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Testspiel: Grünes Licht für Ballack

Die Fußball-Fans können aufatmen: Michael Ballacks Verletzung ist doch nicht so schlimm wie erwartet - er kann gegen Luxemburg spielen. Klinsmann vergab derweil schon fünf Stammplätze für das Eröffnungsspiel.

Das traditionelle Freiburger Warmschießen vor einem großen Turnier kann mit Michael Ballack stattfinden. Jürgen Klinsmann gab am Freitag grünes Licht, der angeschlagene DFB-Kapitän kann schon am (morgigen) Samstag gegen Luxemburg wieder auflaufen. "Wir gehen davon aus, dass er von Anfang an spielt", erklärte der Bundestrainer am Freitag im WM-Trainingscamp in Genf und sorgte damit bei den Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für ein kräftiges Aufatmen. Die Sprunggelenks-Verletzung, die sich Ballack am Vortag beim 12:0- Test gegen die A-Jugend von Servette Genf zugezogen hatte, stellte sich nach Klinsmanns Angaben als harmlos heraus: "Es ist alles nicht so schlimm, kein Grund zur Sorge."

Warmschießen in Freiburg

Schon am Freitag sollte der wichtigste deutsche WM-Spieler beim Abschlusstraining im "Stade de Geneve" das komplette Programm mit absolvieren und dabei Lust bekommen auf eine ähnliche Tore-Jagd wie vor zwei Jahren, als im Freiburger Stadion beim EM-Test Malta mit 7:0 abgefertigt worden war - und Ballack gleich vier Mal traf! Vor der WM 2002 schoss sich Deutschland in Freiburg ebenfalls mit einem 7:0 gegen Kuwait auf das Turnier in Asien ein. Und auch dieses Mal erwartet Klinsmann im Schwarzwald von seinem Personal das Bemühen, "ein paar Tore vorzulegen". Die Trainings-Belastung in der Schweiz hat die sportliche Leitung dafür extra gedrosselt, um gegen Sparringspartner Luxemburg eine ausgeruhte Mannschaft ins Rennen um Treffer und die Gunst des Publikums schicken zu können.

Klinsmann weiß genau, dass es in den drei letzten WM-Proben am Samstag gegen Fußball-Zwerg Luxemburg (17.00 Uhr/ZDF), drei Tage später in Leverkusen gegen WM-Teilnehmer Japan und am Freitag in Mönchengladbach gegen Kolumbien auch um eine positive Stimmung im WM- Land geht, von der die junge deutsche Mannschaft während des Turniers profitieren soll. "Die Spieler müssen mit engagiertem Auftreten zeigen, dass sie gewinnen wollen. Sie haben einfach eine Verpflichtung gegenüber dem Publikum", erklärte der Bundestrainer.

Fünf Startplätze für Eröffnungsspiel vergeben

Das Stadion in Freiburg ist ausverkauft, in den Wohnzimmern und Sportkneipen erwarten die Fans hoffnungsvolle Zeichen 13 Tage vor dem Ernstfall gegen Costa Rica. "In Deutschland wächst jetzt die Erwartung", unterstrich DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der erstmals nach seiner Herz-Operation in Genf wieder zum Team stieß.

Genau zwei Wochen vor dem WM-Eröffnungsspiel am 9. Juni in München hat Klinsmann die ersten fünf Startplätze namentlich vergeben: Neben Ballack werden Torsten Frings, Bernd Schneider, Miroslav Klose und Jens Lehmann als Torwart Nummer 1 gegen Costa Rica auflaufen, falls sie gesund bleiben. "Das Gerüst steht", verriet der 41-Jährige. Auch ein Platz in der Innenverteidigung ist bereits fest verplant. Obwohl Klinsmann den Namen am Freitag noch nicht lüftete ("Das verrate ich nicht"), deutet alles auf den Hannoveraner Per Mertesacker hin.

Metzelder scheint Wunschkandidat zu sein

Sein zweiter Wunschspieler für die zentrale Abwehr scheint Christoph Metzelder zu sein, der sich nach Muskelfaserriss beim Test gegen die Genfer Junioren mit einer guten Leistung zurückgemeldet hatte. "Er ist wieder höchst belastbar", bestätigte Klinsmann, dass Metzelder körperlich seine Rückstände aufgeholt hat. "Er ist ein Spieler, der durch seine Ausstrahlung und Kommunikationsfähigkeit eine wichtige Rolle spielen kann", lobte der Bundestrainer den Dortmunder. Für die rechte Verteidiger-Position hat Klinsmann neben dem einzigen nominierten Spezialisten Arne Friedrich auch Frings und Schneider als Notlösung auf dem Zettel: "Beide wissen Bescheid."

Alle WM-Karten will Klinsmann gegen die Luxemburger wie auch in den folgenden zwei Vorbereitungs-Länderspielen noch nicht aufdecken. "Für uns sind das drei Experimentierspiele", kündigte der Wahl- Amerikaner an. Schon in Freiburg sollen insgesamt 17 Spieler aus seinem Kader eine Chance erhalten, mehr dürfen nicht eingesetzt werden. "Die nicht zum Zug kommen, werden auf einem Nebenplatz trainieren", ergänzte der Bundestrainer.

Borowski "nicht der back-up von Ballack"

"Ich hoffe, dass man in den Testspielen Zeichen setzen kann", bemerkte Tim Borowski, der sich vor allem mit Bastian Schweinsteiger um den vermutlich letzten freien WM-Startplatz im Mittelfeld streitet. Klinsmann räumte dem Bremer, der nach einer Grippe wieder voll angreifen kann, gute Aussichten ein: "Er ist nicht der back-up von Michael Ballack, er kann genauso neben ihm spielen."

Erst sechs Stunden vor dem Anpfiff wird der DFB-Tross am (morgigen) Samstag um 11.15 Uhr aus Genf los fliegen und in Freiburg ein Tageshotel beziehen. "Ich erwarte, dass sich die Mannschaft alle Mühe gibt und Schritt für Schritt besser in Fahrt kommt", sagte Klinsmann zu seinen Ansprüchen an den Kurz-Trip, bei dem Jens Nowotny nach zwei Jahren sein Comeback in der DFB-Elf feiern und Frings sein 50. Länderspiel bestreiten kann.

Gleich nach Abpfiff geht es nach Genf zurück. Für Mayer-Vorfelder könnte die WM-Mission schon mit dem Viertelfinal-Einzug ein Erfolg werden, falls das deutsche Team gut spielt. "Das Schönste aber wäre", sagte "MV" und schlug Klinsmann bei der Pressekonferenz am Freitag kräftig auf den Arm, "sein Wort wird Wirklichkeit." Dann könnte der 73-jährige DFB-Chef mit dem WM-Titel in den Ruhestand gehen.

Jens Mende und Klaus Bergmann/DPA / DPA

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