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Berlin vertraulich! Wenn der Kauder mit der Berben ...


Volker Kauder flirtet mit Iris Berben und macht ihr ein teures Versprechen - aber auch nur, weil Finanzminister Schäuble gerade nicht da war.
Von Hans Peter Schütz

Die FDP liegt in den Umfragen bei 3 Prozent - aber selbst durchs Kellerfenster strahlt manchmal die Sonne. Vergangenen Donnerstag zeichnete das Berliner Institut für Zukunftspolitik FDP-Generalsekretär Christian Lindner, 32, als besten politischen Redner 2010 aus. Dass Lindner den Preis verdient hat, bewies er in seiner Dankesrede. Er sprach wie üblich frei, spielte rhetorisch nach Belieben mit dem Publikum und bewies auch noch Selbstironie.

2007 habe ihn sein Freund Philipp Rösler gebeten, eine Rede zu halten, erzählte Lindner. Der Grund: Parteifreund Dirk Niebel wurde als "Krautkönig" geehrt. Also fuhr Lindner zum Veranstaltungsort im niedersächsischen Wersen und legte sich im Auto ein paar wohlklingende Sätze aus der liberalen Geistesgeschichte zurecht. Als er verspätet den Saal betrat, wurde gerade Schweinshaxe serviert. Lindner realisierte sofort, dass intellektuelle Feinkost hier nicht gefragt war; auf eine Bierzelt-Rede war er jedoch nicht vorbereitet. Also quälte er sich ungelenk durchs Programm.

Lindners Fazit aus der schwierigen rednerischen Lernstunde: "Wer sich einmal vor 800 angetrunkenen Männern blamiert hat, fürchtet keine Plenardebatte im Bundestag mehr."

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Die Laudatio auf Lindner hielt übrigens Bundesumweltminister Norbert Röttgen, CDU, jener Mann, der im stern Guido Westerwelle als "irreparabel beschädigt" bezeichnet hatte - lange bevor Westerwelles ankündigte, sich vom Parteivorsitz zurückzuziehen.

Zu Lindner hat Röttgen ein ganz anderes Verhältnis: Der Christdemokrat redet den Liberalen mit dem vertraulichen "Du" an, und lobte ihn bei der Preisverleihung in den höchsten Tönen. Seine Vorträge zeichneten sich durch "Authentizität", "Leidenschaft" und "Anspruch auf geistige Führung" aus. Lindner sei in der Lage, den Liberalismus im 21. Jahrhundert neu zu begründen.

Röttgen gab seiner Bewunderung so vorbehaltlos Ausdruck, dass sofort klar wurde, wie groß der Mangel an politischen Wortkünstlern generell ist: Auch in der Union gibt es weit und breit niemanden, der ähnlich öffentlichkeitswirksam wie der FDP-General die politische Substanz der eigenen Partei präsentieren könnte.

Beleg dafür war die Preisverleihung selbst: Neben Lindner waren Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, CDU, und Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, CSU, nominiert. Doch womit fielen diese beiden Kandidaten zuletzt auf? Schäuble faltete öffentlich seinen Sprecher klein, weil der nicht rechtzeitig Pressematerialien vorbereitet hatte.

Guttenberg machte sich mit hanebüchenen Aussagen über seinen erschwindelten Doktortitel zum Gespött. Bei dieser Konkurrenz hatte Lindner nichts zu befürchten.

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Volker Kauder schwärmt für Iris Berben. Das war nicht zu übersehen, als sich dieser Tage die Schauspielerin und der Unions-Fraktionschef auf der Dachterrasse des Bundestages bei einem Filmempfang trafen. Die Berben strahlte, als Kauder (61) - dessen Lebensmotto neuerdings lautet: "Männer über 60 sind saugefährlich" - erklärte, die Regierung werde auch künftig die deutsche Filmwirtschaft subventionieren (Filmförderfonds: 60 Millionen), Schuldenbremse hin, Schuldenbremse her.

Die Berben bedankte sich mit der schmeichelhaften Bemerkung, sie bewundere Kauders dafür, dass er ohne "Spickzettel" so brillant über finanzpolitische Fragen sprechen könne. Brav antwortete Kauder, er könne dafür nicht schauspielern, was bei anwesenden CDU-Politikern Lachanfälle auslöste.

Noch mehr erheiterte Kauder sein Publikum, als er seine Ankündigung, die Filmförderung werde auch 2012 nicht gekürzt, nach einem schnellen Rundumblick mit der Bemerkung garnierte: "Weil der Finanzminister gerade nicht da ist."

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Nicht schlecht staunten die Mitglieder des Berliner Korrespondentenkreises "Provinz", als sie diese Woche mit Wolfgang Schäuble zum Gespräch zusammen saßen. Der Bundesfinanzminister war in blendender Form, sah gut aus und redete schlagfertig, ironisch bis sarkastisch wie in seinen besten Zeiten. Kurzum: Schäuble ist wieder topfit und macht wieder mit Spaß Politik.

Vorbei die Resignation, die er im vergangenen Herbst erkennen ließ, als er ernsthaft über ein Ende seiner politischen Arbeit mit Angela Merkel geredet hatte, weil es ihm gesundheitlich so schlecht ging - der Finanzminister konnte damals wegen eines Geschwürs nur unter Schmerzen im Rollstuhl sitzen, jede Reise zehrte an seiner Substanz.

Jetzt ist er wieder der starke Mann des Kabinetts, hat der FDP beigebracht, endlich ihren lauten Ruf nach Steuersenkungen einzustellen, war soeben auf einem Treffen von Finanzministern in China, diskutierte im ungarischen Gödöllö mit europäischen Amtskollegen und flog am vergangenen Donnerstag zu Gesprächen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington. Fragen nach seiner politischen Zukunft, die er vor kurzem noch unwirsch abbügelte, beantwortet er jetzt mit einem fröhlichen Lachen.

"Der neue Schäuble", sagt ein CDU-Politiker, der ihn gut kennt, "denkt jetzt schon wieder an die Fortsetzung seiner politischen Karriere übers Jahr 2013 hinaus." Der Finanzminister selbst sagt: "Inzwischen ist mein Sitzfleisch wieder in einer Lage, dass ich notfalls auch Götz von Berlichingen zitieren kann." Was er aber nicht tut, weil er so gut drauf ist.


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