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Angriffe auf US-Stützpunkte USA-Iran-Konflikt: Warum es (wohl) nicht so schlimm kommt, wie es gerade scheint


Droht ein Krieg zwischen den USA und dem Iran? Wie angekündigt hat das Mullah-Regime Vergeltung für den Tod ihres Top-Generals Ghassem Soleimani geübt. Eskaliert nun die Lage? Eigentlich spricht mehr für eine Beruhigung – eine Analyse.

Die USA töten mit einem Drohnenangriff Ghassem Soleimani, den Architekten des iranischen Expansionsstrebens – und die Mullahs schwören Rache. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch feuern deren Revolutionsgarden ein Dutzend Raketen auf Stützpunkte im Irak, die auch von den USA genutzt werden – war es das mit der angekündigten Vergeltung oder legt die Regierung in Teheran noch einmal nach? Und vor allem: Wie reagiert US-Präsident Donald Trump? Wird er es bei dem iranischen Gegenschlag belassen? Oder wird die US-Regierung Vergeltung für Vergeltung üben? Vermutlich wird es das fürs erste gewesen sein – denn keine der beiden Seiten hat Interesse daran, weiter Öl ins Feuer zu gießen.

Donald Trump will weniger als mehr Kriege führen

Etwa die USA: Donald Trump hat versprochen, als Präsident weniger statt mehr Kriege zu führen. Sein Willen, US-Soldaten wieder nach Hause zu bringen, hat zum (Teil-)Abzug seiner Truppen aus Syrien geführt, was jedoch übereilt war, so dass nun das Assad-Regime, Russland und der Iran dort freie Bahn haben. Ein Fehler, den der US-Präsident korrigieren musste. Auch der Einsatz gegen Soleimani war das Ergebnis von Trumps Impulsivität. Nach allem, was bekannt ist, war die Operation "Tötung des Kommandeurs" eine von mehreren Optionen des US-Militärs, um gegen den Iran vorzugehen. Aber nicht die von den US-Generälen bevorzugte.

Schon Trumps Vorgänger Barack Obama und George W. Bush hatten sie auf dem Tisch, beide haben darauf verzichtet, weil sie fürchteten, dass sein Tod den Dauerkonflikt außer Kontrolle geraten lassen könnte. Die Reaktion auf den US-Angriff im Iran und die gigantischen Trauerfeiern haben gezeigt, wie leicht sich das Land gegen die USA vereinen lässt. Die relative Ruhe im Weißen Haus der vergangenen Tage deutet darauf hin, dass Donald Trump verstanden hat, wie explosiv die Lage ist. Nach dem Vergeltungsschlag der Iraner gegen die Militärbasen twitterte der US-Präsident die Worte: "So weit so gut! Wir haben das stärkste und am besten ausgestattete Militär überall auf der Welt, bei weitem!". Racheschwüre klingen anders.

Und der Iran? "Tod den USA" gehört seit der islamischen Revolution von vor 40 Jahren zum guten Ton im Land, zumindest offiziell. Tod den USA schworen die Regierungsmitglieder in Teheran auch dieses Mal, nachdem ihr Top-Mann für Auslandskoordination bei einem Besuch in Bagdad getötet wurde. Doch die Revanche fiel (auf den ersten Blick) fast schon "bescheiden" aus: Insgesamt mehr als ein Dutzend iranische Raketen schlugen in den Stützpunkten im nordirakischen Erbil sowie Ain al Assad im West-Irak ein. Ob es Opfer gibt, ist noch unklar. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif erklärte danach, die Angriffe seien "verhältnismäßig gewesen" und "abgeschlossen". Zudem strebten "wir nicht nach einer Eskalation oder Krieg". Auch diese Worte klingen nicht danach, als würden die Mullahs von sich auch noch weitere Rachezüge planen.

Wie entwickelt sich die Lage weiter?

  • Mit Donald Trump sitzt ein US-Präsident im Weißen Haus, der mehrfach schon nicht auf seine Generäle gehört hat und gerne aus dem Bauch heraus entscheidet. Anders gesagt: Ob und wie er reagieren wird (vor allem sollte es viele Opfer geben), ist seriös nicht zu sagen. Seine Basis aber (das Wahljahr hat gerade begonnen) lehnt jeden (weiteren) Feldzug kategorisch ab, weshalb er zur Deeskalation neigen dürfte.
  • In Teheran haben zwar die antiamerikanischen Hardliner wieder das Sagen, aber das Land selbst ist durch die Sanktionen ausgemergelt und im Allgemeinen neigen die dortigen Machthaber nicht zu irrationalen Übersprungshandlungen. Unberechenbar allerdings könnten sich einige der mit Iran verbündeten Milizen in der Region verhalten, die auf eigene Faust gegen die USA und deren Soldaten vorgehen könnten.

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