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Vierer-Gipfel zur Eurokrise: Monti warnt vor Spekulationsangriffen

Italiens Regierungschef Mario Monti hat eindringlich vor einem Scheitern des kommenden EU-Gipfels gewarnt. Vor allem Krisenländer drohten Attacken von Spekulanten. Gemeinsam mit Kanzlerin Merkel und den Staatschef aus Spanien und Frankreich will er in Rom Krisenrezepte finden.

Einzelne Euro-Länder müssen nach Einschätzung des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti mit "eskalierenden Spekulationsangriffen" rechnen, wenn beim EU-Gipfel kommende Woche keine dauerhafte Lösung der EU-Schuldenkrise gefunden wird. Vor allem die schwächeren Länder müssten mit solchen Attacken rechnen, sagte Monti dem britischen "Guardian“. Nicht nur die Länder, die die Vorgaben der EU nicht erfüllt hätten, wären dann bedroht, sondern auch solche Länder wie Italien, die einen hohen Schuldenberg angehäuft hätten. Ein großer Teil der EU-Länder hätte mit sehr hohen Zinsen zu kämpfen, was sich auch auf die Unternehmen auswirke, warnte Monti.

Er will an diesem Freitag in Rom gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Francois Hollande und Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy versuchen, eine Wachstumsagenda für die EU abzustecken. Die führenden europäischen Länder hatten auf dem G20-Gipfel in dieser Woche in Mexiko zugesagt, "alle notwendigen Maßnahmen" im Kampf gegen die Krise zu ergreifen. Sie wollen mit dem Vierertreffen den EU-Gipfel Ende kommender Woche vorbereiten. Bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der vier größten Volkswirtschaften der Euro-Zone dürfte es auch darum gehen, wann und wie viel Hilfe Spanien aus den Euro-Rettungsschirmen für seine Banken beantragt. Die Prüfung durch zwei unabhängige Beratungsunternehmen ergab einen Bedarf von 51 bis 62 Milliarden Euro unter schärfsten Krisenannahmen. Das ist deutlich weniger als die bis zu 100 Milliarden Euro, die die Euro-Finanzminister dem Land aus den Rettungsfonds offeriert haben.

Vermittlerrolle zwischen Berlin und Paris

Der Treffen in Rom wurde auf Wunsch der Bundeskanzlerin um mehrere Stunden vorgezogen, da Merkel am Abend bei der EM-Viertelfinalbegegnung der deutschen Mannschaft gegen Griechenland dabei sein wollte. Am Sonntag will die Kanzlerin SPD und Grüne in einer Telefonkonferenz über die Ergebnisse des Vierergipfels informieren.

Monti könnte eine Vermittlerrolle zwischen Berlin und Paris zukommen. Vor allem in Sachen Eurobonds gehen die Meinungen zwischen Merkel und Hollande auseinander. Während die Kanzlerin diese gemeinsamen Anleihen der Euro-Länder strikt ablehnt, bringt der französische Präsident sie immer wieder ins Spiel. Diskutiert werden dürfte in Rom auch über Montis Forderung nach Unterstützung an den Anleihemärkten.

Öffentliche Meinung wendet sich gegen Europa

Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sprach sich Monti auch für eine rasche europäische Integration aus. Diese sei nötig, um heil aus der Krise zu kommen. "Aber wenn der Europäische Rat nicht schnell die Probleme der Eurozone behebt, wird sich die öffentliche Meinung gegen diese größere Integration wenden. Dieses Risiko sehe ich sogar in unserem Parlament, das traditionell proeuropäisch war und es nicht mehr ist", warnte Monti.

Monti bekräftigte, dass sein Land keine finanziellen Hilfen benötige. Bislang habe Italien keine Darlehen erbeten, das Land selbst habe aber viele gegeben, sagte er. "Italien wird auch künftig keine Hilfen nötig haben." Monti verwies darauf, dass Italien in diesem Jahr voraussichtlich ein Haushaltsdefizit von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes haben werde, in der EU liege das Defizit dagegen im Durchschnitt bei 3,6 Prozent, in der Euro-Zone bei 3,2 Prozent. "2013 wird Italien einen strukturellen Überschuss von 0,6 Prozent haben, und es wird das erste Land mit einem Einnahmenüberschuss sein", sagte Monti.

lin/Reuters/DPA / DPA / Reuters