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Teil 2: 1890 - 1939: Heimkehr in ein Land von Feinden

Vor dem Antisemitismus in Europa fliehen Juden nach Palästina. Für sie ist die Einwanderung biblisches Recht, für die Araber eine Invasion. Die britische Mandatsmacht verschlimmert mit ihrem Zickzackkurs die Lage.

Nichts erschreckte sie, nichts hielt sie auf, weder die Ödheit des Landes noch die Wildheit der Araber, auch nicht die Unkenntnis der örtlichen Sprache und Gebräuche", schrieb ein jüdischer Siedler im Licht einer Karbidlampe 1885 über seine Schicksalsgenossen nach Hause. "Niemand aus der Ferne kann ermessen, was es heißt, tagelang ohne einen Tropfen Wasser zu sein, monatelang in engen Zelten zu liegen und von Reptilien aller Art heimgesucht zu werden. Genauso wenig, wie er verstehen kann, was unsere Frauen, Kinder, Mütter durchmachen, wenn uns die Araber angreifen." Das war es also, das Gelobte Land. Kein "Land ohne Volk für ein Volk ohne Land", wie die Propaganda zu Hause weismachen wollte.

Trotzdem waren einige tausend meist russische Juden Ende des 19. Jahrhunderts hierher aufgebrochen. In jüngster Zeit hatte ihre Gemeinschaft im Zarenreich wieder einmal heftige Verfolgungen erdulden müssen. Über zwei Millionen wählten zwar die USA als ihr Gelobtes Land. Doch die kleine Minderheit, die ins von den Osmanen beherrschte Palästina auswanderte, war überzeugt, dass es "für das Volk Israel keine Rettung gibt, außer es errichtet seine eigene Regierung im Lande Israels".

Ein paar Jahre kümmerte ihr visionäres Unternehmen auf dem dürren Boden Palästinas vor sich hin. Bis Theodor Herzl kam und mit ihm der politische Zionismus. Herzl, ein Wiener Journalist, der die Oper liebte und mäßig erfolgreiche Theaterstücke verfasst hatte, veröffentlichte 1896 die Denkschrift "Der Judenstaat - Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage".

Eine Geschichte von Hass und Vertreibung

Seit der Emigration aus Judäa nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 nach Christus lebten die jüdischen Gemeinden Europas über ein Jahrtausend lang in einem äußerst labilen Gleichgewicht mit ihrer Umwelt. Von den Christen wurden die "Schuldigen am Kreuzestod Jesu" in eine Sonderrolle gedrängt. Juden durften im Mittelalter meist keinen Grundbesitz erwerben, kein Handwerk ausüben und mussten in eigenen Vierteln, den Ghettos, wohnen. Gleichzeitig aber brauchte man sie als Händler und Geldverleiher. Als Sündenböcke waren sie bestens geeignet: Das Zusammenleben mit ihren christlichen Nachbarn wurde immer wieder von Massakern und Vertreibung unterbrochen.

Ende des 19. Jahrhunderts erhielt der Antisemitismus neuen Auftrieb. Pogrome in Russland, Ausschreitungen in Frankreich, ein populärer antisemitischer Oberbürgermeister in Herzls Heimatstadt Wien. Demagogische Schlagworte wie "jüdische Zinsknechtschaft" gingen um. "Saujud" wurde zum Schimpfwort. Wir haben überall ehrlich versucht, in der uns umgebenden Volksgemeinschaft unterzugehen und nur den Glauben unserer Väter zu bewahren. Man lässt es nicht zu. Vergebens sind wir treue und an manchen Orten sogar überschwängliche Patrioten, vergebens bringen wir die- selben Opfer an Gut und Blut wie unsere Mitbürger", stellte Herzl in seiner Schrift fest. Es gebe nur einen Ausweg: ein selbstständiger Judenstaat. Ein Staat, der außerdem den Charakter eines unterdrückten und verstreuten Volks von Grund auf ändern sollte. So werde "ein Geschlecht wunderbarer Juden aus der Erde wachsen. Die Makkabäer werden wieder aufstehen". (Die Makkabäer hatten Israel einst von der Fremdherrschaft befreit.)

