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Dresden, Berlin, Köln Showdown der Pegida-Freunde und -Gegner


Wer zieht mehr Menschen an? Die Pegida-Veranstaltungen oder die Gegendemonstrationen? In zahlreichen Städten kommt es am Montag zum Showdown der Gesinnungen.

Am späten Montagabend sieht Deutschland klarer: Dann stellt sich raus, wo es mehr Zulauf gegeben haben wird: Bei den Pegida-Aufmärschen in Dresden, Köln und Kassel oder den zahlreichen Gegendemonstrationen in Berlin, Hamburg und Stuttgart. Sicher ist schon jetzt: Einfach so wollen viele Bürger die zweifelhaften Proteste gegen eine angebliche Überfremdung Deutschlands nicht hinnehmen. Nachdem vor Weihnachten fast 18.000 Menschen an der Dresdner Pegida-Demonstration teilgenommen hatten, rufen so gut wie alle Gesellschaftsgruppen zum Widerstand gegen das Bündnis auf.

Etwa der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider: Er warnt Christen vor einer Teilnahme an den islamfeindlichen Kundgebungen. "Wir können nicht das Abendland verteidigen, indem wir den Islam als Feind ausrufen", sagte er "Rheinischen Post". Christinnen und Christen hätten auf diesen Kundgebungen nichts zu suchen. Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) forderte die Domstädter auf, "deutliches Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und Ausgrenzung" zu setzen. Auch die CDU der Stadt kündigte an, gegen die Pegida-Demo mit auf die Straße zu gehen und sagte: "Fremdenfeindliche Proteste dulden wir nicht in unserer Stadt."

Wer protestiert wo und wann?

  • Dresden
  • Pegida, 18.30 Uhr, Cockerwiese, Lingnerallee
    Gegendemos:
  • "Dresden für alle" 18 Uhr, Straßburger Platz
  • Dresdner Neujahrsputz - Einwohner putzen Platz der Pegida-Abschlusskundgebung, 20 Uhr, Postplatz
  • Berlin
  • Bärgida (Berliner Patrioten gegen Islamisierung des Abendlandes), 18.30 Uhr, Klosterstraße
    Gegendemos:
  • "Gemeinsam gegen rassistische Hetze und soziale Ausgrenzung", 16 Uhr, Stralauer Straße
  • "No Pegida, 17 Uhr, Lustgarten
  • Protestkundgebung der Türkischen Gemeinde, 18 Uhr, Brandenburger Tor

  • Köln
  • Kögida, 17.30 Uhr, Dom
    Gegendemos:
  • "Köln stellt sich quer", 17.30 Uhr, Deutzer Bahnhof
  • "Kein Veedel für Rassismus", 17.30 Uhr, Siegesstrasse/Mindenerstrasse
  • Hamburg

  • Gegendemo

  • Tegida ("Tolerante Europäer gegen die Idiotisierung des Abendlandes"), 18.30 Uhr, Glockengießerwall
  • München

  • Mügida ("Münchener gegen die Islamisierung des Abendlandes"), 18.30 Uhr, Sendlinger Tor
    Gegendemos:
  • NoBagida, 18.15 Uhr, Sendlinger Tor
  • Kassel

  • Kagida ("Kassel gegen die Islamisierung des Abendlandes"), 18.30 Uhr, Scheidemannplatz
    Gegendemo gleiche Zeit, gleicher Ort.
  • Stuttgart

  • Anti-Pegida-Demo, 17 Uhr, Schlossplatz

Für 17.30 Uhr hat "Kögida" ("Kölner gegen die Islamisierung des Abendlandes") die Demonstration angemeldet. Als Zeichen dagegen wird währenddessen die Außenbeleuchtung des Doms ausgeschaltet. Nach Angaben des Erzbistums folgt die Stadt dem Beispiel der Dresdner Semperoper, die während der Pegida-Umzüge in Dresden demonstrativ ihre Außenbeleuchtung abgeschaltet hatte. Im Zuge der Aktion "Licht aus für Rassisten" werden die zudem die Bürger der Stadt aufgerufen, während der Pegida-Demonstration die Innen- und Außenbeleuchtung von Gebäuden auszuschalten.

"Kälte, ja sogar Hass" in den Herzen

Experten ordnen Teile der Organisatoren und Demonstranten von Pegida dem rechtsextremen Spektrum zu. Genährt wird die Bewegung nach Ansicht von Sozialforschern von einer diffusen Angst vor sozialem Abstieg. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in ihrer Neujahrsansprache dazu aufgerufen, sich nicht den Demonstrationen anzuschließen. Die Organisatoren hätten oft "Kälte, ja sogar Hass" in ihren Herzen.

Als einer der wenigen Politiker aus den etablierten Parteien zeigt FDP-Vize Wolfgang Kubicki Verständnis für die Protestbewegung Pegida. "Es ist falsch, die Menschen, die sich in Dresden an den Demonstrationen der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" beteiligen, als "ausländerfeindlich" zu diskreditieren, sagte er in einem Interview der Zeitung "Die Welt".

nik/DPA(AFP/Reuters Reuters

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