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US-Wahl 2020 Unauffällig gegen engagiert, Melania Trump gegen Jill Biden – das Duell der Unterschiede

First Lady Melania Trump und die ehemalige Second Lady Jill Biden.
First Lady Melania Trump und die ehemalige Second Lady Jill Biden.
© Gabriella Audi / Roberto Schmidt / AFP
Die eine glamourös und distanziert, die andere bodenständig und herzlich: Bei US-Präsidentschaftswahlen wird auch über die Ehefrauen der Kandidaten abgestimmt. Und Melania Trump und Jill Biden könnten verschiedener nicht sein.

Am 3. November wird nicht nur entschieden, wer der nächste Präsident der USA wird, sondern auch wer an seiner Seite ins Weiße Haus einzieht. Bleibt Melania Trump für eine weitere Amtszeit die First Lady der Vereinigten Staaten – oder kehrt Jill Biden, die Gattin des früheren Vizepräsidenten Joe Biden, zurück? Eines steht bereits fest: Unterschiedlicher könnten die beiden Politikergattinnen kaum sein.

Melania Trump: vom Model zur First Lady

Melania Trump kam 1970 in Slowenien, damals noch Jugoslawien, zur Welt. In Alter von 25 Jahren ging sie in die USA, ihr Durchbruch als Model kam mit ihrem Umzug nach New York drei Jahre später: sie wurde das Gesicht einer Kampagne für die Zigarettenmarke "Camel". Im selben Jahr lernte sie ihren späteren Ehemann Donald Trump kennen und bekam mit ihm den gemeinsamen Sohn Barron. Melania ist Donald Trumps dritte Ehefrau. Die beiden pflegten zunächst eine sehr medienwirksame Beziehung und inszenierten sich nach ihrer Hochzeit 2005 als Glamourpaar. 

Seit Donald Trumps Vereidigung zum US-Präsidenten 2017 ist Melania First Lady – steht aber nur verhältnismäßig selten im Rampenlicht. Das frühere Model zeigt sich glamourös, aber oft etwas distanziert. Neben ihren wenigen Auftritten prägen einzelne Momente das Bild der 50-Jährigen, in denen sie sich unbeobachtet gefühlt haben dürfte. So etwa bei der Amtseinführung ihres Ehemanns, als ihr Lächeln in dem Moment in sich zusammenfällt, als Donald sich von ihr abwendet. Oder beim Staatsbesuch in Israel, als sie den Versuch des US-Präsidenten, ihre Hand zu nehmen, mit einem Klaps zurückweist.

Auch wenn Melania Trump meist im Hintergrund agiert, so hat sie doch Akzente gesetzt, die zuweilen als Kontrastpunkte zu Donald Trumps Art und seiner Politik interpretiert werden können. Als First Lady hat sie die "Be Best"-Initiative ins Leben gerufen, die sich gegen Cybermobbing von Kindern stark macht. Im Sommer 2018 wandte sie sich gegen die Null-Toleranz-Politik ihres Mannes bei illegaler Einwanderung, die zur Trennung von Kindern und ihren Eltern an Mexikos Grenze führte.

Jill Biden: Lehrerin und ehemalige "Zweite Frau"

Jill Biden wurde 1951 in Pennsylvania geboren, Joe Biden heiratete sie 1977. Fünf Jahre zuvor hatte er seine erste Frau und Tochter bei einem Autounfall verloren. Jill half ihrem Ehemann, seine beiden Söhne Beau und Hunter aufzuziehen und brachte dann 1981 Tochter Ashley zur Welt. Gleichzeitig baute sie sich eine eigene Karriere als Lehrerin auf – mit zwei Master-Abschlüssen und einem Doktortitel in Pädagogik.

Als Joe Biden 2008 an der Seite von Barack Obama das Weiße Haus eroberte, wurde Jill Biden die zweite Frau im Staat. Die Öffentlichkeit sah eine herzliche Persönlichkeit, energiegeladen und eloquent – mit einer Vorliebe für farbenfrohe Kleider. Zugleich bewahrte sie sich ihre berufliche Unabhängigkeit: Selbst als Gattin des Vizepräsidenten unterrichtete Jill Biden weiter Englisch an einem Community College. Außerdem engagiert sie sich im Kampf gegen Brustkrebs. 2012 veröffentlichte sie ein Kinderbuch für die Söhne und Töchter von Soldaten, die in Kriegseinsätze entsandt wurden. 

