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Ex-Verfassungsrichter: Hans-Jürgen Papier: "Der Rechtsstaat zieht sich hier schon bedenklich zurück"

Drogendealer im Görli, Klima-Rebellen auf Kreuzungen, Beleidigungen im Internet – und das alles, ohne dass die Justiz einschreitet. Hans-Jürgen Papier, lange Zeit der höchste Richter Deutschlands, beobachtet mit Sorge, wie der Rechtsstaat zunehmend erodiert.

Ex-Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier warnt im stern vor Erosion des Rechtsstaats

Ex-Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier warnt im Interview mit dem stern vor der Erosion des Rechtsstaats

Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, hat vor einer Erosion und einem Versagen des Rechtsstaates auf vielen Ebenen gewarnt. Im stern äußert sich Papier unter anderem kritisch dazu, dass die Polizei beispielsweise nicht gegen die Blockadeaktionen der Klimabewegung "Extinction Rebellion" in Berlin eingeschritten sei. "Der Rechtsstaat zieht sich hier schon bedenklich zurück", sagt Papier. Damit könne sich diese Gruppe "praktisch als über dem Gesetz stehend ansehen".

Selbst die Verfolgung eines noch so hehren Zieles – "und sei es die Weltenrettung" – erlaube es nicht, sich über die Rechte anderer hinwegzusetzen, argumentiert Papier. "Wenn man das zuließe, und wenn das alle machten, landete man im Chaos." In seinem neuen Buch "Die Warnung", das in der kommenden Woche erscheint (Heyne-Verlag), warnt Papier vor einer "Ökodiktatur".

Hans-Jürgen Papier: "Die Politik hat lange Zeit die Justiz schlicht vernachlässigt"

Papier moniert, dass zu viele Ermittlungsverfahren in Deutschland eingestellt und Haftbefehle vielfach nicht vollzogen würden. Die Justiz sei unterfinanziert. "Die Politik hat lange Zeit über alle Parteigrenzen hinweg die Justiz schlicht vernachlässigt", so Papier. Ein Versagen des Rechtsstaates sieht der ehemalige Verfassungsrichter auch in dem Umstand, dass im Görlitzer Park in Berlin Drogendealer weitgehend unbehelligt ihren Geschäften nachgehen können. Papier: "Ein Staat, der geltendes Recht in so offenkundiger Weise nicht durchsetzen kann, entzieht den Bürgern das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Rechtsstaates."

In der Dunkelheit eines Herbstmorgens stehen Demonstranten hinter einem Banner mit dem Schriftzug "Extinction Rebellion"

Im stern spricht sich der frühere Verfassungsrichter auch für eine sogenannte Klarnamenpflicht in den sozialen Medien aus. Es gebe kein Grundrecht, seine Meinung anonym zu äußern, sagt Papier, "eine Klarnamenpflicht wäre eine Art Vermummungsverbot im Internet." Empört zeigt sich Papier über den Berliner Richterspruch, der die Beschimpfung der Grünen-Politikerin Renate Künast als "Schlampe" und "Fotze" als zulässige Meinungsäußerung hat durchgehen lassen. Papier: "Wenn das keine Beleidigung ist, weiß ich nicht, wie ich jemanden beleidigen soll."

Das komplette Interview lesen Sie im neuen stern