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Wegen Steuerreform: Mike Pence verschiebt umstrittene Nahost-Reise

US-Vizepräsident Mike Pence wird in dieser Woche nicht in den Nahen Osten reisen. Mit der stark kritisierten Entscheidung der USA, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, soll die Verschiebung nicht zusammenhängen.

US-Vizepräsident Mike Pence

US-Vizepräsident Mike Pence sollte diese Woche ursprünglich nach Ägypten und Israel reisen

Mike Pence wird vorerst nicht in den Nahen Osten reisen. Der US-Vizepräsident verschiebt seinen Besuch in Ägypten und Israel, um bei der anstehenden Abstimmung  über die Steuerreform im Kongress anwesend zu sein, teilte das Weiße Haus am Montag mit. Im Falle eines Patts im Senat sei Pences Stimme notwendig, sagte ein Regierungsvertreter. Der Zorn in arabischen Ländern über Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, sei nicht der Grund für die Verschiebung.

Auf Pences Reise waren unter anderem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie eine Rede vor dem israelischen Parlament geplant. Die Reise soll nun Mitte Januar nachgeholt werden.

Arabische Vertreter wollen Pence nicht treffen

Trump hatte wütende Reaktionen in der muslimischen Welt ausgelöst, als er Anfang Dezember Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannte. Aus Protest sagten mehrere Gesprächspartner auf arabischer Seite Treffen mit Pence ab, unter anderem Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

Wenige Stunden vor der Verschiebung der Reise hatten die USA mit einem Veto im UN-Sicherheitsrat eine kritische Resolution zur Jerusalem-Politik Washingtons verhindert. Bei der Abstimmung über den Text, der die Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels durch die USA kritisierte, stimmten die USA am Montag in New York als einziges Land mit "nein". Die 14 übrigen Ratsmitglieder - unter ihnen die US-Verbündeten Großbritannien und Frankreich - stimmten für die von Ägypten eingebrachte Vorlage.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley sprach von einer "Beleidigung, die wir nicht vergessen werden". Die USA würden sich von niemandem sagen lassen, wo sie ihre Botschaften ansiedeln. Der Resolutionsentwurf sei "ein weiteres Beispiel dafür, dass die Vereinten Nationen im Konflikt zwischen Israel und Palästinensern mehr Schaden anrichten als Gutes tun."

Pence soll "größte Steuerkürzung in der US-Geschichte" unterstützen

Regierungsvertreter in Washington bekräftigten aber, die Verschiebung der Nahost-Reise von Vizepräsident Pence habe nichts mit dem Streit um Trumps Jerusalem-Entscheidung zu tun. Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses sagte, Pence hole die Reise schließlich in "zwei oder drei Wochen" nach.

"Es geht ausschließlich um die größte Steuerkürzung in der US-Geschichte und darum, den Vizepräsidenten und das ganze Team hier zu haben", sagte ein weiterer Regierungsvertreter mit Blick auf die Abstimmung zur Steuerreform. Die Regierung sei zwar sehr optimistisch, was das Votum im US-Senat angehe, wolle aber kein Risiko eingehen.

Das Repräsentantenhaus soll am Dienstag über die Reform abstimmen, die dramatische Steuersenkungen für Unternehmen und bescheidenere Entlastungen für Privatpersonen in allen Einkommensklassen vorsieht. Das Senatsvotum soll am Dienstagabend (Ortszeit) oder Mittwoch folgen. Mit der Abreise des an Krebs erkrankten Senators John McCain haben die Republikaner im Senat nur noch eine hauchdünne Mehrheit.

fri / AFP