Der Wahlkampf: Melania Trump – auffällig unauffällig

Lange Zeit hat sich Melania Trump im Wahlkampf ihres Mannes auffällig zurückgehalten. Sie absolviert Pflichttermine und lächelt in die Kameras, doch bei den Wahlkampfauftritten des US-Präsidenten ist sie seltener zu sehen. Anders als andere Mitglieder der Trump-Familie, die sich für die Wiederwahl Donalds mächtig ins Zeug legen.

Einer von Melania Trumps wenigen Wahlkampfauftritten war ihre Ansprache beim Parteitag der Republikaner im August, in Szene gesetzt in dem von ihr gerade erst neu gestalteten Rosengarten des Weißen Hauses. Mit Blick auf Donald Trumps undiplomatische Art sagte sie: "Was wir als Bürger von unserem Präsidenten verdienen, ist totale Ehrlichkeit. Ob einem das gefällt oder nicht, man weiß immer, was er denkt, weil er eine authentische Person ist, die dieses Land und dessen Volk liebt."

Erst Mitte Oktober, zwei Wochen vor der Wahl, sagte die First Lady ihre Teilnahme an der Seite ihres Mannes kurzfristig ab – eine Vorsichtsmaßnahme wegen Hustens, wie ihre Sprecherin mitteilte. Ende Oktober dann stieg sie in Pennsylvania nach Monaten wieder aufs Podium - und wante vor einem Sieg des demokratischen Herausforderers: "Joe Bidens Politik und sozialistische Agenda wird nur dazu dienen, Amerika und all das zu zerstören, was in den vergangenen vier Jahren aufgebaut wurde", sagte sie. "Wir müssen Donald im Weißen Haus behalten, damit er fertigmachen kann, was er begonnen hat."

Melania verteidigte auch die Twitter-Aktivitäten ihres Mannes. "Erstmals in der Geschichte können die Bürger dieses Landes jeden Tag über soziale Medien direkt und unmittelbar von ihrem Präsidenten hören", sagte sie und kritisierte im gleichen Atemzug: "Ich bin nicht immer damit einverstanden, wie er die Dinge sagt."

Der Wahlkampf: Jill Biden – große Stütze für ihren Ehemann

Im Gegensatz zur First Lady ist Jill Biden im Wahlkampf omnipräsent. Nachdem ihr Mann zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten gekürt worden war, trat Jill in der Schule in der sie einst selbst Englisch unterrichtet hatte, vor die Kamera. Mit persönlichen Worten machte die 69-Jährige deutlich, warum ihr Gatte ins Weiße Haus gewählt werden sollte: als Mann, der gleichzeitig Führungsstärke und Mitgefühl in sich vereine.

Im März wurde Jill mit ihrem geistesgegenwärtigen und beherzten Einsatz gegen zwei Störerinnen bei einem Wahlkampfauftritt zum Internet-Star. Nacheinander wehrte sie zwei Aktivistinnen ab, die auf die Bühne gestürmt waren. "Ich bin wahrscheinlich der einzige Präsidentschaftsbewerber, dessen Ehefrau gleichzeitig der Secret Service ist", scherzte Joe Biden später.

Bei den Wahlkampfveranstaltungen ist Jill Biden stets an der Seite ihres Mannes – ob bei Wahlkampfreden und oder virtuellen Spendengalas. Sie half ihm auch bei der Wahl seiner Vizekandidatin Kamala Harris und kündigte an, sich im Falle eines Wahlsieges ganz in den Dienst des Landes stellen zu wollen: Als First Lady werde sie jeden Tag hart arbeiten, "um diese Nation besser zu machen". Ihr größter Fan ist dabei definitiv Joe Biden selbst: Der stellt sich bei Veranstaltungen gerne als "Jills Ehemann" vor.

Quellen: "CNN", "Washington Post"

dho DPA AFP

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