Herzl hatte zwei mögliche Territorien im Auge, Argentinien oder Palästina: "Argentinien ist eines der natürlich reichsten Länder der Erde, von riesigem Flächeninhalt, mit einer schwachen Bevölkerung und gemäßigtem Klima." Die Alternative allerdings inspirierte Herzl mehr: "Palästina ist unsere unvergessliche historische Heimat ... Wenn Seine Majestät der Sultan uns Palästina gäbe, könnten wir uns dafür anheischig machen, die Finanzen der Türkei gänzlich zu regeln. Für Europa würden wir dort ein Stück des Walles gegen Asien bilden, wir würden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen."

Ein Jahr später legte der Erste Zionistische Weltkongress in Basel Palästina als die alte und neue Heimstätte des jüdischen Volkes fest. Dabei wollte der liberale Journalist Herzl damals weder einen religiös noch einen militärisch geprägten Staat: "Wir werden unsere Geistlichen in ihren Tempeln festzuhalten wissen, wie wir unser Berufsheer in den Kasernen festhalten werden. In den Staat haben sie nichts dreinzureden, denn sie werden äußere und innere Schwierigkeiten heraufbeschwören."

Doch der Sultan sagte zu einem jüdischen Vorposten gegen die Barbarei kategorisch nein. Die Einwanderung zionistischer Aktivisten aus Europa konnte er dennoch nicht unterbinden. Und die einheimische Bevölkerung fühlte sich bedroht, je zahlreicher die Siedler ins Land kamen. Denn das war nicht die Art von Juden, mit denen die Araber seit Jahrhunderten zusammenlebten.

Mit diesen "alten Juden" war man im Großen und Ganzen klargekommen. Schließlich waren es Muslime gewesen, die nach der Eroberung von Jerusalem 638 nach Christus das über 500 Jahre gültige römische Verbot für Juden aufgehoben hatten, die Stadt Jerusalem zu betreten. Sie repektierten den jüdischen Glauben, wenn auch nur gegen Bezahlung einer deftigen Religionssteuer.

Die Zahl der Juden im Heiligen Land war stetig zurückgegangen. 1881, kurz vor Erscheinen von Herzls Schrift, zählte man 450 000 Araber, aber nur 24 000 Juden, vor allem Handwerker und kleine Geschäftsleute. Die muslimische Mehrheit behandelte sie mit - so der Historiker Elie Kedourie - "verächtlicher Tolerenz". Die "neuen Juden" dagegen fürchteten sie. Denn die kamen aus dem sittenlosen Europa, wollten sich das Land aneignen und den angestammten Bewohnern ihre Heimat und ihre traditionelle Lebensweise wegnehmen.

"Lasst Palästina in Frieden!"

Theodor Herzl sah das nicht so. Zwischen Arabern und Juden könne Friede herrschen, die jüdische Immigration bringe auch für die Araber wirtschaftlichen Segen - Schulen, Straßen, Krankenhäuser. Die Einwanderer wollten keinesfalls die Muslime vertreiben, schrieb der Theoretiker des Judenstaates an den Jerusalemer Islam-Gelehrten Yusuf Diya al-Khalidi. Der hatte zuvor in einem Brief gefleht: "Lieber Gott, die Welt ist groß genug, es gibt noch immer unbewohnte Länder, wo man Millionen von Juden ansiedeln könnte. Im Namen des Allmächtigen, lasst Palästina in Frieden!"

Khalidi hatte die schleichende Enteignung vor Augen, die mit der ersten Einwanderungswelle begann. Mindestens anfangs wirkten arabische Großgrundbesitzer tatkräftig dabei mit. Sie verkauften ihr Land für teures Geld an die Juden. Die Pächter mussten gehen. "Die Furcht vor Enteignung und Vertreibung sollte der Hauptantrieb des arabischen Widerstands gegen den Zionismus bis (zum Krieg von) 1948 sein", schreibt der israelische Geschichtsprofessor Benny Morris.

