. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
29. März 2010, 15:13 Uhr

Die blutige Spur führt in den Nordkaukasus

Die Sprengsätze explodierten mitten im Berufsverkehr: In der Moskauer U-Bahn haben zwei Anschläge Dutzende Todesopfer gefordert. Die Behörden vermuten Extremisten aus dem Nordkaukasus dahinter.

Moskau, Russland, Anschlag, Zug, Bahn, U-Bahn, Bombe, Explosionen, Metro

Einsatzkräfte vor der U-Bahn-Station Ljubjanka. Der Bahnhof liegt neben dem Hauptquartier des russischen Geheimdienstes FSB© Alexander Natruskin/Reuters

Bei zwei Sprengstoffanschlägen in der Moskauer Metro sind am Montagmorgen mindestens 37 Menschen getötet worden, die Angaben über Verletzte schwanken zwischen 35 und 70. Die Sprengsätze explodierten im morgendlichen Berufsverkehr im Abstand von rund 45 Minuten an zwei verschiedenen Metro-Stationen, wie die Behörden mitteilten. Bei den Tätern habe es sich um Frauen gehandelt, sagte Moskaus Bürgermeisters Juri Luschkow. Die eine soll 18, die andere 20 Jahre alt gewesen sein.

Die erste Selbstmordattentäterin sprengte sich nach offiziellen Angaben um 7.56 Uhr Ortszeit (5.56 Uhr MESZ) am Bahnhof Lubjanka in einem voll besetzten Zug die Luft. Dabei sollen mindestens 23 Menschen getötet worden sein. Über dem Bahnhof liegt das Hauptquartier des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Der zweite Anschlag ereignete sich am Bahnhof Park Kulturi. Hier wurden mindestens 14 Menschen getötet. Die Selbstmordattentäterinnen hätten die Bomben bei sich getragen, sagte der Moskauer Staatsanwalt Juri Semin nach Angaben der Agentur Interfax. Es werde geprüft, ob sie über ein Mobiltelefon gezündet wurden.

Sicherheitskräfte entdeckten später eine weitere scharfe Sprengladung an der Haltestelle Park Kultury. Ein nicht detonierter Sprengstoffgürtel sei entschärft worden, meldete die Staatsagentur Ria Nowosti.

"So leben wir!"

Passagiere rannten nach den Explosionen weinend aus den Bahnhöfen auf die Straßen. "So leben wir!", rief ein aufgelöster Mann immer wieder. Die Polizei rief die Bevölkerung in der 10-Millionen-Metropole zur größten Wachsamkeit auf.

Die Anschläge sorgten für ein Verkehrschaos in der russischen Hauptstadt. Die Moskauer U-Bahn wird täglich von fast neun Millionen Menschen genutzt. Rettungsfahrzeuge versuchten, sich einen Weg durch die verstopften Straßen zu bahnen. Hubschrauber kreisten über den betroffenen Stationen.

Es waren die ersten Anschläge in der Moskauer Metro seit sechs Jahren. 2004 sprengte sich ein Untergrundkämpfer aus der Unruheregion im Nordkaukasus in der U-Bahn in die Luft und riss 40 Fahrgäste mit in den Tod.

"Der Krieg kommt in ihre Städte"

Bislang bekannte sich niemand zu den Attentaten. Der FSB machte islamistische Untergrundkämpfer aus der Konfliktregion Nordkaukasus verantwortlich. Ihre Handschrift sei klar erkennbar, hieß es. Nach Ansicht des US-Unternehmens IntelCenter, das auf die Beobachtung islamistischer Webseiten spezialisiert ist, deutet vieles darauf hin, dass die Gruppierung Kaukasus-Emirat des Tschetschenen Doku Umarow hinter dem Doppelanschlag steckt. Der Rebellenchef will im Nordkaukasus einen islamischen Staat errichten.

Umarow steckt nach eigenen Angaben auch hinter dem Anschlag auf einen Zug von Moskau nach Sankt Petersburg, bei dem vergangenen November 28 Menschen getötet wurden. Im Februar hatte er angedroht, die "Zone militärischer Operationen" werde auf das russische Territorium ausgeweitet. "Der Krieg kommt in ihre Städte." Regierungschef Wladimir Putin drohte den mutmaßlichen Hintermännern: Die "Terroristen" würden "gefangen und vernichtet" werden.

Sicherheitsmaßnahmen verschärft

Der russische Präsident Dmitri Medwedew ordnete nach den blutigen Anschlägen verschärfte Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land an. Auf allen Transportstrecken und auf den Flughäfen der russischen Hauptstadt wurden die Einsatzkräfte am Montag in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Zugleich kündigte der Präsident die Fortsetzung des harten Anti-Terror-Kurses an. "Wir werden unsere Operationen gegen die Terroristen ohne Kompromisse und bis zum Ende führen", sagte er nach Angaben der Agentur Interfax. Medwedew hielt eine Schweigeminute ab, die vom Staatsfernsehen übertragen wurde.

