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Drei Fragen und Antworten: Was bringen die Wahlen in der Ukraine?

Der Kampf um die Ostukraine zieht sich und droht zum Dauerkonflikt zu werden. Nun wählt das Land einen neuen Präsidenten. Drei Fragen und Antworten zur Situation in der Ukraine.

Von Bettina Sengling

Die Hoffnung war groß, als die ukrainische Revolution gesiegt hatte - doch dann begannen die Kämpfe im Osten. Die Menschen werden immer radikaler, von Europa sind viele enttäuscht. Nun wählt das Land einen neuen Präsidenten.

Hält der Waffenstillstand?

Es hat ihn faktisch nie gegeben. Seit dem Minsker Abkommen vom 5. September sind mindestens 300 Menschen gestorben. Besonders hart ist der Flughafen Donezk umkämpft. Der 400 Millionen Euro teure Bau, erst 2012 zur Fußball-Europameisterschaft fertiggestellt, ist mittlerweile zerstört. Mit endgültiger Waffenruhe rechnet in der Ukraine kaum jemand: Viele befürchten, Russland versuche noch immer, sich nach und nach einen Landzugang zur Krim zu verschaffen.

Was bringen die Wahlen?

Seit der Flucht des Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch Ende Februar haben sich die politischen Verhältnisse krass verschoben. Es kandidieren viele Aktivisten der Maidan-Bewegung und Kommandeure der Freiwilligen-Bataillone, die gegen die prorussischen Aktivisten kämpfen. Derzeit führt in Umfragen die Partei des neuen Präsidenten Petro Poroschenko.

Wie hilft Deutschland?

Die Ukrainer fühlen sich vom Westen alleingelassen. Deutschland schickte jetzt erstmals Hilfslieferungen: Winterkleidung, Decken, Feldküchen und Wassertanks. In Berlin wird nun diskutiert, die Bundeswehr an einem OSZE-Einsatz zur Überwachung des Waffenstillstands zu beteiligen.

Land im Krieg - unterwegs in der Ukraine

Die stern-Reporter Tilmann Müller und Bettina Sengling waren im Land unterwegs und schreiben in der aktuellen Ausgabe, warum die Menschen dort immer radikaler werden.  Lesen hier die Chronologie des Ostukraine-Konflikts

Die stern-Reporter Tilmann Müller und Bettina Sengling waren im Land unterwegs und schreiben in der aktuellen Ausgabe, warum die Menschen dort immer radikaler werden.

Lesen hier die Chronologie des Ostukraine-Konflikts

Die stern-Reporter Tilmann Müller und Bettina Sengling waren im Land unterwegs und schreiben in der aktuellen Ausgabe, warum die Menschen dort immer radikaler werden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite die Chronologie des Konflikts um die Ostukraine.

  • Dezember 2013: Hunderttausende fordern in Kiew den Sturz des pro-russischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Zuvor hatte die Regierung überraschend ein Assoziierungsabkommen mit der EU gestoppt. Zentrum der Proteste wird der Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew.
  • Februar 2014: Bei neuen Straßenschlachten kommen Dutzende Menschen ums Leben. Das Parlament erklärt Janukowitsch für abgesetzt. Wenige Tage nach dem Umsturz in Kiew geraten auf der Krim Anhänger und Gegner einer Annäherung an Russland aneinander.
  • 16. März: Die Krim stimmt in einem Referendum für einen Beitritt zu Russland.
  • 6. April: Bei gewalttätigen Demonstrationen in der Ostukraine besetzen russischsprachige Aktivisten Verwaltungsgebäude.
  • 13. April: Bei einem "Anti-Terror-Einsatz" gegen Separatisten in Slawjansk gibt es Tote und Verletzte.
  • 24. Mai: Am Tag vor der Wahl von Petro Poroschenko zum Präsidenten der Ukraine vereinigen sich die ostukrainischen Städte Donezk und Lugansk zu "Neurussland".
  • 17. Juli: Eine Passagiermaschine der Malaysia Airlines stürzt im Osten der Ukraine ab. Es gibt 295 Tote. Kiew und die Separatisten werfen sich gegenseitig den Abschuss des Flugzeugs vor.
  • 26. August: Putin und Poroschenko treffen in Minsk zu ihrem ersten direkten Gespräch seit fast drei Monaten zusammen.
  • 5. September: Nach monatelangen Kämpfen einigen sich die Führung in Kiew und die prorussischen Separatisten erstmals auf eine Waffenruhe.
  • 20. September: Kiew und die Separatisten verständigen sich auf eine waffenfreie Pufferzone.
  • 28./29. September: Die Feuerpause bleibt brüchig. Bei den blutigsten Kämpfen seit ihrem Beginn kommen fast 20 Menschen ums Leben.
  • 12. Oktober: Kremlchef Wladimir Putin hat den Abzug von mehr als 17.000 russischen Soldaten aus der Grenzregion zur Ukraine befohlen, wie sein Sprecher mitteilt. Damit kommt Moskau einer zentralen Forderung des Westens und der Regierung in Kiew nach.
  • 17. Oktober: Ein Krisentreffen am Rande des Europa-Asien-Gipfels in Mailand bringt keinen Durchbruch. Neben Putin und Poroschenko sitzen führende EU-Politiker am Verhandlungstisch.