Für die Mehrheit der Zionisten war der Landerwerb nur ein Durchgangsstadium: "Die Juden werden noch aufstehen und, wenn nötig, mit der Waffe in der Hand erklären, dass sie die Herren ihrer alten Heimat sind", schrieb einer von ihnen. Doch bis dahin müsse man seine wahren Absichten verbergen, so ein anderer, um nicht "die Feindschaft der Araber auf uns zu ziehen, bevor wir stark und zahlreich sind".

Im Jahr 1900 gab es etwa 60 000 Juden in Palästina. Gewissensbisse hatten die Neuankömmlinge aus Europa selten. Für die Religiösen war die Heimkehr ins Gelobte Land der Vollzug biblischer Verheißung, also gottgegeben und jeder Kritik entzogen. Die anderen sahen die Araber im Lande mit den Augen der Zeit, also den Augen des Kolonialismus. "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir hier mit einem halb-wilden Volk zu tun haben, das extrem primitive Vorstellungen hat.

Und das ist seine Natur: Wenn der Araber Kraft in dir spürt, unterwirft er sich und verbirgt seinen Hass gegen dich. Spürt er aber Schwäche, wird er dich beherrschen", schrieb ein Moshe Smilansky. Viele Siedler, in Europa zuvor selbst unterdrückt, entwickelten gegen ihre arabischen Taglöhner "eine Tendenz zum Despotismus, wie es immer geschieht, wenn ein Sklave zum Herren wird", so Ahad Haam, damals einer der wenigen jüdischen Kritiker. Gewöhnlich nannten die Kolonisten ihre arabischen Arbeiter "Maultiere", in Analogie zu einer Talmud-Stelle, wo die kanaanitischen Sklaven im antiken Israel mit Eseln verglichen werden.

Die Briten versprechen Allen alles

Im Jahr 1909 überfiel ein dolchschwingender Araber einen jungen Siedler auf dem holprigen Weg zwischen Sejera und Yavniel, zwei jüdischen Kolonien. Durch einen Messerstich verwundete der Angreifer sein Opfer leicht, er entriss ihm die Aktentasche und entkam unerkannt mit seiner Beute. Der Überfallene hieß David Ben Gurion und sollte später zum großen alten Mann der israelischen Unabhängigkeit werden. Schon in den Wochen zuvor hatte Ben Gurion den Kleinkrieg zwischen jüdischen Siedlern und Arabern miterlebt. Die Araber hatten das Vieh der Juden gestohlen und deren Felder angezündet. Es gab Tote auf beiden Seiten. Der junge Mann beteiligte sich, bewaffnet nur mit einer Browning-Pistole, auch an der Verfolgung der Angreifer. Aber erst jetzt, als er blutend und ohne Aktentasche dastand, wurde Ben Gurion klar: "Unsere arabischen Nachbarn hassen uns." Der palästinensische Widerstand war erwacht.

1913 forderte ein Artikel in der Zeitschrift "Filastin" die osmanischen Herrscher auf, gegen den Landerwerb der Juden härter vorzugehen. "Die Zionisten gewinnen die Herrschaft über unser Land, Dorf um Dorf, Stadt um Stadt, morgen wird ganz Jerusalem verkauft sein und dann das gesamte Palästina." Ein Flugblatt gab 1914 die Parole aus, die von nun an das jüdisch-arabische Verhältnis bestimmen sollte: "Mitbürger! Wollt ihr Sklaven der Zionisten sein, die gekommen sind, euch aus eurem Land zu vertreiben, und die sagen, dieses Land gehöre ihnen?" Als Reaktion wurden die Restriktionen für Juden verschärft.

Dann brach der Erste Weltkrieg aus. Das Osmanische Reich schlug sich auf die Seite Deutschlands und der Habsburger Monarchie. Großbritannien, Frankreich und Russland waren die Hauptgegner. England suchte im Nahen Osten Verbündete, um den Suezkanal zu sichern. Die Araber boten sich an. Denn die arabischen Nationalisten wollten die Fremdherrschaft der Osmanen endlich abschütteln. Zur Belohnung für einen Aufstand gegen jene versprachen die Briten 1915 in einer Note dem Sharifen von Mekka, wenn auch etwas vage, die "Unabhängigkeit der arabischen Länder".

