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Geplanter Anschlag in Düsseldorf Syrer verriet seine Terror-Komplizen aus Liebe zur Tochter

Ein Eingang zur U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee in der Altstadt von Düsseldorf
Der Anschlag war nahe der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee in der Altstadt von Düsseldorf geplant
© Maja Hitij/DPA
Mindestens vier Syrer hatten den Auftrag für das Attentat in Düsseldorf - letztlich war der Anschlag wohl sogar mit zehn Terroristen geplant. Einer von ihnen hatte aber offenbar Gewissensbisse. Aus Liebe zu seiner Tochter hat er die Pläne für den Terroranschlag verraten.

Die französische Justiz hat Details zu dem Syrer bekannt gegeben, dessen Aussage zur Festnahme von drei mutmaßlichen Dschihadisten in Deutschland geführt hat. Der 28-jährige Saleh A. sei über die von Flüchtlingen genutzte Balkanroute nach Europa gekommen, habe sich am 1. Februar freiwillig auf einem Pariser Kommissariat gemeldet und umfassend über die Pläne für einen Anschlag in Düsseldorf berichtet, hieß es am Donnerstagabend in Paris.

Die Aussage des Syrers in Frankreich vereitelte offenbar ein Attentat von Aktivisten der Dschihadistenmiliz IS in Deutschland. Am 1. Februar sei Saleh A. auf einem Kommissariat im Pariser Viertel La Goutte d'Or erschienen, hieß es am Donnerstagabend in Justizkreisen der französischen Hauptstadt. Er habe ausgesagt, dass er "Informationen über eine Schläferzelle" habe, die bereit sei, "in Deutschland zuzuschlagen". 

Seine Tochter sollte keinen Terroristen als Vater haben

Recherchen der "Süddeutschen Zeitung", des Norddeutschen und des Westdeutschen Rundfunks haben ergeben, dass Saleh A. sein Geständnis aus sehr menschlichen Gründen abgegeben habe. Demnach habe er seinen Auftrag im April 2014 im IS-Hauptquartier in Raqqa, der Hauptstadt der Terrormiliz erhalten: eine Schläferzelle von Terroristen gründen und schließlich in der Altstadt von Düsseldorf zuzuschlagen.

Die Pläne hat er Ermittlern in Frankreich gegeben. Als Begründung habe er Reue angegeben: Er wollte nicht, dass seine Tochter einen Terroristen zum Vater habe.

Wie der "Spiegel" berichtet, sollte die Terrorzelle noch mehr Mitglieder bekommen. Saleh A. zufolge sollten demnach insgesamt zehn Terroristen den Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt begehen. Die zusätzlichen Attentäter hätten sich noch zu den vier anderen auf den Weg machen machen sollen.

Seit seinem Geständnis sitzt Saleh A. in Paris in Untersuchungshaft. Dort wurde er von den Fahndern der Ermittlungskommission "Anbieter" aus Düsseldorf verhört. Deutschland hat inzwischen seine Auslieferung beantragt. Die Aussagen des Mannes hätten zu erfolgreichen Ermittlungen gemeinsam mit den deutschen Sicherheitsbehörden geführt, hieß es in Paris. So hätten die drei weiteren Verdächtigen in Deutschland gefasst werden können. 

Erst Gefangener des IS, dann Mitglied

Der Syrer Saleh A. soll den Pariser Justizangaben zufolge zunächst mit Oppositionstruppen gegen Machthaber Baschar al-Assad gekämpft haben, bevor er sich "verschiedenen dschihadistischen Bewegungen" anschloss. Nachdem A. erst Gefangener des IS gewesen sei, sei er dann Mitglied der Miliz geworden. Der Verdächtige kam demnach mit einer zweiten Person über die sogenannte Balkan-Route nach Europa. Derzeit versuchen die Ermittler herauszufinden, warum er sich in Frankreich befand. Momentan sei kein Zusammenhang zwischen "dieser Schläferzelle" und dem französisch-belgischen Netzwerk, das hinter den Anschlägen von Paris und Brüssel vom 13. November und 22. März steckt, erkennbar.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Sicherheitsbehörden womöglich einen geplanten Anschlag in Deutschland vereitelt haben. Drei mutmaßliche IS-Mitglieder wurden in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Baden-Württemberg festgenommen, weil sie einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt verüben sollten, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte.

Ziel: Möglichst viele Passanten in der Innenstadt töten

Die Pläne sahen der Bundesanwaltschaft zufolge vor, dass sich zwei Selbstmordattentäter auf der Heinrich-Heine-Allee im Düsseldorfer Stadtzentrum mit Sprengstoffwesten in die Luft sprengen sollten. Weitere Attentäter sollten demnach danach mit Gewehren und Sprengsätzen möglichst viele Passanten töten. Die verdächtigen Syrer sollen aber noch nicht konkret mit der Umsetzung ihres Plans begonnen haben.

Der Unions-Innenexperte Stephan Mayer nahm die Festnahmen zum Anlass, eine schnelle Verabschiedung neuer Antiterrorgesetze zu fordern. Die internationale Zusammenarbeit des deutschen Verfassungsschutzes müsse durch eine neue gesetzliche Grundlage weiter verbessert werden, sagte Mayer der "Rheinischen Post". Deswegen müssten "wir schnell die parlamentarischen Beratungen zum neuen Anti-Terror-Paket voranbringen".

Verdächtiger war in Flüchtlingsunterkunft untergebracht

Mindestens einer der mutmaßlichen Terroristen wurde im baden-württembergischen Leimen in einer Asylbewerberunterkunft festgenommen. Sicherheitskreise bestätigten am Freitag in Stuttgart entsprechende Medienberichte.

Unter anderem der SWR hatte gemeldet, auch die drei Festgenommenen seien über die Balkanroute gekommen und hätten alle als Flüchtlinge in Deutschland gelebt. In diesem einen Fall ist das offiziell bestätigt. 

jen AFP DPA

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