Treffen mit Xi
Trump in China – Was von dem Besuch in Erinnerung bleibt

Xi und Trump lobten die Beziehung beider Staaten. Foto: Evan Vucci/Pool Reuters/AP/dpa
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Trumps Staatsbesuch in China war öffentlich geprägt von viel Symbolik statt konkreten Ergebnissen. Zwischen den Zeilen fiel aber einiges auf.

Es war ein Gipfel mit freundlichen Zeremonien und schönen Bildern, konkrete Einigungen bei wesentlichen Streitthemen zwischen den USA und China blieben jedoch zunächst aus. Inhaltlich setzten beide Länder beim mehrtägigen Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump in Peking auf unterschiedliche Schwerpunkte. Besonders deutlich wurde das bei den Themen Iran sowie Taiwan. 

Trump besuchte Chinas Staatschef Xi Jinping auch, um über den schwelenden Handelskonflikt der größten Volkswirtschaften der Welt zu reden. Nach US-Angaben sollen Verabredungen in der Wirtschaft, darunter im Flugzeug- und Agrarbereich, getroffen worden sein. 

Dem US-Sender Fox News sagte Trump, China habe den Kauf von 200 Flugzeugen des US-Herstellers Boeing zugesagt. Das Außenministerium in Peking sagte auf Nachfrage lediglich, dass die Essenz der Handelsbeziehung beider Länder gegenseitiger Nutzen sei. Bereits vor Trumps Besuch gab es schon Berichte über einen möglichen Boeing-Deal. 

Konkrete Informationen zum Stand weiterer Verabredungen gab es nicht. Trump sprach von "fantastischen Handelsdeals", ohne ins Detail zu gehen. 

Ein Gipfel, unterschiedliche Gewichtung

Bei Trumps Besuch, der von Mittwoch bis Freitag dauerte, klang es zeitweise so, als nähmen Xi und er an unterschiedlichen Treffen teil. Es ging um die Deutungshoheit. Deutlich wurde der Unterschied beim Thema Iran und der Straße von Hormus. Nach US-Angaben waren sich beide Seiten einig, dass die Meerenge für Energietransporte offen bleiben müsse. Xi habe sich gegen eine Militarisierung der Straße und gegen Gebühren für die Durchfahrt ausgesprochen. Außerdem habe er Interesse am Kauf von mehr US-Öl signalisiert, hieß es. 

In der chinesischen Darstellung spielte dieses Thema zunächst keine Rolle. Später erneuerte China die Forderung nach einer dauerhaften Waffenruhe. Von möglichen Käufen amerikanischen Öls war dabei aber noch keine Rede.

Umgekehrt war es beim Streit um die seit Jahrzehnten demokratisch regierte Insel Taiwan, die China für sich beansprucht und die von den USA unterstützt wird. Peking rückte das Thema sehr früh und deutlich in den Vordergrund. Xi warnte nach chinesischer Darstellung, die Taiwan-Frage müsse mit äußerster Vorsicht behandelt werden. Werde sie falsch gehandhabt, könnten beide Länder in einen Konflikt geraten. Die US-Seite erwähnte Taiwan in ihrer ersten Darstellung dagegen gar nicht.

Insgesamt wirkte es, als wollte Trump schnelle Erfolge betonen. Peking wählte hingegen eine andere Sprache. In der chinesischen Darstellung ging es eher um die langfristige Ordnung der bilateralen Beziehungen. Xi sprach von einer "konstruktiven strategischen Stabilität" zwischen China und den USA.

"G2" - USA und China als Einheit?

Trotz dieser unterschiedlichen Gewichtung wurde beim Treffen eines deutlich: Hier haben zwei Systemrivalen und Großmächte gezeigt, dass sie sich eine engere Zusammenarbeit vorstellen können. Trump nennt immer mal wieder China und USA "G2" - in Anlehnung an bestehende strategische Bündnisse wie etwa die G7-Industriestaaten. Sollten sich exklusive Kanäle einer Zusammenarbeit etwa in der Wirtschaft ergeben, könnte das womöglich Nachteile für andere Regionen der Welt bringen. Für die EU und Deutschland sind beide Länder wichtige Handelspartner.

Trump hält sich zurück

Trump äußert sich in seiner zweiten Amtszeit gefühlt ununterbrochen auf seiner Plattform Truth Social. Doch während seines Staatsbesuchs - es war sein zweiter in China seit 2017 - hielt er sich auffällig zurück. 

In Washington antwortet der US-Präsident bei offiziellen Terminen oft spontan auf zugerufene Fragen von Journalisten. In Peking gab es keinen Moment, in dem sich Trump abseits der geplanten Redebeiträge äußerte. Die Reden fielen eher knapp aus und Trump schien sich ans Manuskript zu halten, was für ihn unüblich ist. Eine Pressekonferenz gab es nicht.

Dick auftragen trotz dünnem Eis 

Iran, Taiwan, gegenseitige Zölle, Handelsbarrieren und Chinas Kontrolle über seltene Erden - die Liste der bestehenden Probleme zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften ist lang.

Bei den öffentlichen Auftritten in Peking war davon jedoch wenig zu spüren. "Wir sollten Partner statt Rivalen sein", sagte Xi zu Trump. "Wir hatten eine fantastische Beziehung", entgegnete Trump und bezeichnete Xi sogar als "Freund". Beim Spaziergang durch den Garten des Führungssitzes Zhongnanhai fielen Trump die Rosen auf. Xi versprach, ihm Samen zu schicken.

"Ich sage über ihn, dass, wenn man nach Hollywood ginge und nach einer Führungsperson aus China für eine Rolle in einem Film suchen würde, könnte man keinen Typen wie ihn finden", sagte Trump dem Sender Fox News und lobte Xis Statur: "Er ist groß, sehr groß, und vor allem für dieses Land, denn dort neigen sie dazu, ein bisschen kleiner zu sein."

Macht Xi einen Gegenbesuch?

Nach dem Staatsbesuch könnten dieses Jahr noch weitere Treffen folgen. Beim Staatsbankett lud Trump Xi für den 24. September nach Washington ein. Ob der Chinese die Einladung annimmt, war unklar. Sollte Trump im November zum Treffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) ins südchinesische Shenzhen kommen oder Xi einen Monat später zum G20-Gipfel nach Miami im US-Bundesstaat Florida, wären weitere Begegnungen möglich.

dpa

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