Aus Furcht, der Zionismus könnte sich zugunsten des Deutschen Kaiserreichs erklären, schrieb Außenminister Balfour zwei Jahre später an den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Großbritannien einen ähnlich unklar formulierten Brief, die berühmte Balfour-Deklaration: "Seiner Majestät Regierung betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen und wird die größten Anstrengungen machen, um dieses Ziel zu erleichtern."

Beide Seiten konnten nun mit Recht glauben, eine ernsthafte Zusage für ihre Pläne in Händen zu halten. Was sie nicht wussten: In einer geheimen Absprache, dem so genannten Sykes-Picot-Abkommen, hatten sich Großbritannien und Frankreich 1916 geeinigt, den gesamten Raum unter sich aufzuteilen und keine unabhängigen Nationalstaaten zuzulassen. Die opportunistische Schaukelpolitik der Briten hatte begonnen. Sie sollte verhängnisvoll sein.

Palästina wird zur Heimstätte für Juden

Als das Osmanische Reich am Ende des Ersten Weltkriegs zerschlagen wurde und der Arabische Raum von Briten und Franzosen besetzt war, traf Faisal, der Sohn des Sharifen von Mekka, im Januar 1919 Chaim Weizmann, den damals einflussreichsten zionistischen Politiker. Faisal brauchte Verbündete, um den Briten das arabische Großreich abzuringen, das sie seinem Vater 1915 versprochen hatten. Er entschloss sich zu einem Schritt, den Israel noch heute als Beweis anführt, dass die Araber anfangs einen jüdischen Staat befürworteten: Wenn die Juden ihn bei seinem Anliegen unterstützten, erklärte Faisal sich bereit, Palästina aus einem Araberstaat auszuklammern und es den Juden als "Heimstätte" zu überlassen. "Alle notwendigen Maßnahmen sollen ergriffen werden, die Einwanderung von Juden nach Palästina in großem Maßstab zu ermutigen und zu fördern."

Palästinensische Araber, die direkt Betroffenen, waren bei den Verhandlungen aber nicht zugegen. Faisal, frohlockte Weizmann in einem Brief an seine Frau, "zeigt ihnen gegenüber Verachtung, er sieht sie nicht einmal als Araber an". Die Palästinenser mussten erfahren, dass die arabischen Brüder ohne Skrupel über ihre Köpfe hinweg entschieden und die "heiligen, unveräußerlichen Rechte Palästinas" einfach hintanstellten.

Vorsichtshalber hatte der Prinz aus Mekka der Abmachung handschriftlich auf Arabisch hinzugefügt, sie sei nur gültig, falls es wirklich zu einem unabhängigen arabischen Staat komme. Doch getreu ihrem Geheimabkommen erhielt Frankreich 1920 Syrien und den Libanon als "Mandatsgebiete", Großbritannien den Irak, Transjordanien und Palästina. ( Das Wort "Kolonie" war außer Mode gekommen.)

Die Araber vor Ort waren mit Faisals Alleingang nie einverstanden gewesen. Sie protestierten bei den Briten gegen die wachsende Zahl jüdischer Siedler und gründeten Vereinigungen wie die "Schwarze Hand", um "die Schnecke des Zionismus zu töten, solange sie noch jung ist". Ein Ausgleich schien ihnen unmöglich: "Wir werden die Zionisten ins Meer werfen, oder sie werden uns in die Wüste zurücktreiben." Diese Einschätzung teilte im Grundsatz die jüdische Seite: "Ich weiß wirklich nicht, welcher Araber mit einem jüdischen Palästina einverstanden sein sollte. Wir als Nation wollen, dass dieses Land unser ist, die Araber als Nation wollen, dass es ihnen gehört", schrieb Ben Gurion 1919.

Zickzackkurs der Briten

Nur die Briten glaubten an einen Ausgleich und steuerten einen Zickzackkurs. Einerseits beschränkten sie immer wieder die Zahl der Einwanderer, andererseits erkannten sie die "Jewish Agency" als offizielle Körperschaft der Juden in Palästina an. Winston Churchill, damals Kolonialminister, schrieb: "Wir denken, sie ist gut für die Welt, gut für die Juden, gut für das britische Empire, aber auch gut für die Araber, die in Palästina leben. Sie werden an den Segnungen und dem Fortschritt des Zionismus teilhaben."

Zehn Jahre konnten die Briten das Mandatsgebiet einigermaßen friedlich halten. Doch die Zeit arbeitete für die jüdische Seite. 1931 zählte man bereits 175 000 Einwanderer (und 880 000 Palästinenser). Europäische Modernität und arabische Tradition prallten zusehends aufeinander. Ein europäischer Beobachter schrieb: "Dort bringt der Araber auf Kamel und Esel die Ernte fort. Hier fährt sie der Jude im Lastauto. Beim Fellachen laufen die Hühner im Hof hinter der Mauer. Im jüdischen Land sieht man die Wellblechhühnerställe, wissenschaftlich erprobt. Dort lebt der bunte Hahn, hier die weiße Legerasse. Dort kommt ein winziges Ei heraus, hier das landwirtschaftliche Musterprodukt. Dort ist Allah, und hier ist der Erfolg."

1929 entluden sich die Spannungen in einem allgemeinen Aufruhr. Ausgelöst wurde er von einer jüdischen Demonstration an der Klagemauer in Jerusalem, die für Araber Teil ihres hohen Heiligtums ist, der Al-Aksa-Moschee. Die Revolte gipfelte im Massaker von Hebron. Eine aufgeputschte arabische Menge tötete dort 66 Juden. Der britische Polizeichef der Stadt berichtete: "Ich hörte einen Schrei, stürzte eine Treppe hoch und sah einen Araber, der gerade dabei war, einem Kind mit einem Krummschwert den Kopf abzuschlagen. Er hatte es schon einmal getroffen und wollte gerade zu einem zweiten Hieb ausholen, da sah er mich und dirigierte den Schlag in meine Richtung um. Er stand direkt vor meiner Gewehrmündung. Ich streckte ihn mit einem Schuss in die Leiste nieder."

Bezeichnenderweise wurde dieses Massaker nicht an Siedlern, sondern an den "alten Juden" von Hebron verübt. Sie hatten bis dahin friedlich mit ihren muslimischen Nachbarn zusammengelebt. War der Streit ums Heilige Land bisher ein Konflikt zwischen landhungrigen Einwanderern und einheimischen Bauern gewesen, so gewann er jetzt eine neue Dimension: Die Juden standen gegen die Palästinenser.

Der Großmufti von Jerusalem aus dem Husseini-Clan rief alle "Heiligen Krieger" zur "Erhebung gegen den Feind, der die Ehre des Islams verletzt, Frauen vergewaltigt, Witwen und Säuglinge gemordet hat". Im nördlichen Palästina predigte Izzedin al-Quassam, nach dem heute noch die Quassam-Brigaden der fundamentalistischen Hamas benannt sind, den Dschihad gegen die Eindringlinge. Den absoluten Anspruch der Juden auf das Gelobte Land konterten die islamischen Geistlichen Anfang der 30er Jahre, indem sie Palästina zum "Wagf" erklärten, zum Heiligen Land für alle Muslime: "Die Veräußerung dieses islamischen Bodens an einen ausländischen Nicht-Moslem ist null und nichtig und ein Verrat an Gott und seinem Propheten." Der Graben war unüberbrückbar geworden.

Flucht nach Palästina

Das dämmerte auch den Briten. Aufgeschreckt von der beginnenden Judenverfolgung vor allem in Deutschland, entschieden sie, jede Beschränkung der jüdischen Einwanderung aufzuheben. 1936 kam es daraufhin zum Aufstand der Araber. Er richtete sich gegen Juden und Briten, weil sie zur Schutzmacht der Eindringlinge geworden waren. Es gab blutige Zusammenstöße und einen monatelangen Generalstreik.

