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Kommentar

Regierungskrise in Berlin: Appell an die SPD: Ran an die GroKo - aber ohne Martin Schulz

Nach dem Scheitern von Jamaika fragt sich stern-Autorin Ulrike Posche: Was war eigentlich so schlimm an der GroKo? Sie appelliert an die SPD: Kommt aus der roten Trotzecke und macht weiter - ohne Martin Schulz. Ihr habt da einen Besseren.

Könnte bitte mal jemand Ralf Stegner und Martin Schulz aus dem Weg räumen? Politisch gesehen natürlich. Könnte bitte mal jemand der SPD sagen, sie solle Sigmar Gabriel aus Bangladesch, Minsk, Brüssel zurückpfeifen? Es ist doch - folgenden Satz bitte im Altkanzler-Schröder-Ton lesen - "gar keine Frage, dass in dieser verfahrenen Situation der begabte Siechma Gabriel wieder ran muss!" Es ist doch absolut alternativlos, dass der einstige Vizekanzler nun mit der von ihm geschätzten Frau Bundeskanzlerin eine funktionierende Regierung wuppen muss. Schluss jetzt, SPD, mit der Selbstfindung! Schluss jetzt, mit der Neuausrichtung der Partei - mehr ins Weibliche. Kommt endlich aus der roten Trotzecke und macht weiter! Ohne die beiden Betonköpfe Schulz und Stegner.

Man kann das Wahlergebnis vom 24. September doch auch mal ganz anders lesen: Die Leute, oder wie Politiker gern sagen, "die Menschen" haben die Große Koalition nicht abgewählt. Nein, das Volk hat die GroKo mit Mehrheit wiedergewählt! CDU 32,9 Prozent und SPD 20,5. Macht gut 53 Prozent. Reicht das etwa nicht für den Übergang?

SPD war gut im Geschäft - dann kam Martin Schulz

Katarina Barley wäre gern weiter Familienministerin geblieben, sagte sie in vielen Talkshows. In so vielen Talkshows, dass es beinahe wie ein Ersuchen klang, ein Erflehen. Andrea Nahles war eine hervorragende Arbeitsministerin, sagen alle. Sogar Horst Seehofer (CSU) und Gerhard Schröder. Sie könnte den Fraktionsvorsitz sausen lassen und einfach weitermachen. Barbara Hendricks. Hatte jemand groß etwas an der Umweltpolitik der radelnden SPD-Ministerin mit der rauchigen Stimme auszusetzen? Nein! Mit anderen Worten: Die SPD war doch schon weiblich. Und sie war gut im Geschäft.

Bis der Schulz alles kaputt gemacht hat. Wenn der gescheiterte Kanzlerkandidat nicht in jener Wahlnacht mit Tröten und Trompeten jede Kooperation abgeblasen hätte, hätten wir jetzt eine funktionierende Regierung! Die wäre zwar von "politischen Beobachtern" für "langweilig" und "ideenlos" erklärt worden. Aber von Europa, den Börsen, der Welt und Sophia Thomalla doch für stabil. Irgendwie. Wenn Martin Schulz nicht von Anfang an ausgeschlossen hätte, dass die GroKo weiterregiert, wäre jetzt alles in Butter.

Sigmar Gabriel steht gern zur Verfügung

Erinnert sich noch jemand daran, wie der begabte Sigmar Gabriel nach der Wahl in der hinterletzten Ecke der allerletzten Reihe hinter Schulz stand? Wie er während dessen Aufsager versuchte, unsichtbar zu sein? Erinnert sich noch jemand an den dünnen Mund, den Gabriel zog, als sein Parteivorsitzender sagte: Wir stehen nicht zur Verfügung?

Sigmar Gabriel steht gern zur Verfügung. Nie hat man ihn glücklicher in einem Amt gesehen, als in dem des Außenministers. Klar, manchmal folgt seine Diplomatie ein bisschen der Bud-Spencer-Methode, "Plattfuß räumt auf". Aber im Großen und Ganzen macht er es doch ordentlich, der talentierte Herr Gabriel aus Goslar.

Er könnte dem Bundespräsidenten ja heimlich vorschlagen, dass sie es nur zwei Jahre lang machen: Merkel und Gabriel für Deutschland. Für die Verantwortung. Oder nennen Sie es "Patriotismus". Und dann: vorgezogene Neuwahlen im Frühjahr 2020. Frühjahr, Aufbruch, dem Morgenrot entgegen. Merkel geht in Altersteilzeit. Gabriel wird Kanzler. Ganz ehrlich: Was war eigentlich so schlimm an der GroKo?