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US-Interesse am deutschen Wahlkampf: What is the Bundestagswahl?

Wenn ein neuer US-Präsident gewählt wird, erwarten auch die Deutschen gespannt das Ergebnis. Umgekehrt interessiert es aber wenig, wer die Wahl in Deutschland gewinnt.

Bei seinem Berlin-Besuch im Juni traf US-Präsident Barack Obama auch den SPD-Kanzlerkandidaten #link;http://www.stern.de/politik/deutschland/peer-steinbrueck-90250603t.html;Peer Steinbrück#. Locker und entspannt sei das Gespräch gewesen, hieß es danach. Das Foto zur Begegnung zeigt zwei fröhlich lächelnde Männer. Hält man es in der amerikanischen Hauptstadt Washington Passanten vor, reagieren sie ratlos auf die Frage, mit wem ihr Präsident da zusammensitzt. Nie gesehen, nie von gehört. Steinbrück ist in Amerika schlicht kein Begriff.

Nicht, dass es an Interesse für Deutschland fehle. Mit Freude erzählen die Amerikaner über ihre Zeit in Heidelberg, Mannheim und Ramstein - oder wo sie sonst als Soldaten stationiert waren. Sie wissen auch einigermaßen über die Erfolge von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise Bescheid. "Geblieben ist der Eindruck, dass Merkels Führung eine wichtige Rolle gespielt hat", sagt Charles Kupchan vom renommierten Außenpolitik-Institut Council of Foreign Relations. Deutschlands wirtschaftliche Stärke werde anerkannt.

Schrill versus sachlich

Doch Schlagzeilen macht die Bundesrepublik eher, wenn der populäre Popsänger Justin Bieber sein Kapuziner-Äffchen "Mally" am Münchner Flughafen verliert. Oder wenn der "Baywatch"-Star David Hasselhoff in Berlin demonstrieren geht. Aber ein Streit zwischen Merkel und Steinbrück über Mütterrente und Mietpreisbremse? Zwischen dem schrillen US-Wahlkampf, voll ausgerichtet aufs Fernsehpublikum, und dem eher sachlichen, viel kürzeren in Deutschland liegen eben Welten.

"Die meisten Amerikaner kennen den Wahlkampf nicht im Detail. Sie denken darüber nicht nach", beobachtet auch Michael Haltzel, Experte für transatlantische Politik an der Johns Hopkins University in Washington. Das habe aber nichts mit Deutschland zu tun - bei den meisten anderen Ländern sei das auch nicht anders.

"Good old Germany"

Hinzu komme, dass nach landläufigem Gefühl in "good old Germany" ohnehin nichts schiefgehen kann. "Wer auch immer gewinnt, die Erwartung ist, dass Deutschland ein enger Verbündeter und Freund der Vereinigten Staaten bleibt. Ich sehe aber keine Möglichkeit, dass irgendjemand zum Kanzler gewählt wird, der nicht in diese Kategorie fällt", sagt Haltzel.

Das war zwar nicht immer so. Unvergessen ist, wie SPD-Kanzler Gerhard Schröder im August 2002 im Kampf um die Wiederwahl eine glatte Kehrtwende in seiner Haltung zum Anti-Terror-Kampf der USA vollzog. Der damalige Präsident George W. Bush trug ihm das schwer nach.

Mehr globale Verantwortung für Deutschland

Doch mit einem solchen Affront ist diesmal nicht zu rechnen - dafür scheint selbst der deutsche Groll über das massive Spähprogramm des US-Geheimdienstes NSA nicht zu genügen. Im Gegenteil hegt Washington die Erwartung, dass Deutschland nach der Wahl wieder mehr als zuletzt seiner internationalen Führungsrolle nachkommt.

So gilt in den USA als ausgemacht, dass die größte Volkswirtschaft Europas maßgeblich für den Abschluss des Freihandelsabkommens kämpft, über das derzeit verhandelt wird. Und auch sonst müsse der Partner wieder mehr globale Verantwortung übernehmen. Obama formulierte das bei seinem Deutschlandbesuch so: "Wir sind nicht nur Bürger Amerikas oder Deutschlands - wir sind auch Weltbürger. Und unsere Schicksale sind so eng miteinander verknüpft wie nie zuvor."

juho/Marco Mierke, DPA / DPA