Medwedew forderte, die Wachsamkeit überall im Land zu erhöhen. Offenbar seien die bisherigen Vorkehrungen unzureichend gewesen, sagte der Kremlchef weiter. In der Vergangenheit hatte die russische Staatsführung Terroranschläge im Land immer wieder als Begründung für eine härtere Politik herangezogen.    

Der russische Präsident wies den FSB und die übrigen Sicherheitskräfte an, keine Destabilisierung im Land zuzulassen. Die jüngsten Terrorakte seien genauestens geplant gewesen, um die Situation im Land und in der Gesellschaft aus dem Lot zu bringen. Medwedew hatte nach der Vielzahl von Terroranschlägen in Russland in letzter Zeit immer wieder eine rigorose Jagd auf die Banditen gefordert, wie die Extremisten im offiziellen Sprachgebrauch heißen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte das Attentat. "Diese Anschläge in Moskau sind verabscheuungswürdig und durch nichts zu rechtfertigen", sagte der Minister. Deutsche waren nach seinen Angaben nicht unter den Opfern.

Terror in der Moskauer Metro Schon in der Vergangenheit gab es mehrere Attentate auf die U-Bahn in Moskau. Eine Chronik:

11. Juni 1996: Auf einer viel befahrenen Linie explodiert zwischen den Stationen Tulskaja und Nagatinskaja unter einem Sitz eine Bombe. Vier Menschen sterben, zwölf weitere Fahrgäste werden verletzt.

1. Januar 1998: In einem Zugang zur U-Bahn-Station Tretyakowskaja explodiert ein Sprengsatz. Drei Menschen werden verletzt.



5. Februar 2001: In der U-Bahn-Station Belorusskaja explodiert eine unter einer Bank versteckte Bombe. 15 Menschen werden verletzt.



6. Februar 2004: Bei einem Selbstmordanschlag auf einen U-Bahn-Zug werden etwa 40 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Der Attentäter stammt aus dem Nordkaukasus. Er zündet seinen Sprengsatz im morgendlichen Berufsverkehr zwischen den Stationen Awtosawodskaja und Paweletskaja.



31. August 2004: Eine Selbstmordattentäterin sprengt sich vor der U-Bahn-Station Rischskaja in die Luft und reißt zehn Menschen mit in den Tod. Zu dem Anschlag bekennt sich eine islamistische Gruppierung, die die Rebellen in Tschetschenien unterstützt.

DPA/AFP/APN/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Administrator (29.03.2010, 12:06 Uhr)
Liebe User,
wir schließen die Debatte, da eine sachliche Diskussion an dieser Stelle offensichtlich nicht möglich ist.

Mit freundlichen Grüßen, Ihre stern.de-Admins
Plancklala (29.03.2010, 11:52 Uhr)
Eine schändliche Tat auf jeden Fall... ... aber [...] wohl teilweise auch provoziert.
Du hast doch einen Schaden. So ein willkürlicher Massenmord hat nicht mal etwas mit irgendeinem Konlfikt zu tun. Hirntod bleibt Hirntod (oder weshalb hat man kein Problem sich in die Luft zu sprengen?!). Ob mit oder ohne Konflikt.

Der Neonazi aus der linken Mitte spricht: "Wer Gewalt sät erntet diese dementsprechend.Mein Mitleid begrenze ich auf wirklich rechtlose Menschen irgendwo in Afrika, die elendig verrecken."
Wie jetze, so ein in die Luft gesprengt werden ist rechtsvoll?! Trottel. Das mit dem "Willkommen im 21. Jhd." ist eine begrüßung von einer Person, deren Stereotyp in ihm beherrschend ist.

Stern.de Admins: Macht doch mal diese Diskussion zu. Ist doch echt nur Leichfledderei. DIe idiotie der Leserschaft kann man auch an anderen Stellen zeigen; an denen sie nicht über irgendwelche Toten herziehen mit ihren KGB, CIA und "legitimer" Massenmord geschichten.
ruebesamen (29.03.2010, 11:34 Uhr)
Sinnlos
Meine Familie ist gerade in Moskau bei Verwandten zu Besuch. Wären diese drei über alles geliebten Menschen gestorben, dann wären keine drei über alles geliebten Menschen aus Tschetschenien wieder zum Leben erweckt worden. Es wären nur insgesamt 6 über alles geliebte Menschen, die dann unwideruflich und vollkommen sinnlos gestorben sind.
det_lef (29.03.2010, 11:28 Uhr)
Wer Gewalt sät
erntet diese dementsprechend.Mein Mitleid begrenze ich auf wirklich rechtlose Menschen irgendwo in Afrika, die elendig verrecken.Das sind die kapitalistschen Spielregeln, wovon die empörten Moralisten, die sonst immer mit der Gutmensch-Keule kommen, nichts wissen möchten.
Willkommen im 21.Jh!
Skorpid (29.03.2010, 11:24 Uhr)
Eine schändliche Tat auf jeden Fall...
... aber durch den Tschetschenienkonflikt wohl teilweise auch provoziert. Der Bezug zu den Islamisten kommt wohl, wie im Bericht geschrieben, durch die "Handschrift" des Anschlags, da Islamisten sich gerne selber in die Luft sprengen, andere Terrorgruppen legen Bomben, Giftgas, etc.

