HOME

Chronologie: Martin Schulz - die Stationen eines Scheiterns

Schwarzer Freitag für Martin Schulz: Wegen des massiven Drucks aus seiner SPD verzichtet der Noch-Pateichef auf das Amt des Außenministers. Wie konnte es so weit kommen?

Martin Schulz wurde vor etwas mehr als einem Jahr als Kanzlerkandidat der SPD nominiert. Jetzt steht er vor den Scherben seiner politischen Karriere.

Martin Schulz wurde vor etwas mehr als einem Jahr als Kanzlerkandidat der SPD nominiert. Jetzt steht er vor den Scherben seiner politischen Karriere.

24. November 2016

Es ist sozusagen Tag 0 in der einstigen Erfolgsstory von Martin Schulz: Der damalige EU-Parlamentspräsident kündigt seinen Wechsel in die Bundespolitik an. Nach 22 Jahren als Abgeordneter in Straßburg und Brüssel will der ehemalige Bürgermeister von Würselen (Nordrhein-Westfalen) nach Berlin wechseln. Es wird kolportiert, dass Schulz im kommenden Jahr auf Platz eins der nordrhein-westfälischen SPD-Landesliste bei der Bundestagswahl antreten wird - und die Nachfolge von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) anstreben könnte. Beinahe hätte sich die Prophezeiung erfüllt.

24. Januar 2017

SPD-Chef Sigmar Gabriel verzichtet auf Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur. Gabriel schlägt Schulz für beide Posten vor. Die SPD steht in Umfragen bei 21 Prozent. Der frühere EU-Parlamentspräsident Schulz sagt: "Dieses Land braucht in diesen schwierigen Zeiten eine neue Führung."

29. Januar 2017

Schulz wird von der SPD als Kanzlerkandidat nominiert.

6. Februar 2017

Die SPD überholt in einer Umfrage mit 32 Prozent erstmals in der Wahlperiode die Union (31 Prozent) - der Umfragehöhenflug des Manns aus Würselen beginnt.

19. März 2017

"Mister 100 Prozent" wird gefeiert. Martin Schulz wird beim Bundesparteitag der SPD einstimmig zum Parteichef und Kanzlerkandidaten gewählt. Alle 605 gültigen Stimmen der Deligierten entfallen auf ihn, auf "Sankt Martin" ("Der Spiegel"). Die Umfragewerte der SPD schießen wieder in die Höhe, oberhalb von 30 Prozent - ein Duell auf Augenhöhe mit der CDU scheint möglich. 

25. März 2017

Nun ist Martin Schulz sozusagen "Mister 100 Prozent" im Quadrat: Die Landesdeligiertenkonferenz in Münster wählt den Parteichef und Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten ebenfalls einstimmig an die Spitze der NRW-Landesliste. "Wir wollen eine andere Politik in Deutschland einleiten", sagt Schulz in seiner Rede. 

26. März 2017

Bei der Landtagswahl im Saarland gewinnt entgegen allen Hoffnungen der SPD die CDU klar mit 40,7 Prozent. Die SPD kommt weit abgeschlagen auf 29,6 Prozent.

3. Mai 2017

Die Union liegt bundesweit in Umfragen wieder deutlich vor der SPD. Laut Forsa kommen CDU/CSU auf 36 Prozent, die SPD auf 28 Prozent.

7. Mai 2017

Weiterer Rückschlag für Schulz: In Schleswig-Holstein verliert Rot-Grün die Mehrheit (CDU: 32,0 Prozent, SPD 27,2). Ende Juni kommt eine "Jamaika"-Koalition aus Union, FDP und Grünen.

14. Mai 2017

Bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen wird Rot-Grün abgewählt. Die CDU steigert sich dort auf 33,0, die SPD sackt auf 31,2 Prozent ab. Armin Laschet (CDU) bildet Ende Juni eine Regierung mit der FDP.

18. Mai 2017

Schulz spricht in der "Zeit" über Fehler im Wahlkampf: "Ich habe von Anfang an vor dem Schulz-Hype gewarnt. Ich kann aber nicht ausschließen, dass ich mich selber davon habe beeindrucken lassen."

