister Juri Tschaika in Moskau.

Präsident Putin ordnete auch die jüngste Bombenexplosion in die Reihe internationaler Anschläge ein. "Der internationale Terrorismus, der viele Länder herausgefordert hat, bleibt auch für uns eine ernsthafte Bedrohung", betonte der Kremlchef bei einer Lagebesprechung in Moskau. Den Terroristen werde es nicht gelingen, die Lage in der Region vor der Parlamentswahl zu destabilisieren. "Das werden die Bürger Russlands nicht zulassen", sagte Putin.