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US-Wahlkampf: Splitter, Splatter und Sprücheklopfer

Wie Teresa Heinz die Republikaner gegen sich aufgebracht hat, weshalb Robert de Niro keine italienischen Preise annimmt und warum Verwandte von Präsident Bush John Kerry wählen - Szenen eines Wahlkampfes.

Geld stinkt nicht

Der jetzige US-Präsidentschaftswahlkampf hat schon einen Platz in der Geschichte. Noch nie wurde in einem Rennen um das Weiße Haus so viel Geld gesammelt und ausgegeben wie diesmal, und dazu für eine Schlammschlacht, die ebenfalls alle Rekorde bricht. Sage und schreibe rund eineinhalb Milliarden Dollar an Spenden sind bisher an die beiden Spitzenbewerber George W. Bush und John Kerry, deren Parteien - Republikaner und Demokraten - sowie an diverse andere Kandidaten und politischen Gruppen geflossen. Das ist etwa doppelt so viel wie zum selben Zeitpunkt im Wahlkampf 2000.

Die Ironie dabei: Es gibt in den USA ein neues Gesetz zur Wahlkampffinanzierung, das den Einfluss des Geldes auf die Wahlen verringern soll. Dies, so zeigen Statistiken und auch der Wahlkampfverlauf, ist ein Flop. Die neuen Begrenzungen für Riesenspenden von Unternehmern und Gewerkschaften an die Parteien haben nämlich dazu geführt, dass Schlupflöcher im Reformgesetz gesucht und gefunden wurden - mit noch schlimmeren Auswirkungen.

Die großen Spenden - zum Teil über zehn Millionen Dollar auf einen Schlag - fließen nunmehr an politische "Schattengruppen", die die Arbeit für die Kandidaten und die Parteien erledigen und dabei praktisch keinen Einschränkungen unterliegen. Das gilt nicht nur für das Geld, sondern auch für den Stil: Wo die Spitzenbewerber sich selbst noch Zurückhaltung auferlegen müssen, schlagen die Gruppen in ihrer Wahlkampfwerbung rücksichtslos zu, auch wenn es unter der Gürtellinie ist. Diese Organisationen sind es beispielsweise, die hauptsächlich die Kontroverse um das Engagement der beiden Kandidaten während des Vietnamkriegs bestritten haben. In der letzten Woche vor der US-Präsidentenwahl greifen Republikaner und Demokraten noch einmal tief in die Kasse: Insgesamt 40 Millionen US-Dollar (32 Millionen Euro) wollen die gegnerischen Lager allein in Fernsehspots investieren.

Astronaut wählt in Raumstation

Der amerikanische Astronaut Leroy Chiao wird bei der Wahl seine Stimme per E-Mail abgeben. "Ganz sicher werde ich mein staatsbürgerliches Recht ausüben und meine staatsbürgerliche Pflicht erfüllen", sagte er. Die US-Astronauten, von denen die meisten in der Gegend von Houston in Texas wohnen, erhielten das Recht zur Wahlausübung im Weltall vor einigen Jahren in einem eigens dafür verabschiedeten Wahlgesetz. Unterzeichnet wurde dieses Gesetz vom damaligen texanischen Gouverneur: George W. Bush.

Schwarzenegger vergleicht Kennedy mit einem Kürbis

Im Wahlkampf schreckt Arnold Schwarzenegger vor Witzen über Verwandte nicht zurück. Bei einem Auftritt zur Unterstützung eines republikanischen Kandidaten für das kalifornische Parlament verglich der Gouverneur den Onkel seiner Frau, den Demokraten Edward (Ted) Kennedy, mit einem Kürbis. Auch Kerry wurde nicht geschont. "Meine Kinder haben gerade einen schönen Kürbis nach Hause gebracht, aber wissen Sie was? Ich werde ihn zurückbringen, weil es ein demokratischer Kürbis ist. Er hat die orange Farbe von John Kerrys Haut, und die Rundungen von Teddy Kennedy", sagte Schwarzenegger. Er liebe es, Witze über den Onkel seiner Frau zu machen, fügte der Ex-Schauspieler hinzu. "Er ist einer meiner liebsten Verwandten. Er kommt zu mir nach Hause und isst allen Kuchen und alle Nachspeisen, die wir haben."