17. August 2017

Schulz zeigt sich trotz mieser Umfragen siegessicher: "Frau Merkel wird in den letzten zehn Tagen wahrscheinlich noch von dem einen oder anderen immer noch für unschlagbar gehalten. Aber am 25. heißt der Bundeskanzler Martin Schulz", sagt er Phoenix und Deutschlandfunk.

3. September 2017

Beim TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Schulz schaltet der SPD-Herausforderer auf Angriff - trotzdem gewinnt Merkel das Duell nach Umfragen von ARD und ZDF.

24 September 2017

Es ist ein schwarzer Tag für die SPD - und für Martin Schulz. Mit einem Wahlergebnis von 20,5 Prozent (2013: 25,7 Prozent) fahren die Sozialdemokraten ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949 ein. Ein Paukenschlag. Der Martin Schulz zu zwei folgenschweren Sätzen hinreißt: "Es ist völlig klar, dass der Wählerauftrag an uns der der Opposition ist" - eine Weiterführung der Großen Koalition mit CDU/CSU erteilt der SPD-Chef eine Absage.

25. September 2017

Schulz sagt in einer Pressekonferenz: "In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nicht eintreten."

30. September 2017

Der "Spiegel" veröffentlicht "Die Schulz Story". Und in der Tat: Es ist "eine große Erzählung über die Politik im Jahr 2017", wie das Nachrichtenmagazin auf dem Titel ankündigt. Der gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat hat sich 150 Tage lang begleiten lassen, auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Bei der vielen Parteigenossinnen und -Genossen schwindelig wird. Denn Schulz jammert. Und er jammert viel. "Alle wissen jetzt, dass er die Kanzlerkandidatur als Martyrium empfand", bilanziert der "Tagesspiegel".   

19. November 2017:

Es ist kurz vor Mitternacht, als ein Beben durch die Bundesrepublik geht - und die Oppositionspläne von Martin Schulz zerbröckeln: "Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren. Auf Wiedersehen.", erklärt FDP-Chef Christian Lindner vor versammelter Presse. Die Jamaika-Koalition aus FDP, Grünen und Union ist geplatzt. 

24. November 2017

Nun schaltet sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein, will CDU/CSU und SPD zu Gesprächen ermahnen. Die Parteivorsitzenden werden zu gemeinsamen Gesprächen geladen. Schulz rückt vom Nein zu einer neuen Großen Koalition ab. Auf einem Kongress der Jusos in Saarbrücken sagt er, er strebe keine Große Koalition, aber auch keine Neuwahlen an. "Ich strebe gar nix an."

7. Dezember 2017

Ein SPD-Parteitag in Berlin bestätigt Martin Schulz mit 81,9 Prozent als Vorsitzenden. Die Delegierten akzeptieren "ergebnisoffene Gespräche" mit der Union über eine Regierungsbildung.

13. Dezember 2017

Union und SPD sondieren jetzt über eine Koalition - Schulz nimmt an ihrer ersten Spitzenrunde teil.

15. Dezember 2017

Schulz bestätigt in einer Pressekonferenz, dass Sondierungsgespräche mit der Union aufgenommen werden. Die Große Koalition - die er anfangs vehement ausschloss - ist in der Entstehung.

21. Januar 2018

Ein SPD-Parteitag in Bonn billigt den Start von Koalitionsverhandlungen. Schulz will mit "Mut zur Entschlossenheit" in die Gespräche gehen.

7. Februar 2017

Union und SPD einigen sich auf einen Koalitionsvertrag. Schulz kündigt an, dass Fraktionschefin Andrea Nahles ihm an der Parteispitze nachfolgen solle. "Es ist sichtbar, dass Frau Nahles jünger und weiblicher ist als ich." Er wolle Außenminister werden.

9. Februar

Auf Druck aus der SPD mit Blick auf den anstehenden SPD-Mitgliederentscheid über den Koalitionsvertrag erklärt Schulz, er sehe ein erfolgreiches Votum durch die Diskussionen um ihn gefährdet. "Daher erkläre ich hiermit meinen Verzicht auf den Eintritt in die Bundesregierung."


fs/anb / DPA