Großbritannien reagierte wie üblich: Man setzte eine Untersuchungskommission ein. Geleitet von Lord Peel, bewies sie bemerkenswerte Klarsicht: "Ungefähr eine Million Araber stehen in offenem oder latentem Kampf mit 400 000 Juden. Ihr kulturelles und soziales Leben, ihre Denkweise und Lebensführung sind ebenso unvereinbar wie ihre nationalen Bestrebungen." Daher schlug Peel 1937 erstmals eine Teilung vor. Den Juden war ein Ministaat an der Küste zwischen Tel Aviv, Haifa und dem See Genezareth zugedacht, etwa ein Fünftel Palästinas. Der Rest sollte an die Araber fallen.

Nach einigem Zögern stimmte David Ben Gurion zu: "Die Juden würden Narren sein, wenn sie nicht zustimmten, auch wenn das ihnen zugedachte Land nur die Größe eines Tischtuchs hätte. Ein jüdischer Staat in einem Teil von Palästina ist nicht das Ende, sondern erst ein Anfang." Doch die Araber lehnten ab. Sie sahen keinen Grund, auch nur eine Handbreit Boden aufzugeben, und fürchteten, dass Ben Gurion nur den Fuß in die Tür bringen wollte, um später ein größeres Israel zu schaffen. Der Aufstand flammte wieder auf. Araber besetzten vorübergehend zahlreiche Dörfer und Städte, für ein paar Tage sogar Jerusalem. Die Briten gingen mit großer Härte gegen sie vor. Sie sprengten die Häuser von Rebellen in die Luft und zerstörten ihre Zitruspflanzungen. Mehr als 100 Araber wurden gehängt. Um Sabotage an Zügen zu vermeiden, fesselten sie Aufständische und ihre Verwandten vor Lokomotiven. Im Frühjahr 1939 brach der arabische Aufstand zusammen. Er hatte an die 6000 Tote gefordert. Seine Anführer wurden eingesperrt oder flohen ins Ausland. Die Sache der Palästinenser schien am Ende. Da machte die britische Regierung erneut eine politische Kehrtwendung.

In Europa drohte ein Weltkrieg. Wieder einmal konnte Großbritannien es sich nicht leisten, die Araber zu vergrätzen. Denn ohne das Öl aus dem Nahen Osten war kein Krieg zu gewinnen. "Die Araber zählten plötzlich wieder strategisch und wirtschaftlich viel mehr als die jüdischen Siedler", so der Historiker Beeny Morris. Ein neues Weißbuch der Regierung in London schockierte die Juden. Obwohl ihre Glaubensgenossen von den Nazis verfolgt wurden, sollten in den nächsten zehn Jahren nur 75 000 Juden ins Land dürfen, danach nur so viele, wie die Araber bewilligten, praktisch also keiner mehr.

Bedrohung durch die Nazis

"Die Regierung Seiner Majestät ist der Überzeugung, dass die Balfour-Erklärung nicht beabsichtigt haben könnte, Palästina gegen den Willen der arabischen Bevölkerung des Landes in einen jüdischen Staat zu verwandeln", lautete ein Kernsatz des Weißbuchs. Die Juden gelobten, gegen diese Pläne mit allen Mitteln zu kämpfen. Da griff Hitler Polen an. Der Zweite Weltkrieg hatte begonnen. Die Araber hofften, die britischen Besatzer würden von Hitler-Deutschland besiegt. Auch die Juden sahen die Engländer als Hindernis auf dem Weg zum eigenen Staat. Doch die Bedrohung ihres Volks durch die Nazis war ihnen noch stärker bewusst. Deshalb gab Ben Gurion die Losung für die kommenden sechs Jahre aus: "Die Juden werden in diesem Krieg mit Großbritannien kämpfen, als gäbe es das Weißbuch nicht. Und gegen das Weißbuch kämpfen, als gäbe es keinen Krieg."

Teja Fiedler / print
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.