HOME

Nach dem Rücktritt: Union setzt auf Guttenberg-Comeback

Nur einen Tag nach seinem Rücktritt, beschwört die Union bereits die Rückkehr Karl-Theodor zu Guttenbergs auf die politische Bühne. Ein neuer Verteidigungsminister wird wohl schon heute benannt.

Nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mehren sich die Stimmen aus der Union, die auf eine baldige Rückkehr des CSU-Politikers setzen. "In einer offenen Gesellschaft hat jeder eine zweite Chance verdient", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer (CDU), am Mittwoch zu "Handelsblatt Online". Guttenberg habe in kurzer Zeit zwei Ministerien überaus erfolgreich geführt und dabei große Verdienste erreicht. Die Wissenschaft zeigt sich dagegen in erster Linie erleichtert, dass Guttenberg wegen des Abschreibens großer Teile seiner Doktorarbeit sein Amt räumen musste. Ein neuer Verteidigungsminister soll angeblich schon heute ernannt werden.

Aus der Koalition verlautete, dass die Entscheidung für einen Nachfolger zu Guttenbergs im Laufe des Tages gefällt werden wird. Das berichten diverse Agenturen und Medien, die sich allesamt auf Äußerungen nicht genannter Regierungspolitiker berufen. Demzufolge entscheidet zunächst die CSU über verschiedene Möglichkeiten, die dann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgelegt werden. Im Laufe des Tages soll dann die Kanzlerin, die am Vormittag die Sitzung des Bundeskabinetts in Berlin leitet, ihre Entscheidung fällen.

Dem Bußgang wird wohl ein Hochamt folgen

Der Rücktritt zu Guttenbergs wird nicht nur von Merkel, sondern von weiten Teilen der Union bedauert. Ein Comeback des Freiherrn wird von vielen erhofft. "So viele talentierte Politiker hat die politische Klasse in Deutschland nicht, als dass man auf Guttenberg verzichten könnte", gibt der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, nun zu bedenken. Er hoffe, dass Guttenberg der Union als Politiker erhalten bleibe und seine Rückkehr so bald wie möglich stattfinden könne. Schließlich gäbe es Fälle, in denen bei Politikern sehr viel mehr kriminelle Energie vorhanden gewesen sei als bei Guttenberg und die auch zurückgekehrt seien, erklärte der CSU-Politiker. Ähnlich sehen es viele Menschen, die sich in den sozialen Netzwerken im Internet äußern. Einer Pro-Guttenberg-Seite auf Facebook haben sich bereits über 340.000 Menschen angeschlossen.

Nach Einschätzung des Parteienforschers Gerd Langguth dürfte Guttenberg gestärkt aus der Plagiatsaffäre hervorgehen und könnte sich damit zu einem ernsthaften Konkurrenten für CSU-Chef Horst Seehofer entwickeln. "Sein Rücktritt ermöglicht ihm ein Comeback", sagte Langguth zu "Handelsblatt Online". Indem er der Bevölkerung Anteil an seiner politischen und menschlichen Erschöpfung gegeben habe, gewinne Guttenberg neue Sympathien. Ein Comeback Guttenbergs als CSU-Chef oder bayerischer Ministerpräsident sei nicht unwahrscheinlich. Er brauche irgendwann ein neues, ihm eigene Autorität verleihendes Amt. "Zunächst ist aber ein Bußgang angesagt, dem sicherlich ein Hochamt folgen wird", erklärte Langguth.

Die Wissenschaft hat sich dagegen erleichtert über den Rücktritt Guttenbergs gezeigt. "Es wäre schlimm gewesen, wenn sich der Eindruck verfestigt hätte, dass es in der Wissenschaft mit Lug und Trug zugeht und dass dies ohne weitere Konsequenzen für die berufliche Laufbahn bleibt", sagte der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, der "Rheinischen Post". Er beklagte, dass in der öffentlichen Debatte das systematische Abschreiben bei der Doktorarbeit auf eine Ebene mit Lausbuben-Streichen gestellt worden sei. "Diese Marginalisierung von Wissenschaft hat uns empört", sagte Kempen. Mit dem Rücktritt Guttenbergs seien die Dinge nun wieder "vom Kopf auf die Füße gestellt" worden.

Uni Bayreuth setzt Prüfung der Doktorarbeit fort

Die Universität Bayreuth reagierte ebenfalls erleichtert. Die Entscheidung Guttenbergs nehme "einigen Druck" von der Kommission zur wissenschaftlichen Selbstkontrolle, sagte Universitätspräsident Rüdiger Bormann der "Berliner Zeitung". Die Kommission werde nun alle Vorwürfe detailliert prüfen und dabei auch insbesondere zu der Frage Stellung nehmen, ob ein Täuschungsversuch vorliege oder eine Täuschungsabsicht erkennbar sei. "Nach meiner Wahrnehmung ist diese Frage nicht unstrittig, sondern im Gegenteil strittig", sagte Bormann. Die Universität werde sich deshalb auch externen Rat einholen. Mit einer Entscheidung sei erst in einigen Wochen zu rechnen.

Der Inhaber des Lehrstuhls für öffentliches Recht an der Universität Bayreuth, Oliver Lepsius, hatte am Wochenende erklärt, für ihn stehe zweifelsfrei fest, dass Guttenberg vorsätzlich gehandelt habe. Dazu sagte Bormann: "Das ist seine persönliche Meinung, die Aufgabe der Kommission wird sein, das faktenbasiert und detailliert zu begründen." Bormann fügte aber hinzu, ihm sei bewusst, dass das Ergebnis der Prüfung auch für die Staatsanwaltschaft von Interesse sein werde.

Guttenberg legt auch Mandat nieder

Nach Ansicht von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat der Protest Tausender Wissenschaftler Guttenbergs Rücktritt besiegelt. "Ich glaube ja, dass der Herr Minister vor allem daran gescheitert ist, dass es eine Flut des Protestes gerade aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft gegeben hat", sagte Thierse am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin.

Guttenberg war am Dienstag nach wochenlanger, heftiger Kritik an seiner Dissertation als Verteidigungsminister zurückgetreten. Der CSU-Politiker soll große Teile seiner Doktorarbeit bei anderen Autoren abgeschrieben haben, ohne diese Stellen richtig zu kennzeichnen. Nach Medienberichten will Guttenberg außerdem sein Bundestagsmandat niederlegen. Er habe eine entsprechende Erklärung an Bundestagspräsident Norbert Lammert geschickt, schrieb die "Augsburger Allgemeine" unter Berufung auf CSU-Kreise.

zen/dho/DPA/Reuters / DPA / Reuters