Privatflieger stören Bush-Rede

Zwei private Kleinflugzeuge haben Wahlkampfveranstaltungen von Präsident Bush gestört. Die Maschinen drangen versehentlich in den gesperrten Luftraum über den beiden Veranstaltungen in Florida ein und wurden von Kampfjets abgefangen, wie Behörden mitteilten. Für Bush habe keine Gefahr bestanden, betonte ein Sprecher des Weißen Hauses.

Iran würde Bush wählen

Ausgerechnet aus Iran hat Präsident Bush Unterstützung erhalten. Nach Worten von Hasan Rowhani, dem Leiter des Nationalen Sicherheitsrats in Iran, gibt Teheran Bush den Vorzug vor Kerry. Historisch gesehen habe die Demokratische Partei dem Iran mehr geschadet als die Republikaner, sagte er. "Wir wünschen nicht, dass die Demokraten die Regierung übernehmen." Es war das erste Mal seit Jahrzehnten, dass sich eine iranische Regierung derart offen zum amerikanischen Wahlkampf geäußert hat.

"Wir sollten nicht vergessen, dass es die meisten Sanktionen und der größte wirtschaftliche Druck gegen den Iran in der Amtszeit (des früheren US-Präsidenten Bill) Clinton gab", sagte Rowhani. "Und wir sollten auch nicht vergessen, dass Bush - trotz seiner scharfen und unbegründeten Rhetorik gegen den Iran - von der Praxis her gesehen keine gefährlichen Aktionen gegen Iran unternommen hat", fügte Rowhani hinzu. Bush hatte Iran zusammen mit Irak und Nordkorea in einer "Achse des Bösen" eingereiht und beschuldigt, Mitglieder der al Qaeda Unterschlupf zu gewähren. Die Demokratische Partei pflegt in ihrer Außenpolitik dem Thema Achtung der Menschenrechte mehr Bedeutung zuzumessen als die Republikaner.

Teresa Heinz Kerry und die Fettnäpfchen

Teresa Heinz Kerry (66), Präsidentschaftskandidatengattin mit einer Schwäche für Fettnäpfchen, musste sich bei der amerikanischen First Lady Laura Bush entschuldigen. Sie hatte in Frage gestellt, dass Laura Bush jemals einen richtigen Beruf hatte. "Ich weiß nicht, ob sie jemals einen richtigen Job gehabt hat. Die Erfahrung, die sie einbringt, stützt sich also auf wichtige Dinge, aber andere Dinge", sagte sie in einem Zeitungsinterview. Heinz Kerry leitet seit gut zehn Jahren die milliardenschwere Stiftung ihres verstorbenen Ehemanns John Heinz aus der Ketchup-Familie.

Die Republikaner sind trotz der Entschuldigung aufgebracht. Die Frau von Senator John Kerry halte Hausarbeit wohl nicht für "richtige Arbeit", meinte Bush-Beraterin Karen Hughes. Nach einem republikanischen Aufschrei teilte Teresa in einer Erklärung mit: "Ich hatte vergessen, dass Laura Bush Lehrerin und Bibliothekarin war... Es tut mir Leid, dass ich mich an ihre frühere wichtige Arbeit nicht erinnert hatte." Bushs Vertraute Karin Hughes spottete nur. "Das machte es ja fast noch schlimmer: Sie scheint vergessen zu haben, dass Muttersein auch ein richtiger Job ist", sagte sie dem Sender CNN. "Die meisten Frauen werden gekränkt sein, weil sie frei aussuchen wollen, was richtig für sie ist: zu Hause in der Familie oder außerhalb zu arbeiten."

Die gebürtige Portugiesin ist bekannt dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt. Ihren Mann John Kerry musste neulich klarstellen, dass Teresa ausschließlich ihre eigene Meinung äußert. Bei einem Wahlkampfauftritt meinte sie, es würde sie nicht wundern, wenn Osama bin Laden rechtzeitig zur Wahl noch gefasst würde. Bei der traditionellen Reise durch den Südwesten im blauen Wahlkampfsonderzug begrüßte sie die wartende Menge mit dem Satz "Ich liebe Nevada". Leider war sie in Arizona.

Reeves Witwe unterstützt Kerry

Die Witwe des kürzlich gestorbenen "Superman"-Stars Christopher Reeve wird Kerry persönlich im Kampf um das Präsidentenamt unterstützen. Christopher Reeve war nach einem Reitunfall querschnittsgelähmt, glaubte aber fest daran, mit Hilfe einer Stammzellentherapie wieder auf die Beine zu kommen. Er erlag vor knapp zwei Wochen nach einer schweren bakteriellen Infektion einem Herzstillstand.

