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Tschad: Islamistenführer Mokhtar Belmokhtar getötet

Entführung und Ermordung von Ausländern, zweimal zum Tode verurteilt: Mokhtar Belmokhtar war einer der meistgesuchten Terroristen. Nun wurde der 40-jährige Algerier bei einem Angriff getötet.

Die Liste der Verbrechen, die Mokhtar Belmokhtar zur Last gelegt werden, ist lang. Allein die algerische Justiz hat den berüchtigten Islamistenführer wegen Entführung und Ermordung von Ausländern in Abwesenheit zwei Mal zum Tod verurteilt. Am Samstag erklärte die Armee des Tschad, sie habe den 40-jährigen Algerier bei einem Angriff im Ifoghas-Massiv im Norden Malis getötet. Zuletzt hatte Belmokhtar von sich reden gemacht, als er erklärte, die Geiselnahme auf dem algerischen Gasfeld In Amenas sei das Werk der von ihm gegründeten Gruppe "Die mit Blut unterzeichnen".

Belmokhtar kam im Jahr 1972 in der Wüstenstadt Ghardaia 600 Kilometer südlich von Algier zur Welt. Bei einem der sehr seltenen Interviews sagte er 2007 in einem Dschihadistenforum, er sei als junger Mann von den afghanischen Mudschahedin und ihrem Kampf gegen die sowjetische Armee begeistert gewesen. Mit kaum 19 Jahren schloss er sich den afghanischen Kämpfern an und ließ sich in jenen Trainingslagern ausbilden, aus denen später das Terrornetzwerk Al-Kaida entstand. Bei einem Gefecht mit sowjetischen Soldaten soll er ein Auge verloren haben, was ihm den Beinamen "der Einäugige" eintrug.

Belmokhtar stieg schnell zum Militärchef auf

Im Jahr 1993 kehrte Belmokhtar in seine Heimat Algerien zurück und stieg dort schnell zu einem der Militärchefs der Islamistengruppe GIA auf, die in ihrem Kampf gegen die Regierung Massaker an Zivilisten verübte. Fünf Jahre später schloss sich Belmokhtar der Salafistengruppe GSPC an, die als gewalttätigste der bewaffneten algerischen Gruppen galt.

Der frühere französische Geheimagent Louis Caprioli sagte, Belmokhtar habe sich äußerst gut im Süden Algeriens ausgekannt, was ihm beim Waffenhandel in der Region Vorteile verschaffte. Um seine Waffenkäufe zu finanzieren, war Belmokhtar im Zigarettenschmuggel aktiv, weshalb ihn manche "Mister Marlboro" nannten. Auch in Autodiebstähle, Schutzgelderpressung, illegale Einwanderung und Drogenhandel soll er verwickelt gewesen sein.

Verschiedenen örtlichen Quellen zufolge heiratete Belmokhtar mehrere Frauen von Tuareg-Stämmen im Niger und im Norden Malis. Durch die familiäre Vernetzung war er über die Bewegungen von Sicherheitskräften in der Region bestens informiert. Immer wieder entzog er sich allen Versuchen, ihn zu fassen.

Er war für zahlreiche Entführungen verantwortlich

Nachdem die GSPC später in der Gruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) aufgegangen war, wurde Belmokhtar einer ihrer bekanntesten Anführer. Als im März 2012 die Rebellion der Tuareg im Norden Malis begann, ging Belmokhtar für drei Wochen zum Kauf von Waffen nach Libyen. Zwischen April und Juni 2012 wurde er mindestens zwei Mal in Gao und Timbuktu gesichtet.

Im Oktober 2012 aber wurde er vom Emir der Aqmi, Abdelmalek Droukdel, abgesetzt, weil er "vom rechten Weg" abgekommen sei. Offenbar hatte er innerhalb der Aqmi Gegner, die ihm seine zahlreichen illegalen Geschäfte übel nahmen. "Belmokhtar hat die Tür zugeschlagen, er ist nun ein freies Elektron in der Sahara", sagte ein Angehöriger der malischen Sicherheitskräfte.

Am 5. Dezember 2012 sendete das mauretanische Radio eine Tonaufnahme des "Einäugigen": Belmokhtar gab die Gründung einer eigenen Gruppe bekannt, Al-Mulathamin (Die mit Blut unterzeichnen). Es war diese Gruppe, die sich später zu dem Angriff auf das algerische Gasfeld In Amenas bekannte - ein Racheakt dafür, dass Algerien den französischen Kampfflugzeugen für ihren Einsatz in Mali den Luftraum öffnete. Bei der anschließenden Befreiungsaktion durch das algerische Militär wurden 37 ausländische Geiseln getötet.

ds/AFP / AFP