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Coronavirus in Deutschland Spahn und Merkel appellieren an die Vernunft des Einzelnen: "Abriegelungsmaßnahmen verhindern nichts"


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich erstmals in einer Pressekonferenz zum Coronavirus geäußert. Lesen Sie hier die wichtigsten Aussagen der Kanzlerin, von Gesundheitsminister Spahn und RKI-Präsident Wieler nach.

Fußballer spielen vor leeren Rängen. Die Deutsche Eishockey Liga bricht die gesamte Saison ab. Unzählige Konzerte entfallen. Der Kampf gegen das neue Coronavirus hat schon jetzt massive Auswirkungen auf das öffentliche Leben in Deutschland.

Mehrere deutsche Bundesländer, darunter das besonders von Sars-CoV-2 betroffene bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen, hatten angekündigt, dass Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abgesagt werden sollen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts waren bis Dienstag 1296 Menschen in Deutschland mit dem Virus infiziert, zwei sind gestorben.

Vor diesen Hintergründen hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) heute erstmals in einer Pressekonferenz nur zum Coronavirus geäußert. Zusammen mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat sie sich knapp 90 Minuten in der Bundespressekonferenz in Berlin den Fragen der Medien gestellt.

Die wichtigsten Aussagen aus der Pressekonferenz:

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Das sagte die Kanzlerin zum Coronavirus

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

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  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus der Pressekonferenz? Vier Kernthemen und -Aussagen im Kurz-Überblick:

    1. Die Bundeskanzlerin die hat Bürgerinnen und Bürger zur Solidarität in der Corona-Krise aufgerufen. Merkel sagte: "Da sind unsere Solidarität, unsere Vernunft, unser Herz füreinander schon auf eine Probe gestellt, von der ich mir wünsche, dass wir diese Probe auch bestehen."
    2. Der Gesundheitsminister hat die Bevölkerung aufgerufen, sich auf weitere Änderungen des Alltags einzustellen. Es sei gut, dass viele Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern nun abgesagt würden, sagte Spahn am Mittwoch in Berlin. Er verstehe etwa, dass vielen Fußballfans das Herz blute, wenn sie nicht ins Stadion könnten. Aber die Maßnahmen seien derzeit nötig, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Und das sei die zentrale Aufgabe.
    3. "Wir sind am Anfang einer Epidemie", sagt der Präsident des Robert Koch-Instituts. Das RKI rechne mit einer weiterhin starken Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland. "Wir werden auch viele schwere Krankheitsverläufe sehen", so Wieler. "Natürlich werden bei uns auch mehr Menschen sterben." Es handele sich um ein "pandemisches Virus", mit dem sich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infizieren werde. Zentrale Aufgabe sei nun, wie auch Spahn sagte, die Ausbreitung zu verlangsamen.
    4. Die Bundesregierung lehnt es ab, die deutschen Grenzen wegen der Corona-Epidemie zu schließen. "Wir sind in Deutschland der Meinung, dass Grenzschließungen keine adäquate Antwort auf die Herausforderungen sind", sagte die Bundeskanzlerin. Gesundheitsminister Spahn (CDU) ergänzte: "Die Grenzen pauschal zu schließen, verhindert nicht, was da passiert."

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Die Bundespressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Gesundheitsminister Jens Spahn und dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, ist nun beendet.

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Bundeskanzlerin Angela Merkel:

    Die Botschaft sollte sein: Wir werden das notwendige tun als Land und das auch noch im europäischen Bund.

  • Tim Schulze
    • Tim Schulze

    Wieler: Irgendwann werden sich die Menschen zunehmend immunisieren und in einem Jahr sei mit einem Impfstoff zu rechnen - vorher aber nicht. Aber bis dahin werde das Coronavirus die Welt in Atem halten.

  • Tim Schulze
    • Tim Schulze

    Wieler zu der Frage und dem Trend, dass sich die Infektionsrate verlangsamt: Das Virus verbreitet sich in Wellen. Auch in China werde sich das Virus irgendwann wieder stärker zurückmelden.

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Angesprochen auf das (in der Vergangenheit durchaus schwieriges) Verhältnis zu Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), sagt Merkel: "Wir arbeiten im Kabinett immer super zusammen, jetzt natürlich noch viel intensiver." Auch der Bundesgesundheitsminister mache einen "tollen Job" in einer "schwierigen Situation".

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Lage in Italien:

    Wir werden überlegen, was wir tun können, um zu helfen.

  • Tim Schulze
    • Tim Schulze

    Auf eine erneute Frage zur europäischen Solidarität antwortet Merkel eher unkonkret: "Ich werde in den nächsten Tagen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Conte sprechen". Aber medizinisches Personal nach Italien zu schicken, ist schon aufgrund der Sprachbarrieren nicht so einfach. Zudem seien auch andere Länder im Stress.

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    "Wir können die wirtschaftlichen Folgen nicht absehen", sagt Bundeskanzlerin Merkel. Man müsse schauen, wie sich die Dinge entwickeln. "Wir sehen schon Betroffenheiten", so Merkel, etwa beim Abflauen von Hotelbuchungen. Man wisse aber nicht, ob der Trend bis Ostern oder bis zum Sommer anhalte. Die Situation müsse man ständig neu bewerten. "Wir werden reagieren."

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Gesundheitsminister Spahn: Das eine sei, etwa Clubbesuche abzusagen. Das andere: Man könne die Frage auch umdrehen. "Muss ein Clubbesuch sein? Muss man immer warten, bis etwas verboten ist?"

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Wird das gesamte Bundesgebiet irgendwann abgeriegelt, ähnlich wie in Italien? Gesundheitsminister Spahn bekräftigt: Das würde das Problem nicht lösen. "Wenn Sie einen Bereich total abriegeln, und später wieder lüften, dann kommt das Virus wieder rein", erklärt Spahn. "Abriegelungsmaßnahmen verhindern nichts." Die Frage, wie man die Ausbreitung des Coronavirus verlangsame, sei die entscheidende.

  • Tim Schulze
    • Tim Schulze

    Merkel erläutert, wie die eine Milliarde Euro für das Gesundheitssystem eingesetzt werden. Es fließt unter anderem auch Geld in die internationale Forschung, um sie besser zu koordinieren.

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Was die Bundeskanzlerin zu Hamsterkäufen sage? "Was man an den Spitzen des Verhaltens sieht, finde ich etwas bedenklich", sagt Merkel. "Dass mann eine bestimmte Bevorratung hat, ist aber durch das Bundesamt für Bevolkerungsschutz durchaus empfohlen." Das solle kein Aufruf zu Hamsterkäufen sein, so Merkel. "Auch hier gilt: Maß und Mitte ist die richtige Antwort."

  • Tim Schulze
    • Tim Schulze

    Die Frage der Haftung für finanzielle Einbußen bei Unternehmen, in der Tourismusbranche, bei Gaststätten und Hotels etc. ist noch weitgehend ungeklärt. Das müsse noch einiges geklärt werden.

DPA AFP

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