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"Wowa, trink mal Tee!" Warum dieses Putin-Bild zum politischen Statement wird

König von Saudi-Arabien lehnt bei einem Kreml-Besuch den Tee aus der Hand von Wladimir Putin ab 
König von Saudi-Arabien lehnt bei einem Kreml-Besuch 2017 den Tee aus der Hand von Wladimir Putin ab 
© Screenshot Twitter
Um ihre Meinung zu äußern und keine Sanktionen hierfür befürchten zu müssen, finden die Russen immer wieder neue Formen von kreativem Protest. Nun wird ein Bild von Wladimir Putin dazu benutzt, um Stellung im Fall von Alexej Nawalny zu beziehen. 

Die mutmaßliche Vergiftung von Alexej Nawalny erschüttert de russische Opposition. Nach Angaben der Charité, wo der Kreml-Gegner derzeit behandelt wird, deuten die ersten Untersuchungen auf eine Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer hin, die bei Nawalny gefunden wurde. Laut Charité wurde die Wirkung des Giftstoffes mehrfach in unabhängigen Laboren nachgewiesen. 

Während die Ärzte versuchen herauszufinden, mit welcher Substanz genau Nawalny ergiftet wurde, mutmaßen in Russland viele, wer hinter dem Giftanschlag stecken könnte. Ein Bild aus dem Jahr 2017 macht in den sozialen Netzwerken die Runde. Damals stattete der König von Saudi-Arabien Putin einen Besuch ab. Der Kreml-Chef setzte sich an den Verhandlungstisch und beschloss, seinem Gast Tee einzuschenken. Doch der König lehnte mit einer eindeutige Geste ab, wie auch sein Übersetzer.

Nun wird diese Aufnahme als politisches Statement benutzt - in Anspielung darauf, dass Nawalny mutmaßlich mit einem Tee vergiftet worden ist. "Das ist die richtige Antwort ist, wenn Putin Ihnen Tee anbietet", lautet oft der sarkastische Kommentar zu dem Bild. 

Mit der Verbreitung der Aufnahme ist es den Russen möglich, ein politisches Statement zu setzten, ohne dafür belangt werden zu können - etwa wegen Verleumdung oder Beleidigung des Präsidenten, was im Fall einer direkten Schuldzuweisung der Fall wäre.

Auch bei Protesten erfreuen sich neuerdings Einladungen zum Tee großer Beliebtheit. "Wowa, trink doch mal einen Tee - Chabarowsk lädt dich ein", riefen etwa die Menschen bei Demonstrationen in der fernöstlichen Stadt am vergangenen Wochenende. Wowa ist die Kurzform von Wladimir. 

In Nowosibirsk versahen Demonstranten Plastikbecher mit den Aufschriften "Tee für Putin" oder "Tee von Putin". In Saratow protestieren die Menschen mit Plakaten, die solche Aufschriften trugen wie "Nawalny wurde vergiftet, wir wissen, wer die Schuld trägt" und "Putin, iss noch etwas von diesen weichen französischen Brötchen und trink endlich Tee."

Unterstützung für Alexej Nawalny 

Andere Demonstranten waren jedoch mutiger. Auf dem Plakat einer älteren Frau in Nowosibirsk hieß es: "Putin/FSB ermorden Nawalny." "Selbst wenn eine Katze öffentlich getötet worden wäre, wäre ich auf die Straße gegangen. Jetzt wird seit einigen Tagen ein Mensch ermordet, der bewusstlos ist. Wie hätte ich da nicht protestieren können", erklärte sie gegenüber der lokalen Zeitung "Taiga Info". In Saratow erschien ein Aktivist mit einem Plakat, auf dem es hieß: "Putin vergiftet Menschen. Nawalny, lebe!" "Wir betrachten die Vergiftung von Nawalny als einen Versuch eines politischen Attentats und glauben, dass die Täter vor Gericht gestellt werden müssen", erklärten Vertreter der Libertären Partei Russlands. 

ivi

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