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TV-Kritik

"Hart aber fair": Der VW-Chef und der Auto-Narr: mit dem E-Spaßmobil durch die Klimakrise

Klima-Emotionen statt Klima-Fakten bei "Hart aber fair": Ohne Fahrspaß geht im Autoland Deutschland selbst in der größten Klimakrise nichts. Da wartet noch viel Arbeit auf die "Fridays for Future"-Aktivisten.

Herbert Diess, Ulf Poschardt, Svenja Schulze, Markus Lanz, Luisa Neubauer und Moderator Frank Plasberg bei "Hart aber fair"

Herbert Diess, Ulf Poschardt, Svenja Schulze, Markus Lanz, Luisa Neubauer und Moderator Frank Plasberg bei "Hart aber fair" (v. l. n. r.)

Wenn die aufgeheizte Debatte über den Klimawandel wirklich etwas nötig hat, dann ist es sicherlich Sachkenntnis. Umso bemerkenswerter, dass Frank Plasberg glaubt, eine Talk-Runde über das Klima-Thema "Die Erde schwitzt. Das Eis schmilzt: Wie radikal müssen wir uns ändern?" ohne einen einzigen Menschen vom Klima-Fach wäre eine gute Idee. Bemängelt hat das nur die Klima-Aktivistin. Eine Erklärung für das merkwürdige Konzept lieferte die "Hart aber fair"-Ausgabe am Montagabend dann aber selbst: Es ging nicht um die Sache, sondern um Emotionalität - und zwar vor allem beim Autofahren in schwierigen Zeiten. Denn Spaß muss schließlich sein - auch im Klimawandel. 

Zur emotionalen "Hart aber fair"-Runde gehörten:

  • Luisa Neubauer ("Fridays for Future"-Klima-Aktivistin; Bündnis 90/Die Grünen) schützt das Klima, indem sie sich "fast komplett" vegan ernährt, hat kein Auto, nutzt öffentliche Verkehrsmittel und fliegt "mittlerweile sehr sehr selten".
  • Svenja Schulze (Bundesumweltministerin; SPD) fährt viel mit dem Fahrrad, isst kein Fleisch und benutzt die Bahn, "wann immer es geht".
  • Ulf Poschardt (Chefredakteur "Die Welt") investiert "in schöne Sachen, die man nie wegschmeißen muss", weil er glaubt, "das Schönheit etwas ist, was nachhaltig ist", und fliegt extrem wenig, weil er fliegen hasst, meidet Reisen, wann immer es geht, ist "Biomarkt-Addict" und plädiert für bewussten Konsum, glaubt aber nicht, damit die Welt retten zu können.
  • Herbert Diess (Vorstandsvorsitzender von VW) glaubt, dass es die großen Dinge sind, die man ändern muss und hat sich vorgenommen, in diesem Jahr seinen horrenden CO2-Fußabdruck um 20 Prozent zu vermindern.
  • Markus Lanz (Talkmaster und Naturdoku-Filmer) versucht "ein bisschen was zu machen", will sich aber "nicht als Missionar aufspielen, der perfekter Klimaschützer ist - überhaupt nicht". Für die großen strukturellen Veränderungen brauche es Leute wie Herbert Diess.

Wie lief die Diskussion?

Und was konnte uns diese Runde vermitteln? In erster Linie, dass die Klimaproteste der Schüler- und Studentengeneration ganz offensichtich wirklich nötig sind. Im wesentlichen beschränkt sich die Botschaft der "Fridays for Future"-Aktivisten ja auf eine einfache Botschaft: "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut"; anders ausgedrückt: Die Zeit läuft ab, wir müssen jetzt mit dem Klimaschutz zu Potte kommen. Mit Betonung auf "jetzt". Ein Klimaforscher hätte sicher Auskunft geben können, wie viel Zeit und wie viel CO2-Budget noch bleibt, ehe die Auswirkungen des Klimawandels unkontrollierbar werden. Doch so wurden bei Plasberg munter weiter Luftschlösser gebaut.

