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Vorwürfe des US-Verteidigungsministers: Gaddafi soll Leichen an Angriffsorten platzieren

Die Luftangriffe gegen Gaddafi zeigen Wirkung. Die Rebellen stoßen nach Westen vor. US-Verteidigungsminister Gates wirft dem libyschen Regime Regime die Inszenierung ziviler Opfer vor.

Die USA werfen dem libyschen Machthaber Muammar Gaddafi die Inszenierung ziviler Opfer vor. Es gebe zahlreiche Geheimdienstberichte, nach denen Gaddafis Truppen von ihnen getötete Menschen an Angriffszielen der westlichen Allianz platziert hätten, sagte Verteidigungsminister Robert Gates laut vorab verbreiteten Interview-Auszügen mit dem TV-Sender CBS News. Dadurch solle dem Westen die Schuld an deren Tod gegeben werden. Die libysche Regierung macht die Militärkoalition für den Tod von fast 100 Zivilisten verantwortlich. Westliche Militärs haben den Vorwurf bislang zurückgewiesen.

Gates betonte in dem im Internet veröffentlichten Interview weiter, dass die Koalitionsstreitkräfte "äußerst vorsichtig" vorgegangen seien. Die Koalition habe eine "außerordentliche Arbeit" geleistet.

Aufständische rücken nach Westen vor

Die Aufständischen rückten unterdessen nach Westen vor. Die strategisch wichtige Küstenstadt Adschdabija haben sie bereits zurückerobert. Auch die Stadt Brega soll wieder in den Händen der Rebellen sein. Nach Angaben des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira blieb jedoch unklar, ob die Gaddafi-Gegner auch den nahen Ölhafen wieder unter Kontrolle hätten. In Tripolis sei es in der Nacht zum Sonntag relativ ruhig geblieben, berichtete die Al-Dschasira-Korrespondentin.

Französische Kampfjets zerstörten bei ihren Einsätzen in Libyen mindestens fünf Militärflugzeuge und zwei Kampfhubschrauber des Typs Mi-35. Damit hätten die französischen Piloten am Samstag verhindert, dass die libysche Luftwaffe in die Kämpfe um die Stadt Misurata eingreift, teilte das Verteidigungsministerium in Paris mit.

Die zerstörten Flugzeuge seien einstrahlige Maschinen vom Typ Galeb gewesen - betagte Jettrainer aus dem damaligen Jugoslawien, die auch für leichte Luft-Boden-Einsätze umgerüstet werden können. Bei den Mi-35 handelt es sich dagegen um schwere Kampfhelikopter, die noch zu sowjetischen Zeiten konzipiert worden waren.

Explosionen auch in Tripolis

In den vergangenen 24 Stunden hätten insgesamt rund 20 französische Flugzeuge in der Region mehrfach in das Geschehen eingegriffen. Erstmals seien dabei auch jeweils zwei von Katar und Frankreich auf Kreta stationierte Mirage-Jets zum Einsatz gekommen.

Auch in Tripolis waren nach Angaben des Senders BBC am Samstag laute Explosionen zu hören. In einem Vorort soll eine Kommunikations-Zentrale des Militärs gebrannt haben.

Obama: Gaddafi zur Verantwortung ziehen

US-Präsident Obama hob "wichtige Fortschritte" der internationalen Militäraktion gegen das Regime Gaddafis hervor. "Gaddafi hat das Vertrauen seines Volkes sowie die Rechtmäßigkeit zur Herrschaft verloren", sagte Obama in seiner wöchentlichen Rundfunkrede am Samstag. "Die Hoffnungen des libyschen Volkes müssen verwirklicht werden." Das Weiße Haus kündigte eine wichtige Rede Obamas zu Libyen für Anfang der Woche an.

Obama sprach sich dafür aus, Gaddafi für das brutale Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung zur Verantwortung zu ziehen. Zugleich mahnte er ihn, die Angriffe auf Zivilisten zu stoppen. "Diejenigen, die für Gewalt verantwortlich sind, müssen haftbar gemacht werden", forderte Obama.

ukl/AFP/Reuters / Reuters