<zwit>Journalist nach Protest entlassen

Ein amerikanischer Journalist ist nach einem Protest gegen die geplante Ausstrahlung eines kritischen Films über Kerry entlassen worden. Die Sender-Gruppe Sinclair hat ihre 62 Fernsehstationen im ganzen Land angewiesen, in den Tagen vor der Wahl am 2. November den Dokumentarfilm "Gestohlene Ehre" auszustrahlen. Darin prangern Vietnamkriegsveteranen Kerrys Rolle in der Antikriegsbewegung an. Kerry hatte selbst in Vietnam gedient, war nach seiner Rückkehr aber zu einem der prominentesten Kriegsgegner geworden. Die Demokraten haben bereits gegen die Ausstrahlung protestiert. Das Unternehmen, das Präsident Bush im Wahlkampf mit Spenden unterstützt hat, beruft sich auf das Recht zur freien Meinungsäußerung.

Jon Leiberman, Chef des Washingtoner Büros der Gruppe, hatte der "Baltimore Sun" gesagt, der 45-Minuten-Streifen sei "einseitige politische Propaganda". "Ich wurde gefeuert, weil ich Einzelheiten aus einer internen Besprechung öffentlich gemacht habe", sagte Leiberman. In der Besprechung hatte er seinen Protest deutlich gemacht. Er habe seit Monaten gegen Druck aus dem Haus gekämpft, tendenziöse Nachrichten zu präsentieren. In einer Stellungnahme sagte der Sprecher der Sinclair-Gruppe, Mark Hyman, Leiberman sei wegen seiner politischen Überzeugungen an die Öffentlichkeit gegangen. Das Unternehmen wolle keinen weiteren Kommentar abgeben.

Robert De Niro will keine italienischen Orden

Robert De Niro (61), Hollywoodstar, nimmt derzeit keine italienischen Orden und Auszeichnungen an. Der Schauspieler, dessen Urgroßeltern aus einem süditalienischen Dorf stammen, sagte in Mailand nur Stunden vor dem Festakt die Verleihung eines Kulturpreises der Stadt ab. Zudem schlägt der weltberühmte Amerikaner ("Taxi Driver", "Men of Honer") auch die ihm angebotene italienischen Staatsbürgerschaft aus. Grund sei der Wahlkampf, in dem De Niro den Herausforderer Kerry unterstütze, berichteten italienische Medien. Da De Niro aber in seinen Filmen Italo-Amerikaner häufig als Gangster und Mafiosi darstelle, könne deren Hilfe für Kerry nun zum Nachteil werden. "De Niro meint, die Preise besser erst nach den Wahlen anzunehmen", meinte ein Regierungssprecher in Rom.

Waffenlobby stellt sich hinter Bush

Der amerikanische Waffenverband NRA hat sich im Wahlkampf offiziell hinter Präsident Bush gestellt. Die einflussreiche Organisation mit 4,3 Millionen Mitgliedern will dafür bis zum Wahltag 20 Millionen Dollar ausgeben, teilte sie in Duluth, Minnesota, mit. Damit will die Organisation unter anderem Fernseh- und Radiospots sowie Flugblätter in 15 Bundesstaaten finanzieren, in denen das Rennen eng ist.

Die NRA sieht in Bushs Herausforderer einen Gegner der Waffenrechte. Der Senator ist selbst Jäger und besitzt mehrere Waffen. Dennoch setzt er sich für eine stärkere Kontrolle ein. Mitte September war Kerry dafür, ein Gesetz zu verlängern, das den Verkauf von halbautomatischen Waffen stark einschränkte. Die Republikaner im Kongress ließen das Gesetz gegen den Protest von Polizistenverbänden auslaufen. Nach Angaben der NRA haben 45 Prozent der amerikanischen Haushalte Schusswaffen.