Die Vermutung, das der Geheimdienst dahintersteckt ist wohl großer Quark, warum sollte der Kremel/das Pentagon sowas machen? Ergibt keinen Sinn. Was haben die davon? Die Russen können in Tschetschenien doch eh machen was sie wollen und den Rest der Welt itneressiert es recht wenig (solange das Öl läuft). Als Terrorist hätte ich wohl eher was gegen die Pipelines gemacht, da hät ich sogar weiterleben dürfen...

Über den Islam generell zu schimpfen ist ebenso falsch wie die fanatischen Islamisten zu verharmlosen.
Vom Grunde her ist der Islam eine genauso friedliche Religion wie das Christentum nur leben diese fanatischen Anhänger eben noch im Mittelalter und benehmen sich wie die Christen im Mittelalter.
Jeglichen Krieg und jede Gewalt allerdings immer in Bezug zur Religion zu setzen ist allerdings Quatsch, es sind immer Menschen und ihre persönlichen Ziele die dahinter stecken. Nur manchmal eben religiös motiviert.
Administrator (29.03.2010, 11:21 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare und Antworten darauf löschen müssen. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
Hirnfreund (29.03.2010, 11:09 Uhr)
Tja ...
Tja ... das kommt davon, wenn man Guantanamo schließen will. Und Deutschland will auch noch die Terroristen aus Guantanamo aufnehmen? Wenn man Terroisten nicht bekämpt, werden sie weitermachen. Statt Guantanamo zu schließen, sollte man 100 mehr bauen.
bigcpoint (29.03.2010, 10:07 Uhr)
Terroristischer Hintergrund
Wenn man blödsinnigerweise diesen Ausdruck verwendet, dann doch bitte in seiner wahren Bedeutung.
Hier hat man höchstwarscheinlich an den Terroristen Vergeltung üben wollen, und nicht umgekehrt.
Was sind schon 30 Leben im Vergeich zum Völkermord in Tschetschenien, dem unter anderem Deutschland tatenlos zugesehen hat, weil wir Geschäfte mit den Russen machen wollen.
Das Leid dieser Menschen ist unvorstellbar.
Die Presse wurde erfolgreich von Putin ferngehalten.
Stattdessen werden uns lange Berichte über einen kleinen Anschlag in Moskau serviert.
Werden die deutschen Medien eigentlich direkt vom FSB bezahlt ?
Link210 (29.03.2010, 10:03 Uhr)
@ undjetztnochder
der terror der uck in serbien (kosovo) hat ja leider geklappt. kosovo darf sich jetzt unabhängig schimpfen......dank terror.
SirDidimus (29.03.2010, 09:48 Uhr)
talkingkraut
das atentat ist vor ein paar stunden geschehen, aber sie wissen schon bescheid. der islam ist schuld. ja, er sollte verboten werden. so einfach ist das und so leicht ist es, die welt zu erklären. schon mal was von tschetschenien gehört? da gehen die russen schon mal hin und machen krieg. wer da angefangen hat, weiß ich nicht. aber es ist ein krisenherd. da schlägt man sich die köpfe ein. da die einen wahnsinnig viel geld für rüstung haben, können die sich das erlauben, diese regionen zu überrennen. die anderen müssen - mangels kohle - das anders machen. opfer finden sich da auf beiden seiten. sich das aber so leicht zu machen wie sie, wird diesem mörderischen anschlag nicht gerecht.

warum kann ich meinen vorherigen kommentar nicht mehr lesen?
MEHR ZUM ARTIKEL
Im Visier des Terrors Folgenschwere Anschläge in Russland

In Moskau herrschen nach den erneuten Sprengstoffanschlägen Entsetzen und Angst. Seit Jahren gibt es immer wieder Attentate in Russland auf Züge, Flugzeuge oder öffentliche Gebäude. Eine Chronologie zeigt die folgenschwersten Anschläge der letzten Jahre. mehr...

Russland Terroranschlag auf Bahn in St. Petersburg

Erneut ist die Bahnstrecke zwischen Moskau und St. Petersburg Ziel eines Terroranschlags geworden. Bei der Explosion eines Sprengsatzes wurde der Lokführer eines vorbeifahrenden Zuges schwer verletzt. In den Monaten zuvor waren bereits zwei tödliche Anschläge auf den Schnellzug "Newski Express" verübt worden. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe