HOME

Griechenland nach Varoufakis-Rücktritt: Der Mittelfinger ist weg - was passiert jetzt?

Mr. Mittelfinger - Yanis Varoufakis - tritt zurück. Ist nun der Weg frei für eine Lösung der griechischen Schuldenkrise? Wer folgt dem umstrittenen Finanzminister? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Niels Kruse

Varoufakis mit Motorrad-Helm

Platz da, hier geh' ich: Nach seinem Rücktritt als Finanzminister wird Varoufakis sicher nicht mehr im Mittelpunkt der Öffentlichkeit stehen. 

Warum ist Yanis Varoufakis zurückgetreten?

In seinen eigenen Worten: Um Alexis Tsipras zu unterstützen. In seinem Blog schreibt der Ex-Finanzminister, dass "gewisse Teilnehmer der Eurogruppe ihm nahegelegt hätten, künftig den Treffen fernzubleiben" - eine Idee, die auch von Ministerpräsident Tsipras unterstützt werde. "Als Linker", Varoufakis weiter, "weiß ich, wie man sich in den Dienst des Kollektivs stellt ohne Rücksicht auf Amtsprivilegien."

Wer wird neuer Finanzminister?

Nach Angaben aus Regierungskreisen ist der griechische Chef-Unterhändler in den Gesprächen mit den Kreditgebern, Euclid Tsakalotos, Favorit für den Posten des Finanzministers. Der gebürtige Niederländer war bislang Vizeaußenminister und hat, wie auch Varoufakis einen akademischen Hintergrund. Bevor er für die regierende Syriza-Partei ins Parlament einzog, lehrte er im englischen Kent und an der Wirtschaftsuniversität Athen.

Welche Auswirkungen hat der Rücktritt auf die Verhandlungen?

Offenbar positive. An den Aktien- und Devisenmärkten beruhigte sich die Lage nach anfänglichen Verlusten am Montagmorgen. "Das schafft wieder ein bisschen mehr Vertrauen", sagte ein Devisenhändler in Frankfurt. Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach sagte: "Das wird vermutlich die Verhandlungen aufgrund seines bisherigen Auftretens erleichtern." Was jedoch nicht die Probleme löse. "Entscheidend sind weniger die Personen als die politischen Inhalte." Ähnlich der  außenpolitische Sprecher der  SPD-Bundestagsfraktion, Niels Annen: "Dies ist ein Signal, dass die  griechische Regierung wieder zu ernsthaften Verhandlungen mit den  Partnern der Euro-Zone bereit sei. "Sprache ist ein Instrument der Politik. Und die Sprache von Herrn Varoufakis hat sehr, sehr viel Porzellan zerschlagen. Es war schwer vorstellbar, mit ihm weiter zu verhandeln."

Was bedeutet der Rücktritt für Alexis Tsipras?

Der griechische Ministerpräsident hatte den Einfluss seines polarisierenden Finanzministers bereits Ende April beschnitten und ihm für die Verhandlungen mit den Gläubigern einen Koordinator zur Seite gestellt: Euclid Tsakalotos, der mögliche neue Finanzminister. Gerüchten zufolge soll Tsipras Varoufakis sogar zum Rücktritt gedrängt haben. Für die kommenden Runden mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Europäische Zentralbank (EZB) und der Eurogruppe jedenfalls sieht sich Tsipras gut gestärkt: Mit dem eindeutigen Votum der Griechen und ohne den lästigen Störenfried Varoufakis wird er künftig mit breiter Brust nach Brüssel fahren.

Was wird Varoufakis in Zukunft machen?

Das ist noch unklar. Varoufakis bleibt weiterhin Abgeordneter im Athener Parlament. Zudem hat er als international anerkannter Wirtschaftsprofessor jederzeit die Möglichkeit, in die Lehre zurückzukehren. Zuletzt war er an der Uni Texas in Austin.

mit Agenturen