Kinder würden Kerry wählen

Ginge es nach den jüngsten Amerikanern, stünde der neue US-Präsident fest. Nach einer Umfrage des Fernsehsenders Nickelodeon unter rund 400 000 Kindern gaben 57 Prozent an, Herausforderer Kerry zu favorisieren. 43 Prozent würden dem Amtsinhaber ihre Stimme geben. Der Sender betonte, dass die befragten Kinder seit Beginn der Erhebungen 1988 stets den Wahlsieger vorausgesagt hätten. Vor vier Jahren hatten 55 Prozent der Kinder für Bush gestimmt. Das Votum der Kinder zwischen zwei und elf Jahren scheine ein "gutes Barometer für die Präsidentschaftswahl" zu sein, da Kinder die Meinungen und Ansichten ihrer Eltern teilten, erklärte Nickelodeon-Chefin Cyma Zarghami.

Deutsche glauben an Kerrys Sieg

Die Mehrheit der Deutschen glaubt, dass Kerry gewinnen wird. In einer Forsa-Umfrage unter 1000 ausgewählten Bundesbürgern im Auftrag des Hamburger Magazins stern erklärten dies 59 Prozent der Befragten. 31 Prozent sind der Ansicht, dass Bush die Wahl gewinnen wird. Zehn Prozent antworteten mit "Weiß nicht". Große Zweifel haben die Deutschen am korrekten Ablauf der Wahl. Nur 40 Prozent aller Bundesbürger glauben, dass die Wahl ordnungsgemäß und rechtmäßig ablaufen wird. 53 Prozent rechnen mit ähnlichen Unregelmäßigkeiten wie bei der letzten Wahl vor vier Jahren. Unentschieden sind hier 7 Prozent.

Ente à la Bush oder nach Kerry-Art

Bush oder Kerry? Diese Frage stellt sich nicht nur den amerikanischen Wählern, sondern neuerdings auch chinesischen Restaurantbesuchern. Ein Wirt in der Stadt Foshan lädt seine Gäste dazu ein, mit ihrer Bestellung Stellung zu beziehen - für Ente à la Bush oder nach Kerry-Art. Vor dem Restaurant hänge ein Banner mit der Aufschrift "Kommen Sie herein, machen Sie mit und wählen Sie Ihren Kandidaten", berichtete die Zeitung "Yangcheng Wanbao".

Die Bush-Ente sei stark gewürzt, "passend zu seiner kriegstreiberischen Persönlichkeit", die Variante Kerry ein magerer Vogel mit einer Sauce, die seiner "scharfsinnigen und fähigen Natur" entspreche. Die Vorlieben der Gäste sind - genau wie die der US-Wähler - geteilt: Bislang bestellten 53 Prozent der Restaurantbesucher Ente Kerry, 47 Prozent zogen den würzigen Bush vor. Nach der Wahl am 2. November sollen alle Kunden, die auf den Sieger gesetzt haben, einen Preis erhalten.

Wahlkampf verunsichert deutsche Anleger

Der unklare Ausgang der Präsidentenwahl verunsichert offenbar die deutschen Anleger. Mehr als jeder dritte deutsche Investor (37 Prozent) habe mittlerweile sein Kapital aus US-Aktien abgezogen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Investmentbank HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Anleger warteten ab, ob Amtsinhaber Bush oder Herausforderer Kerry das Rennen mache und wollten erst dann wieder umschichten, hieß es.

Hauptgrund für die Verunsicherung der Anleger ist der große Unterschied der Wirtschaftsprogramme von Republikanern und Demokraten, was eine eindeutige Prognose der künftigen US-Wirtschaftspolitik unmöglich mache. Nur sieben Prozent der Befragten lassen sich der Erhebung zufolge bei ihren Aktienentscheidungen nicht von der Wahl beeinflussen. 61 Prozent der deutschen Anleger gehen davon aus, dass Kerry als Präsident die Aktienmärkte beflügeln würde, 22 Prozent rechnen im Falle einer Wiederwahl Bushs mit einer Belebung der Aktienmärkte.

Schmunzeln und Empörung

Wenige Tage vor der Wahl können Randfacetten den Ausschlag geben, die ein Schlaglicht auf die Kandidaten werfen. Besonderes Gewicht wird dem "Kulturphänomen" (Washington Post) Jon Stewart (41) beigemessen. In seiner erfolgreichen halbstündigen "Daily Show" nimmt er täglich die neuesten Wahlkampfauftritte aufs Korn. Die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen sagte in einer Umfrage des Pew-Instituts, sie informiere sich manchmal oder regelmäßig über die Ereignisse des Tages bei Stewart.