Da gebe es doch die tollen deutschen Ingenieure, konstatierte Lanz, die könnten doch was erfinden, "dass wir so fliegen, dass wir das Klima nicht versauen" - "irgendwann". VW-Chef Diess hatte enormen Raum, gut gelaunt sich selbst und den durch Abgas-Tricksereien übel aufgefallenen Autobauer dank des Baus von E-Autos plötzlich zum obersten Klimaschützer hochzujubeln. Man würde sich nicht wundern, würde die VW-Konkurrenz bei Plasberg vorstellig, um sich bei Gelegenheit ähnlich ausführlich darstellen zu können. Die Bundesumweltministerin rief 2019 gar zum Jahr aus, in dem die Regierung den Klimawandel stoppen werde - eine Ankündigung, an der sie gemessen werden dürfte. Und "Welt"-Journalist Poschardt erging sich in Auto-Romantik und wollte es allen Ernstes als nachhaltig verkaufen, dass er einen alten Porsche mit vergleichsweise geringem Verbrauche gefahren habe. Der habe eine gute Öko-Bilanz, da man ihn nicht wegwerfe. Süffisante Nachfrage Plasbergs, was der Wagen denn "so geschluckt" habe. Antwort Poschardt: "Keine Ahnung."

Der Streit-Dialog

Kein Wunder, dass es vor allem der "Welt"-Journalist war, der ein ums andere Mal mit Klima-Aktivistin Luisa Neubauer aneinander geriet. Die hatte beispielsweise wenig Verständnis dafür, dass man auch noch auf besondere Befindlichkeit von Auto-Fans Rücksicht nehmen müsse.
Neubauer: "Also Entschuldigung, aber wenn man Ihnen zuhört, Herr Poschardt, meint man, dass Sie überhaupt kein Verständnis dafür haben, was eine Klima-Krise ist ..."
"Erklären Sie es mir doch!" wirft Poschardt ein.
Neubauer: "Natürlich geht es um CO2-Reduzierung. (...) Offensichtlich ist, dass wir ein CO2-Budget haben, das gibt uns ganz klare Grenzen, was wir machen können. (...) Und innerhalb dieses Budgets heißt es jetzt, kreativ zu werden, Gestaltungsraum zu nutzen, und das Beste daraus zu machen. Wenn Sie jetzt erzählen wollen, das ginge nicht gut, weil man das Auto nicht emotionalisiert hätte, weil die Seele fehlt, dann muss ich Ihnen sagen: 'Sorry, dafür haben wir wirklich keine Zeit mehr.'"
Poschardt darauf: "Ja, aber das entscheiden Sie nicht am Ende, außer Sie haben ne Diktatur, in der Sie den Leuten erzählen, welche Kriterien entscheidend sind." 

 

Nur eine von mehreren Szenen, die illustrierten, warum die Haltung der fürs Klima demonstrierenden Jugendlichen so unnachgiebig, für manchen panikmachend ist. Sie haben berechtigte Zweifel daran, dass die Dringlichkeit des Klima-Problems schon überall verstanden wurde. Daher reichen Neubauer und Co. auch keine Versprechungen mehr. Regierung und auch Autobauer werden sich erst dann wieder Vertrauen erwerben, wenn sie "geliefert" haben. Wenn eine Bundesregierung über Jahrzehnte Pläne schmiedet, die sie nicht verwirkliche, "dann reicht es nicht, wenn sie sagt, wir machen doch. Dann muss sie es beweisen, auch, dass wir in diesem Land internationale Abkommen einhalten können", so Neubauer bei Plasberg.

Fazit

Nach dieser "Hart aber fair"-Sendung ist klar: Über Klimaschutz zu reden, heißt im Autoland Deutschland in aller erster Linie immer noch darüber zu sprechen, wie man auch künftig trotz allem noch Auto fahren kann. Dennoch haben die "Fridays for Future"-Demonstrationen schon einiges bewirkt. "Die jungen Leute bringen eine neue Qualität in die Diskussion, weil sie fragen: 'Macht ihr das richtig?'", stellt ausgerechnet VW-Chef Diess fest. "Da haben sie alles Recht, uns auch anzuzählen."

Eckart von Hirschhausen trifft die "Fridays for Future"-Aktivisten und Klimaforscher Mojib Latif.
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(