Unruhen in Togo UN besorgt über Flucht Tausender


Die Vereinten Nationen sind wegen der Flucht tausender Menschen aus Togo "äußerst beunruhigt". Nach der Ausreiseaufforderung des Auswärtigen Amtes haben die ersten Deutschen das Land verlassen.

Allein in den vergangenen Tagen seien rund 6000 Menschen vor Gewalttaten in dem westafrikanischen Kleinstaat in dessen Nachbarland Benin geflohen, hieß es am Samstag in einer UN-Erklärung. Hunderte andere Togolesen sowie zahlreiche Ausländer hätten sich in Ghana in Sicherheit gebracht.

Zuvor hatte UN-Generalsekretär Kofi Annan die Konfliktgegner in Togo aufgerufen, ihre gewaltsamen Auseinandersetzungen umgehend zu beenden. «Die verschiedenen politischen Führer müssen aufhören, Gewalt zu schüren und Hass anzufachen», forderte Annan.

Die Berichte sind "äußerst Besorgnis erregend"

Das UN-Flüchtlingshilfswerk und die verschiedenen anderen humanitären Agenturen der Weltorganisation arbeiteten unter Hochspannung, um die Versorgung der Flüchtlinge zu gewährleisten, erklärte der UN-Nothilfekoordinator Jan Egeland. Auch zahlreiche nichtstaatliche Organisationen sind nach UN-Angaben in Nachbarländern Togos im Einsatz, um Flüchtlingen zu helfen. Die Berichte über willkürliche Gewalttaten gegen Zivilisten seien "äußerst Besorgnis erregend", hieß es.

Bei den Unruhen in Togo sind nach unterschiedlichen Angaben bislang zwischen 20 und 100 Menschen ums Leben gekommen. Am Samstag blieb die Lage nach Angaben von Beobachtern allerdings ruhig. Eine Delegation der Afrikanischen Union und der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) im Machtkampf zwischen Regierung und Opposition vermitteln.

Fischer fordert Ende der «antideutschen Hetze» in Togo

Außenminister Joschka Fischer hat die Regierung Togos am Samstag aufgefordert, für ein Ende der "antideutschen Hetze" in dem westafrikanischen Staat zu sorgen. Auch müssten die "inakzeptablen Verleumdungen" gegen den deutschen Botschafter gestoppt und der Schutz deutscher Bürger und Einrichtungen sichergestellt werden, verlangte Fischer einen Tag nach dem Angriff auf das Goethe-Institut in der einstigen deutschen Kolonie.

Angesichts der Gewalt sind die ersten Deutschen der Ausreiseaufforderung des Auswärtigen Amtes gefolgt und haben das westafrikanische Land verlassen. Sie wurden aufgefordert, sich bei deutschen Vertretungen in den Nachbarländern zu melden, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes mitteilte. Die Bundesregierung geht davon aus, dass sich weniger als 300 Deutsche dauerhaft in der ehemaligen deutschen Kolonie aufhalten.

Goethe-Insitut verwüstet

Am Freitag hatten bewaffnete Jugendliche das Goethe-Institut in der Hauptstadt Lomé verwüstet. Die Bundesregierung verurteilte den Übergriff "auf das Schärfste". "Dieser gesetzlose Gewaltakt ist völlig inakzeptabel", sagte Fischer. Die Angreifer hatten im Erdgeschoss des Goethe-Instituts Feuer gelegt. Dabei brannte unter anderem die Bibliothek völlig aus. Nach Angaben einer Institutssprecherin wurde niemand verletzt, es entstand aber ein Schaden von 300.000 Euro.

Fischer appellierte an die togoische Regierung, alles dafür zu tun, um die Urheber des Überfalls zu ermitteln. Der Geschäftsträger der togoischen Botschaft in Deutschland war bereits am Freitag einbestellt worden. Im Auswärtigen Amt wurde ein Krisenstab eingerichtet.

Franzosen suchen Zuflucht in deutscher Botschaft

Eine konkrete Bedrohung der deutschen Botschaft in Lomé gebe es derzeit nicht, sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Dort hatte vor einer Woche der entlassene Innenminister von Togo, François Boko, Zuflucht gesucht. Er hatte vor blutigen Ausschreitungen gewarnt und die Verlegung des Wahltermins gefordert.

Die etwa 3000 Franzosen in Togo wurden bisher nicht aufgefordert worden, das Land zu verlassen. Allerdings seien die Franzosen von der Botschaft in Lomé zur Vorsicht ermahnt worden, sie sollten sich vor allem auch von Menschenansammlungen fernhalten, hieß es am Samstag in Paris. Während der Unruhen in der vergangenen Woche hatten auch einige Franzosen Zuflucht in der deutschen Botschaft gesucht.

DPA/AP AP DPA

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