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Mexiko-Iran: Wenn die Politik mitspielt

Wenn die iranische Fußballmannschaft ihr erstes WM-Match gegen Mexiko spielt, geht es längst nicht mehr um das Spiel an sich: Wegen antiisraelischer Ausritte von Präsident Ahmadineschad gibt es in Nürnberg vorher eine Protestkundgebung.

Vordergründig geht es um Fußball, wenn sonntags um 18.00 Uhr Mexiko und Iran gegeneinander antreten. Doch abseits des Fußbllfeldes hat sich längst die Politik der Partie angenommen: Die NPD bejubelt zeitlich passend den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad, weil er gegen Israel und westlich-demokratische Werte ist - und nutzt so die WM für die eigene PR. Und Ahmadineschad bringt die deutschen Gastgeber mit seinem angedrohten Besuch beim Erreichen des Achtelfinales in arge Kalamitäten.

Deutsche Politik soll sich distanzieren

So forderte der Zentralrat der Juden anlässlich einer Kundgebung gegen die israelfeindliche Politik des Iran vor dem Spiel Mexiko-Iran eine deutliche Distanzierung der deutschen Politik von der iranischen Führung. Die Politik müsse klarstellen, dass Personen, die den Holocaust leugneten, in Deutschland nicht willkommen seien, sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, am Sonntag im NDR. "Die Pflicht eines jeden deutschen demokratischen Politikers ist es, sich eindeutig gegen solche Antisemiten zu stellen, die das Existenzrecht Israels durch Waffengewalt in Frage stellen", erklärte er.

Kurz vor dem ersten Spiel Irans bei der Fußball-Weltmeisterschaft versammelten sich in Nürnberg zunächst mehrere Hundert Menschen, die vor allem gegen die israelfeindlichen Äußerungen des iranischen Staatschefs protestierten. Auf der Kundgebung, zu der mehrere jüdische Organisationen aufgerufen hatten, wollten auch der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) und die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sprechen. Kurz vor Beginn der Veranstaltung sagte Beckstein vor Journalisten: "Die Deutschen sind Freunde des iranischen Volkes, aber heftige Gegner eines Mannes, der den Holocaust leugnet." Die Demonstration sei wichtig, "weil auch eine Fußballweltmeisterschaft keine politikfreie Zeit ist".

Kein Protest gegen das iranische Volk

Grünen-Chefin Roth betonte, Ahmadinedschad sei nicht gleichzusetzen mit dem iranischen Volk. Es müsse aber deutlich gemacht werden, dass der iranische Präsident in Deutschland nicht willkommen sei. "Das Motto der WM heißt 'Die Welt zu Gast bei Freunden'. Wer den Holocaust leugnet, der gehört nicht zu meinen Freunden", fügte Roth hinzu. Der Publizist und frühere Vizepräsident den Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman nannte die Anwesenheit des iranischen Vizepräsidenten Mohammed Aliabadi bei dem Spiel in Nürnberg einen Skandal. "Er repräsentiert ein Regime, das den Staat Israel vernichten möchte", sagte Friedman.

Die Kundgebung in Nürnberg sei eine "klare Demonstration gegen den Hitler des 21. Jahrhunderts." Auf Transparenten in der Menge der Demonstranten war unter anderem zu lesen: "Viva Israel", "Es lebe die Freiheit!", "Nie wieder!", "Keine Akzeptanz für Völkermord" und "Keine Akzeptanz für die Androhung von Völkermord!"

Keine offiziellen Kontakte zu Aliabadis

Mahmud Ahmadineschad hatte mit anti-israelischen Äußerungen weltweit Empörung ausgelöst. Er leugnete wiederholt den Holocaust und forderte, Israel von der Landkarte zu tilgen. Die Bundesregierung will für die Sicherheit Aliabadis während seines Deutschland-Besuchs sorgen, ihn aber nicht als Staatsgast empfangen. Offizielle Kontakte zu dem iranischen Politiker soll es nicht geben.

Dieses Vorgehen wäre bei einem offiziellen Besuch Ahmadineschads protokollarisch natürlich nicht aufrecht zu erhalten. Und der iranische Präsident tut sein Möglichstes, damit es dazu kommt. Wie bekannt wurde, setzt er auch durchaus auf pekuniäre Motivation für seine Nationalmannschaft: Wenn das Team das Achtelfinale erreicht - und ihm so die Anreise ermöglicht - winken jedem Spieler umgerechnet 50.000 Euro und ein Peugeot 206 aus iranischer Produktion. Außerdem soll Ahmadineschad nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" der Mannschaft vor der Abreise noch 100 Goldmünzen im Gesamtwert von rund 12.000 Euro übergeben haben - aus seiner Privatschatulle und "damit ihr wißt, wie wichtig ihr mir seid."

spi mit DPA