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20. Dezember 2007, 12:37 Uhr

Der Krieg der Kleinwagen

Seit Jahrzehnten schauen die ausländischen Autobauer mit Neid auf die deutschen. Ebenso lang versuchen die südländischen Hersteller in der Premiumklasse Fuß zu fassen - ohne Erfolg. Jetzt soll die EU helfen, die Deutschen aus dem Markt zu drängen. Von Stefan Grundhoff

Das Premiumsegment: Von den Kunden erwünscht, von der EU verfemt© Hersteller

Die EU-Kommission legte einen heiß diskutierten Gesetzentwurf vor, der den Kohlendioxidgrenzwert für Neufahrzeuge ab dem Jahre 2012 festlegt. Werden die Grenzwerte überschritten, sind saftige Strafen fällig. So soll der Schadstoffausstoß von Neuwagen pro Kilometer auf 120 Gramm pro Kilometer senken. Autohersteller, die die 120 Gramm Durchschnittswert für ihre Modellpalette verfehlen, werden gestaffelt zur Kasse gebeten. Im Jahre 2012 fällt zunächst eine Strafsteuer von 20 Euro für jedes Gramm oberhalb des Grenzwertes an - multipliziert mit der Zahl der verkauften Fahrzeuge. In den nächsten Jahren bis 2015 steigt die Strafsteuer auf 95 Euro pro Gramm.

Dass es dabei um die Umwelt geht, verneint selbst der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel: "Es geht aber nicht, dass an 50 Prozent der französischen Fahrzeuge überhaupt nichts gemacht werden müsse, während in Deutschland 98 Prozent betroffen seien." Vielmehr sollen die Hersteller von kleinen Autos wie Fiat, Peugeot und Citroen von Seiten der EU einen Wettbewerbsvorteil zugeschustert bekommen. Angela Merkel ist angesichts der jüngsten Vorschläge "not amused" und der deutsche EU-Kommissar Günther Verheugen verweigerte gestern aus Protest sogar die Teilnahme an einer Pressekonferenz von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas. Der hatte erklärt: "Alle Hersteller müssen ihre Emissionen verringern, Hersteller großer Fahrzeuge müssen mehr tun." Die deutsche Politik tobt oder schüttelt verständnislos den Kopf.

Einseitig zu Lasten der Deutschen

Wieder geht es um das Thema CO2, eine Bezeichnung, die vor etwas mehr als einem Jahr kaum jemand beachtete. Doch Feinstaub, Kohlendioxid und die Autoabgase im Allgemeinen sind mittlerweile in aller Munde. Jede Woche wird eine andere "Umweltsau" durchs Dorf getrieben. Dabei sind die Erfolge der deutschen Autobauer in den Premiumsegmenten vielen schon seit Jahren ein Dorn im Auge. "Es ist richtig, dass es Auflagen gibt, die dazu führen, dass wir in die Zukunft mehr Treibstoff sparen", so Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen, "man muss aber schauen, dass die deutsche Autoindustrie nicht zu stark beeinträchtigt wird."

Dabei kann man den deutschen Autobauern kaum mehr unterstellen, dass sie in den letzten Jahren untätig gewesen wären. Zwar hatte man sich jahrelang weitgehend auf PS-starke Modelle kapriziert. Doch genau die sind es, die im In- und Ausland besonders gefragt sind. Erst nachdem man den Hybridtrend verschlafen hatte, gingen bei vielen Herstellern die Alarmglocken an. Mit Hochdruck wird bei Herstellern wie Mercedes, Opel, Ford oder Audi derzeit an Lösungen für einen niedrigeren Schadstoffausstoß gearbeitet. BMW hat als einer der ersten bereits reagiert und Teile seine Produktpalette mit regenerativen Bremsensystemen und weiten Energiesparkomponenten ausgestattet. Ferdinand Dudenhöffer: "Wir sollten heute die Hebel umlegen – BMW zum Beispiel geht mit seinen Programmen zur Effizienzsteigerung schon diesen Weg. Je schneller wir umdenken, desto erfolgreicher werden wir in den Märkten von morgen sein. Wenn sich Verbände und Politik früher um Europa gekümmert hätten, wären wir jetzt schon weiter - man hätte früher die europäische Karte spielen sollen, anstatt sich hinter klein karierten nationalen Lösungen wie der Kfz-Steuer zu verstecken."

Zukunft nur für Kleinwagen

In den unterschiedlichen Steuersystemen liegt ebenso wie in den verschiedenen Märkten das Hauptproblem. Hersteller wie Fiat, Peugeot, Renault oder Citroen versuchen es seit Jahren vergeblich, eigene Premiumfahrzeuge in Luxus- und SUV-Segmente zu pressen – ohne Erfolg. So hat man sich mehr gezwungen als gewollt, auf Fahrzeuge der kleineren Klassen spezialisiert. Die schaffen die Grenzwerte ohne große Probleme. Ihre Antriebe müssen somit nicht kostenintensiv weiterentwickelt werden, um noch mehr Schadstoffe einzusparen.