Kostprobe: Die "Daily Show" zeigt Ausschnitte aus einem Interview mit Vizepräsident Richard Cheney, der sagt, dass alle Iraker ihm "bis auf den letzten Mann" immer versichern, sie seien den USA dankbar für die Befreiung des Landes vom Diktator Saddam Hussein. "Ja??? Haben Sie auch mal die Leute mit den Bomben gefragt?" kommentiert Stewart gespielt ungläubig.

Late-Night-Talkmaster Jay Leno nahm Vizepräsidentschaftskandidat John Edwards aufs Korn. Dessen Flugzeug musste neulich den Start abbrechen, weil ein Blinklicht nicht funktionierte. "Offenbar war nicht genügend Strom an Bord, um gleichzeitig den Blinker und Edwards Föhn zu speisen", frotzelte Leno in Anspielung auf Edwards angebliche Eitelkeit um seine Haarpracht.

"John Kerry ist jagen gegangen und der Präsident warf ihm vor, dies nur wegen der Fernsehbilder zu tun", erzählte Conan O'Brian in seiner Show. "Komisch, dass Bush dabei selbst einen Kampfpilotenanzug trug und auf einem Flugzeugträger stand", sagte O’Brian und spielte darauf an, dass Bush die Verkündung des Endes der Kampfhandlungen im Irak vor 17 Monaten auf einem Flugzeugträger inszenieren ließ.

Kerry und die Zahlen

John Kerry, Fan der Boston Red Sox, unterstützt sein Baseball-Team auch in der Endphase des Wahlkampfs. Der Senator aus Massachusetts feiert die Red-Sox-Siege selbst dann, wenn er über das genaue Ergebnis nicht immer im Bilde ist. "Zehn zu neun - das haben die Sox fabelhaft gemacht", sagte Kerry grinsend in Florida. Vor einer Kirchengemeinde wiederholte er kurz darauf: "Die Red Sox haben zehn zu neun gewonnen." Allerdings: Das Spiel ging elf zu neun aus. In New Hampshire vermeldete Kerry ein weiteres Mal freudig einen falschen Spielstand.

Bushs schlecht sitzendes Hemd

Präsident Bush hat sich erneut gegen Vorwürfe des angeblichen Betrugs während der ersten Fernsehdebatte mit Herausforderer Kerry gewehrt. Die viereckige Ausbuchtung zwischen seinen Schulterblättern führe er auf den Schnitt seines Hemdes zurück, sagte Bush dem US-Fernsehsender ABC. "Ich weiß nicht, was das ist. Ich fürchte, dass ist ein schlecht geschnittenes Hemd", erklärte der Präsident die mysteriöse Beule. Auf die Nachfrage, ob es tatsächlich kein verborgenes Funksystem gegeben habe, antwortete Bush: "Erklären Sie mir doch bitte, wie so etwas funktionieren soll, damit ich es bei der nächsten Debatte ausprobieren kann."

"Bild" wählt Bush

Die "Bild"-Zeitung hat als erstes deutsches Blatt eine Empfehlung für die Präsidentschaftswahlen abgegeben. Die Zeitung sprach sich für Bush aus. "Bei Bush wissen wir, was wir zu erwarten haben. Bei Kerry weiß dagegen niemand, wofür er steht und wohin er Amerika - und die Welt - führen will", schrieb Autor Hugo Müller-Vogg, der zehn Punkte pro Bush aufführte.

Zu möglichen weiteren Auslandseinsätzen der Bundeswehr sagte er, Bush wisse, dass Europa und Deutschland nicht über die militärischen Kapazitäten verfügten, um sich stärker als bisher zu engagieren. Deshalb würde er diesen Beitrag auch nicht einfordern. "Kerry würde aber genau das tun - und die ohnehin beschädigten deutsch-amerikanischen Beziehungen weiter belasten."

Bush habe eindeutige Prioritäten, schrieb Müller-Vogg in dem Beitrag weiter: "Er sieht den menschenverachtenden islamistischen Fundamentalismus, die mordwütigen Mullahs als die größte Gefahr für die westliche Welt." Bush habe "die Lektionen der Geschichte gelernt. Gegen gewaltbereite Fanatiker helfen keine guten Worte, da hilft nur militärische Stärke."

