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Legalisierung in Deutschland Gebt das Hanf frei – und zwar richtig

Eine frau kippt einen Eimer Cannabis in ein Fass
Cannabis in Deutschland wird früher oder später legalisiert – die starke Limitierung ist für viele jedoch ein Problem.
© Clara Margais / DPA
Angeblich sind sie da, die ersten Eckpunkte für eine mögliche Legalisierung von Cannabis in Deutschland. Daran gibt es viel Kritik – dabei wäre die Lösung so einfach, meint unser Autor.

Na also – endlich geht es voran. Schon bei der Koalitionsbildung stand fest, dass die Legalisierung von Cannabis in Deutschland zum Ampel-Thema wird. Das war zuvor undenkbar, denn sowohl Marlene Mortler als auch Daniela Ludwig hatten zwar das Amt der Drogenbeauftragten der Bundesregierung inne, aber von Cannabis, dessen Wirkung und möglichen Schäden so wenig Ahnung, wie man nur haben kann. Legendär sind Sätze wie "Cannabis ist verboten, weil es eine illegale Droge ist" (Mortler) oder "Cannabis ist kein Brokkoli" (Ludwig). 

Diese dunkle Zeit könnte bald enden, auch wenn das Eckpunkte-Papier, über welches das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND) am 19. Oktober berichtete, nach Angaben eines Sprechers von Gesundheitsminister Lauterbach nicht "abgestimmt" sei und es noch "erheblichen Klärungsbedarf" gebe. Zumindest gibt es offenbar eine Richtung vor, hatte sich die Regierung doch vorgenommen, Ende des Jahres einen Gesetzentwurf zu präsentieren. Dementsprechend darf davon ausgegangen werden, dass über die Ausgestaltung bereits intensiv diskutiert wurde.

Enge Eckpunkte ergeben zu kleine Räume

Gehen wir also davon aus, dass die genannten Kriterien für eine Legalisierung in Deutschland ungefähr dem entsprechen, was sich die Regierung unter einer Legalisierung vorstellt. Das würde bedeuten, dass man künftig ab 18 Jahren bis zu 20 Gramm Cannabis kaufen und besitzen darf. Sogar der Anbau von bis zu zwei Pflanzen wäre erlaubt. Aber: Der THC-Anteil darf bei maximal 15 Prozent liegen, bei Personen unter 21 Jahren sogar nur bei zehn Prozent. Der Verkauf soll in lizensierten Geschäften und Apotheken stattfinden, ein Abstand der Verkaufsstellen zu Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen muss gewahrt bleiben und es herrscht ein Werbeverbot. Soweit die Eckpunkte.

Kein Wunder, dass Gesundheitsminister Karl Lauterbach davon spricht, dass dieses Papier nicht final sei. Denn es ist löchrig, inkonsequent und vor allem anderen Drogen, wie Alkohol, weit unterstellt. Außerdem befeuert es den Schwarzmarkt – oder dämmt ihn zumindest nicht ein.

Wenig überraschend kommt also Kritik von allen Seiten. Der Deutsche Hanfverband schreibt: "Eine THC-Obergrenze von 15% schließt einen Großteil des aktuell existierenden Marktes für Haschisch aus. Konzentrate werden komplett ausgeschlossen. Die THC-Grenze von 10% für Erwachsene bis 21 Jahren geht völlig an der Realität vorbei. Die vorgeschlagene Besitzobergrenze von 20 Gramm ist für Menschen im ländlichen Raum wenig praktikabel. Der DHV befürchtet weiterhin Polizeikontrollen und Strafverfahren für Personen, die mit geringfügig höheren Mengen angetroffen werden." Von den Plänen zum Anbau hält der Verband ebenfalls herzlich wenig.

Doch Kritik kommt nicht nur von denen, die seit Jahren für eine Legalisierung kämpfen. Auch der stellvertretende FDP-Vorsitzende Johannes Vogel hat sich gegen zu strenge Regelungen bei der Cannabis-Legalisierung ausgesprochen. Sehr richtig sagte er dem Tagesspiegel: "Wir regulieren ja auch nicht, wie viele Flaschen Wein jemand zuhause haben darf."

Die Romantisierung von Alkohol – und der Hass auf Hanf

Und genau in diesem Vergleich liegt die Lösung: Cannabis gehört vollständig entkriminalisiert, von jeglichen Limitierungen oder Obergrenzen befreit und über eine professionelle Vertriebsstruktur für Erwachsene frei in den Handel. Ob das nun im Stile von amerikanischen Dispensaries oder niederländischen Coffeeshops passiert, ist eigentlich egal. 

Viel wichtiger als die Ausgestaltung der Verkaufsstrategie ist aber eine realistische Einschätzung der möglichen Gefahren – hier hilft der Vergleich zum Alkohol. Nur weil man theoretisch an jeder Tankstelle (Sie wissen schon, dort, wo man meist mit dem AUTO hinfährt) Getränke kaufen kann, die den Körper binnen kurzer Zeit außer Gefecht setzen, ist das nicht der Regelfall. Aber es gehört zu einer freien Gesellschaft, genau das entscheiden zu dürfen. Warum auf Seiten der Ministerien mit zweierlei Maß gemessen wird, und die Daumenschrauben beim Cannabis schon vor dem ersten Verkauf auf ein Maximum angezogen werden, lässt sich nur durch kulturelle Verblendung erklären. Rational ist das nicht.

Sollte eine Legalisierung in einer ähnlichen Form durchgesetzt werden, wie es das angebliche Eckpunkte-Papier beschreibt, ändert sich in Deutschland bezüglich der wirklichen wichtigen Sachen absolut nichts. Die Limitierungen werden dafür Sorge tragen, dass der Schwarzmarkt weiterhin boomt. Auch wird es wieder Sache der Exekutive sein, zu entscheiden, ob sich jemand genauestens an die Regeln hält, oder 21 Gramm vielleicht doch viel zu viel sind.

Ein riesiger Brownie steht auf einem Tisch in einer Bäckerei.

Nochmal: Wäre morgen der Verkauf von Cannabis in jeder Form und Intensität erlaubt, würde Deutschland vielleicht eine kurze Zeit unter einer Dunstwolke verschwinden, aber, sobald die erste Euphorie verflogen ist, wird Cannabis zu dem wird, was es letztlich ist: Ein Genussmittel in zahllosen spannenden Ausprägungen, mit vielen Wirkungsformen und mit deutlich weniger harten Konsequenzen, wenn man es doch mal übertreibt. Wichtig: Es geht dabei nicht um langfristigem Missbrauch in rauen Mengen, das kann durchaus gefährlich sein. Davon spricht beim Alkohol aber ja auch niemand.

Einfach mal machen

Hilfe beim Selbstschutz leistet der Bund beim Alkohol nicht – warum will er es beim Hanf tun? Besser wäre doch: Einfach machen lassen. Missbrauch gibt es so oder so – aber durch den zertifizierten und unlimitierten Handel ließe sich viel Übel vermeiden. Gut also, dass Lauterbach behauptet, die Eckpunkte seien nicht abgestimmt. Damit gibt es eine zweite Chance, es richtig zu machen – nachdem das, was da aus dem Ministerium entfleucht ist, unmittelbar auf berechtigte Kritik stieß.

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