HOME

Anchläge und Morde: Hanau, Halle, Solingen, München: rechte Gewalt und Terror in Deutschland

Mit Messer, Pistolen und Bomben setzen manche Rechtsextreme ihre Gesinnung in die Tat um - wie in Hanau haben viele ihrer Opfer einen Migrationshintergrund. Eine Übersicht über rechtsextremistische Anschläge und Gewalttaten in Deutschland.

Walter Wüllenweber

Bei einem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag hat ein Deutscher im hessischen Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Anschließend soll der 43-jährige Sportschütze seine 72 Jahre alte Mutter und sich selbst getötet haben. Der Mann habe eine "zutiefst rassistische Gesinnung" gehabt, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank am Donnerstag in Karlsruhe. Das habe die Auswertung von Videobotschaften und einer Art Manifest auf dessen Internetseite ergeben. Die Todesopfer seien zwischen 21 und 44 Jahre alt gewesen und hätten Migrationshintergrund gehabt. Der Täter habe sechs weitere Menschen verletzt, einen schwer.

Tatort in Hanau, Trauer und Gedenken in Halle/Saale, Haus nach Brandanschlag in Solingen, Tatort des Oktoberfestattentats

Von links oben nach rechts unten: Blumen am Tatort in Hanau, Trauer und Gedenken in Halle/Saale, das Haus einer türkischen Familie nach einem Brandanschlag in Solingen, der Tatort des Oktoberfestattentats in München

DPA / Picture Alliance / AFP

Anschläge und Gewalttaten seit Jahrzehnten in Deutschland

Es ist nicht die erste rechtsextreme Gewalttat in Deutschland. In der Vergangenheit hatte es einige Anschläge gegeben, auch mit Todesopfern. Hier eine Übersicht.

Halle/Saale, Oktober 2019: Am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur will ein schwerbewaffneter Deutscher eine Synagoge stürmen. Eine schwere Holztür verhindert ein Blutbad. Vor der Festnahme erschießt der 27-Jährige zwei Unbeteiligte. Er gesteht rechtsextreme und antisemitische Motive.

Istha bei Kassel, Juni 2019: Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wird zu Hause auf seiner Terrasse erschossen. Mutmaßlicher Todesschütze ist der Rechtsextreme Stephan E. Motiv für den Mord sind vermutlich Äußerungen Lübckes aus der Zeit der Flüchtlingskrise 2015.

München, Juli 2016: Am Olympia-Einkaufszentrum in München erschießt ein 18-Jähriger neun Menschen und sich selbst. Die meisten Opfer sind Jugendliche mit südosteuropäischen Wurzeln. Motive des Täters mit deutscher und iranischer Staatsbürgerschaft: Mobbing, psychische Probleme und rechtsradikale Ansichten. Die Waffe hatte er sich im sogenannten Darknet besorgt.

Köln, Oktober 2015: Ein Rechtsextremist greift die Kölner Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker mit einem Messer an und verletzt diese sowie eine neben ihr stehende Frau schwer. Auslöser soll Unzufriedenheit mit Rekers Flüchtlingspolitik gewesen sein.

Eisenach, November 2011: Die Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) fliegt nach einem Banküberfall auf. Beate Zschäpe und ihren Freunden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos werden zehn Morde zwischen 2000 und 2007 und weitere Verbrechen zugerechnet. Die meisten Todesopfer waren Gewerbetreibende mit türkischen oder griechischen Wurzeln. Mundlos und Böhnhardt erschießen sich, Zschäpe wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

Tobias R.: Bundesanwaltschaft nach Hanau-Anschlägen – "Zutiefst rassistische Gesinnung"

Düsseldorf, Juli 2000: Bei einem Attentat auf Zuwanderer aus Osteuropa werden zehn Menschen verletzt, ein ungeborenes Kind stirbt. Der Sprengsatz war an der S-Bahn-Station Wehrhahn befestigt. Das Landgericht spricht einen Verdächtigen mit Kontakten in die rechte Szene wegen "dürftiger Beweislage" Mitte 2018 frei. Die Tat ist weiter ungeklärt.

Solingen, Mai 1993: Bei einem Brandanschlag auf das Haus einer türkischen Großfamilie werden fünf Frauen und Mädchen getötet, 14 Menschen verletzt. Die vier Täter aus der Solinger Neonaziszene werden wegen Mordes verurteilt.

Mölln, November 1992: Neonazis setzen ein von Türken bewohntes Haus in der schleswig-holsteinischen Stadt in Flammen. Drei Frauen sterben. Ein Täter muss lebenslänglich in Haft, sein jugendlicher Komplize zehn Jahre.

München, September 1980: Das Oktoberfestattentat war der größte rechtsextreme Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Am Abend des 26. September hatten am Haupteingang zur Wiesn 1,39 Kilogramm TNT 12 Festgäste in den Tod gerissen und mehr als 200 verletzt. Schrauben und Nägel erhöhten die Zerstörungskraft. Auch der rechtsradikale Attentäter Gundolf Köhler, ein früherer Anhänger der rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann, starb.

München, Februar 1970: Sieben Menschen sterben bei einem nächtlichen Brandanschlag auf das Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde. Brennendes Benzin hatte den Opfern den Fluchtweg versperrt. Wer für das Attentat auf die jüdischen Bewohner verantwortlich ist, wird nie geklärt.

rw / DPA / AFP