Vorwürfe von Amnesty

Amnesty International hat sowohl Bush als auch Kerry vorgeworfen, das Thema Folter im Wahlkampf zu ignorieren. Amnesty könne beweisen, dass die US-Regierung "in den Skandal um die Folterungen von Gefangenen im Irak, in Guantànamo und in Afghanistan verstrickt" sei. Ein von der Menschenrechtsorganisation veröffentlichter Bericht räume mit der Behauptung auf, "dass es sich um Einzelfälle gehandelt habe". Deshalb sollten sich sowohl Bush als auch Kerry dazu verpflichten, im Falle ihrer Wahl gegen diese Folterpraxis vorzugehen, forderte Amnesty.

"In ihren Debatten haben die Kandidaten einen unguten stillen Konsens bewiesen", sagte der US-Experte von Amnesty in Deutschland, Sumit Bhattacharyya. Beide hätten sich zum Thema Folter gar nicht erst geäußert. Er forderte von Bush die "sofortige Einrichtung einer unabhängigen Untersuchungskommission". Die bisherigen Untersuchungen seien unzureichend gewesen. "Auffällig ist etwa, dass wir bisher weder etwas über die Rolle und Vorgehensweise des Geheimdienstes CIA erfahren haben noch über die geheimen Transfers von Gefangenen zwischen verschiedenen Ländern", sagte Bhattacharyya.

Bush-Verwandte unterstützen Kerry

Verwandte von Präsident Bush setzen sich im Wahlkampfendspurt für dessen Herausforderer ein. Auf einer eigens geschaffenen Website erklären die sieben entfernten Angehörigen des Präsidenten, sie wollten ihren kleinen Beitrag dazu leisten, "Amerika von der Krankheit zu heilen", unter der es seit Bushs Amtsantritt im Jahr 2000 leide. Unter der Überschrift "Weil Blut dünner ist als Öl!" heißt es: "Bitte, wählen Sie nicht unseren Cousin". Bei den Verwandten handelt es sich um Enkelkinder von Mary Bush, verheiratete House, der Schwester von Prescott Bush, dem Großvater des derzeitigen Präsidenten.

Großeltern machen mobil

Eine Gruppe namens GrannyVote.org gab die Gründung einer politischen Lobbygruppe bekannt, welche die besonderen Interessen von Omas und Opas in der Politik vertreten soll. Großeltern seien "der mächtigste Wählerblock unter den amerikanischen Wahlberechtigten", hieß es auf der Webseite der Gruppe. Es gebe derzeit 70 Millionen Großeltern, mit rasch steigender Tendenz.

"Dänen für Bush"

Vier Wochen als angebliche "Dänen für Bush" im Wahlkampf haben das Amerika-Bild zweier Kopenhagener Journalisten erschüttert - aber auch Zweifel an der Urteilskraft ihrer eigenen Landsleute aufkommen lassen. "Was immer wir an grotesken Argumenten von uns gegeben haben, niemand in den USA zweifelte etwas an. Und sogar in Dänemark schreiben die Leute jetzt begeistert, dass wir doch recht haben", berichtet Mads Bruegger nach der Ausstrahlung von drei Fernsehfolgen über ihre Tour durch die USA. Zusammen mit seinem Kollegen Jacob S. Boeskov war Bruegger vier Wochen lang als angeblich stramm rechtsorientiertes Duo in einem Wohnwagen von Los Angeles nach New York gefahren, hatte republikanische Wahlkampfbüros besucht, Parteimitgliedern feierlich einen erfundenen "Freiheitskämpferpreis" überreicht und Wahlkampfmaterial auf Parkplätzen verteilt.

Mit ihrem gespielten naiv-begeisterten Auftreten für Bush brachten sie ihre vertrauensseligen Gesprächspartner dem Fernsehbericht nach zu Äußerungen, die anderswo vor laufender Kamera wohl nicht gefallen wären. Wenn die beiden Dänen auf ihre angeblich schlappen Landsleute im "sozialistischen Skandinavien" schimpften, legten republikanische Politiker und christlich-fundamentalistische Prediger nach und kündigten ein massiveres Durchgreifen von Bush, drinnen und draußen, nach der von ihnen erhofften Wiederwahl der Präsidenten an. Die Methode von Verkleidung und Bluff gegenüber Gesprächspartnern rechtfertigt Boeskov mit der "Wirkungslosigkeit normaler journalistischer Methoden". Alle Beteiligten hätten die Regeln vollständig verinnerlicht und äußerten sich dementsprechend gefiltert. "Wir wollten das Klima erforschen, da kommt man als Freund weiter", sagte Bruegger.

Dusko Vukovic (mit Material von AP/DPA/Reuters) / DPA