Von Stefan Grundhoff
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
master_of_chaos (20.12.2007, 20:21 Uhr)
böse böse Franzosen..
Ja, da sgeht wirklich nicht, daß dies Franzosen nur mit 50% ihrer Wagen im Trüben fischen, dei Deutschen Automobilbauer mit 85%.
Unfair !!!!!!
Aber das liegt wohl nicht daran, daß die Franzosen bevorzugt werden, sondern einfach keine Hohlköppe in den Führungsetagen sitzen haben, die den Geist der zeit ignorieren oder verpennen.
Also sollte man da den Ball mal ganz flach halten.
FlyingDutchman (20.12.2007, 15:34 Uhr)
Und sie können wenn sie wollen
In Luxemburg bekommen ab Januar Käufer von Autos mit einem CO2 Ausstoss unter 120g/km einen staatlichen Zuschuss. Kinderreiche Familien bekommen den Zuschuss für Autos mit minimal 6 Sitzplätzen auch noch bei maximal 160g Schadstoffausstoss.
Und siehe da; Volkswagen macht in der Kategorie bis 120g massiv ganzseitig Zwitungswerbung für 3 Polo Modelle und für 1 Golf Modell, die die Begrenzungen problemlos einhalten. In der zweiten Kategorie tauchen auch noch 2 Touran 7-Sitzer auf.
Die italienische und französische Konkurerenz hat übrigends bis jetzt in Luxembourg geschlafen.
brainuser (20.12.2007, 15:33 Uhr)
Erstaunlich...
, möchte mal gerne wissen, welche Technologien gebrauchsfertig bei unseren so elitären Industrie-Unternehmen im Keller schlummern, die sehr vernünftigt, aber schlecht für die Renditen sind.
http://www.teslamotors.com/
Mir kann doch niemand erzählen, dass ein Cayenne, Q7 und Co. nicht auch mit anderen, sparsameren Motoren Spaß machen.
RomanTicker (20.12.2007, 15:14 Uhr)
EU hilft den deutschen Autobauern
Mit diesem Vorschlag hilft die EU sogar den deutschen Autobauern. Denn wenn wir ehrlich sind, wird der Ölpreis immer weiter steigen. Auf dem Markt können sich in absehbarer Zeit nur noch Fahrzeuge halten, die sparsam mit dem Kraftstoff umgehen. Schon jetzt jammern viele Autofahrer über die hohen Preise, aber noch fröhnen die meisten dem PS-Wahn und Karossengeprotze. Aber wie sieht es in ein paar Jahren aus, wenn der Ölpreis weiter steigt? Wenn die deutschen Autobauer weiter hauptsächlich auf Leistungssteigerungen setzen, dann werden sie wirklich Schwierigkeiten bekommen, aber nicht aufgrund irgendwelcher Gesetze sondern schlicht und ergreifend, weil die Kunden sparsamere Autos kaufen müssen.
Dabei gibt es durchaus sparsame deutsche Autos von fast allen Herstellern. Die spielen aber derzeit nur eine untergeordnete Rolle. Es ist sehr seltsam, dass in den letzten Jahren trotz der Rohstoffknappheit und der explodierenden Ölpreise gerade schwere Fahrzeuge wie die SUVs (z.B. Porsche Cayenne, VW Touareg, Audi Q7) erfolgreiche Modelle sind. Da zeigt sich doch, dass die Kunden unvernünftig und fehlgeleitet sind. Da könnten die deutschen Autobauer durch Marketing durchaus einiges tun, um ein gutes Image für umweltfreundliche Modelle zu schaffen und verstärkt solche Fahrzeuge anzubieten. Auch bei den sparsamen Modellen kann es ein Premium-Segment geben. Warum sollten sich die deutschen Firmen nicht dort einen Namen machen?
FlyingDutchman (20.12.2007, 15:08 Uhr)
Die vergesslichkeit der Autohersteller
Die Autohersteller sind 1998 eine freiwillige Selbstverpflichtung eingegangen. Nachdem sich herausstellte dass diese Selbstverpflichtung von einigen Herstellern ignoriert wird, hat die Europäische Kommission reagiert.
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Im Jahr 1998 hatte der ACEA versprochen, die durchschnittlichen CO2-Emissionen von Neuwagen von 186 Gramm pro Kilometer auf 140 im Jahr 2008 zu verringern.
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Drei Viertel aller Hersteller erfüllen ihre Emissionsverpflichtungen nicht schnell genug. Am besten schneiden Fiat, Citroën und Renault ab, die ihre Reduktionsvorgaben im Zeitraum 1997 bis 2005 erreicht haben. Als einziger Hersteller liegt Fiat bereits unter der 140-Gramm-Marke. Marken wie Mercedes-Benz, VW und BMW liegen weit hinter den Vorgaben; am schlechtesten schneiden Nissan, Suzuki, Mazda und Audi ab.
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Vielleicht wäre es besser gewesen für Image freiwillige Selbstverpflichtungen nur einzugehen wenn man auch gedenkt sie einzuhalten.
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Ja Audi, Q7, S4 usw. ist alles gut für das kurzfristige Kassemachen. Dass Ihr jetzt aber dadurch in der Öffentlichkeit steht wie einer der seinen Mülleimer aus dem 3. Stock auf die Strasse auslehrt, habt Ihr Euch selbst zuzuschreiben.
staranwalt (20.12.2007, 14:59 Uhr)
Wann gibt es bezahlbare, sparsame und umweltfreundliche...
...Fahrzeuge für jedermann? Ein Großteil der Deutschen sucht einen Gebrauchtwagen (weil er sich keinen Neuwagen leisten kann) der zwischen 5000 und 8000 € kostet. Der sollte in der Golfklasse nicht mehr als 3-4 Liter (in der Stadt) verbrauchen, ev. einen Hybridantrieb haben und nicht älter als 6-8 Jahre sein! Diese Fahrzeuge werden wir 2020 noch nicht bei den Händlern finden wenn nicht bald die Industrie welche produziert. Da sie es bis jetzt nicht für nötig hält, kann ein Druck von Seiten der EU wohl kein Fehler sein! 2,50 € für einen Liter Benzin zahlen wir 2020 auf jeden Fall!
Spocks_Kommentar (20.12.2007, 14:42 Uhr)
Nonsens hoch 3
Glaubt jemand ernsthaft, Ottmar Hitzfeld kauft sich als nächstes einen Fiat 500, weil sein Maybach jetzt 1300 Euro mehr kostet? Oder Herr Hundt oder Herr Mehdorn kaufen demnächst einen Citroen C3?
Sollte "ich kann nicht deutsch"-Gloß das wirklich glauben, gehört er überall hin, nur nicht ins Ministerium.
Aber vielleicht gehört das ja einfach nicht zur Ausbildung eines Müllers.....
KamilJan (20.12.2007, 14:30 Uhr)
Politiker
...mich würde mal interessieren wer sich so einen Blödsinn eigentlich immer ausdenkt? Politiker, also meistens studierte Anwälte, Wirtschaftswissenschaftler oder Sonstwas das keine Ahnung von Technik hat beschließt jetzt einfach dass der CO2 Ausstoß gesenk werden soll. 120g das entspricht 5 Liter Benzin oder 4,5 Liter Diesel. Und das soll das Durchschnittsauto also in 4 Jahren verbrauchen. Selbst mit Tricks schafft das heute kaum ein VW Polo geschweige denn die Golf Klasse. Wenn die da oben mal etwas Nachdenken würden, und das ganze mit realistischen Werten angehen würden, wären solche sachen Ratz Fatz durchgesetzt und es würde keine Unnötigen Diskussionen geben!
mister-mister (20.12.2007, 14:22 Uhr)
Es ist ja soooo einfach.......
Wie sagt einer meine Vorredner so cool: "....gehört weg vom Fenster, Arbeitsplätze hin oder her...." Na klar - es geht ja nur mal eben um die deutsche Automobilindustrie und ein paar Tausend Zulieferer samt allen daranhängenden Jobs. Zu so einem Schwachsinn fällt einem dann wirklich nur noch ein "Herr-schmeiss Hirn vom Himmel..." Dürfte aber zu spät sein.
Aber bis 2015 ists ja noch eine Weile hin und ich denke, dass bis dahin eine Vernunftlösung erreicht wird, mit der alle Beteiligten leben können.
Ganz klar dass etwas geschehen muss - aber man sollte doch mit Augenmass an so ein brisantes Thema herangehen; am Ende wird doch nichts so heiss gegessen wie gekocht.
Abgesehen davon, dass bei vielen Leuten einer bestimmten Gehaltsklasse der Mehrpreis eines leistungsstarken Fahrzeugs wohl nicht abschreckend, sondern leider eher "imagefördernd" sein dürfte.
Hier gehts um WIrtschaftspolitik und nichts anderes. Das Hauptthema - unser Klima - werden wir auf diese Weise nicht retten. Wäre dann jedenfalls eine der ersten Aktionen, die die Brüsseler Laber- und Lobbyvertretung auf die Reihe bekommt............
H.P. (20.12.2007, 14:21 Uhr)
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