6. Juli 2010, 19:08 Uhr

Sarkozy im Spendensumpf

Die Vorwürfe wiegen tonnenschwer: Hat Nicolas Sarkozy illegale Spenden von der Milliardärin Bettencourt angenommen? Dem Präsidenten droht eine Schlammschlacht, die ihn sein Amt kosten könnte.

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Nicolas Sarkozy sieht sich dem schweren Vorwurf ausgesetzt, illegale Spenden angenommen zu haben©

Was für ein katastrophaler Sommer für die Grande Nation. Erst das peinliche Aus der "Equipe Tricolore" in Südafrika. Und jetzt auch noch ein saftiger Spendenskandal, der die Pariser Paläste in ihren Grundfesten beben lässt - und spätestens seit diesem Dienstag auch den umtriebigen Präsidenten höchstpersönlich erfasst hat. Der Vorwurf: Nicolas Sarkozy soll indirekt illegale Spenden für seinen Präsidentschaftswahlkampf entgegengenommen haben, 150.000 Euro allein im Jahr 2007 - und zwar von der greisen Liliane Bettencourt, der Milliarden schweren Erbin des Kosmetikkonzerns L'Oreal. Sollte sich der Vorwurf belegen lassen, könnte der schillernde Präsident, der großspurig angetreten war, Geschichte zu schreiben, bald selbst Geschichte sein.

Aber der Reihe nach. Den Vorwurf, ein Handlanger Sarkozys habe illegale Spenden angenommen, hat am Montag Claire T. erhoben. Lange Jahre war sie Buchhalterin Liliane Bettencourts gewesen, jener mutmaßlich reichsten Frau Europas, die einst L'Oréal erbte und immer noch Anteile an dem Unternehmen hält. Bettencourts verstorbener Mann André war Politiker. Am Montag war T. - ihr vollständiger Name ist unbekannt - von Ermittlern in Paris vernommen worden, das Internet-Magazin mediapart.fr veröffentlichte am Dienstag Auszüge ihrer explosiven Aussagen. Bettencourt und ihr Gatte, so der Vorwurf der ehemaligen Buchhalterin, hätten befreundete Politiker über Jahre hinweg systematisch mit illegalen Spenden versorgt.

Umschläge für die politische Elite

Dabei bezieht sich der brisanteste Vorwurf, natürlich, auf Sarkozy. Ihn soll die damals schon verwitwete Liliane Bettencourt laut Claire T. 2007 mit 150.000 Euro bedacht haben. Hiervon entstammten 100.000 Euro einem Nummernkonto in der Schweiz, so die Zeugin. Das Geld soll Bettencourts Vermögensverwalter Patrice de Maistre Sarkozys damaligem Wahlkampforganisator übergeben haben. Cash. Sarkozys Kampagne dirigierte damals niemand Geringeres als Eric Woerth, zwischenzeitlich Finanzminister, heute Arbeitsminister. Sollten die Vorwürfe von Claire T. stimmen, hätte der Präsident Schwarzgeld angenommen. Eine Spende in dieser Höhe ist in Frankreich generell verboten. Gesetzlich erlaubt sind nur Parteispenden bis zu einer Obergrenze von höchstens 7.500 Euro im Jahr, davon dürfen nur 4.600 Euro auf einen Wahlkampf entfallen; bei Barspenden liegt die Obergrenze bei 150 Euro.

Aber damit nicht genug. Laut Claire T. war das Verteilen inoffizieller Spenden üblich bei den Bettencourts. Regelmäßig hätten Politiker deren Villa besucht und unbeschriftete Umschläge mit zehntausenden Euro für ihre Wahlkämpfe erhalten, so die ehemalige Buchhalterin. Unter den regelmäßigen Gästen hätte sich schon in den neunziger Jahren Sarkozy befunden, der von 1983 bis 2002 Bürgermeister des Pariser Nobelvororts Neuilly war. "Nicolas Sarkozy hat auch seinen Umschlag erhalten", erklärte Claire T. "Das geschah in der Regel nach dem Essen; jeder im Haus wusste das." Weil Bettencourt sehr schwerhörig sei, habe jeder sehr laut gesprochen.

Bettencourt wurde von ihrem Butler abgehört. Dieser erfuhr von geheimen Konten und pikanten Beziehungen. Lesen Sie mehr auf der nächsten Seite.

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KOMMENTARE (10 von 10)
 
WernerMeyer (08.07.2010, 01:35 Uhr)
Sarko ist einfach nur peinlich........
und ein gewöhnlicher Mensch der gerne
Geld in Umschlägen einsteckt..........
FloraMacDonald (07.07.2010, 10:05 Uhr)
Zitat bodenseepeter:

"Ich habe in meinem politischen Leben niemals einen einzigen illegalen Euro berührt. Ich habe inzwischen wirklich genug davon."

Sehr witzig, aber im Original vermutlich nicht so zweideutig.

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:)))
h.morun (07.07.2010, 09:08 Uhr)
Derkleine mann aus dem Villen Vorort
Wie komme ich hoch? Ganz nach oben? Man werde Bürgermeister. Nein. Nicht irgendwo. Sondern in einem Villen Vorort von Paris. Dann macht man Politik nur für diese Millionäre. Als Dank? Kommt man immer weiter die Treppe rauf. Wird Präsident und ginterlässt den Thron des Bürgermeisters- seinem Sohn. Nun- ich hoffe nur, dieser man fällt ebenso schneöö und tief- wie er aufgekommen ist.

Aber am Beispiel unseres Schröders- sieht der leser ja: Auch viieeel Dreck am Stecken wird mit Posten der wirtschaft Belohnt . Gerdti bei den Russen und Sarko? Bestimmt bei Gaddafie.
gunsch (07.07.2010, 08:06 Uhr)
Langsam Leute...
...oder meint ihr ernsthaft bei uns geht es viel anders zu? Ob in FR oder DE, die gierige Politikerriege schert sich so oder so einen Dreck um ihre selbstgemachten Gesetze, die gelten nur für ihre Lakaien die sie aushalten und wählen sollen... Und sie tun es natürlich auch, in 3 Jahren wieder, dann wieder in 4 usw. Ich krieg inzwischen nur noch die Krätze wenn ich die Nachrichten einschalte, ich hab echt kein Bock mehr....
arniston (07.07.2010, 00:53 Uhr)
was solls
diktatoren sind halt so.
C.D.B. (06.07.2010, 21:51 Uhr)
Sarkozy & Co.
ich lebe jetzt schon seit +10jahren in frankreich...alles was ich sagen kann ist das unser "superpresident" ein bisschen zuviel überall seien will und im endefekt nur mist baut !
einige beispiele:
sein sohn hat einen unfall gemacht und hat fahrerflucht gemacht...er wurde frei gesprochen !
sein sohn sollte das EPAD presidieren (zum glück tritt er aber freiwillig zurück aufgrund von protest)
rachida datis bruder ist ein drogenhändler der eine weit aus kleinere strafe bekommen hat als ein unbekanter der erwischt wird !
erst gestern hat sarkozy selber den neuen president für das franz. national fehrseher erkrönt (was bisher eher sozial orioentiert war, man kann sich leider schon denken in welche richtung es jetzt gehen wird)
letzte woche wurde ein man 9 tage arbeits unfähig geschlagen von der polizei als dieser sarkozy gesagt hat "er solle ihm eine bla**n".
die beispiele fehlen nicht und das sind nur so einige !!!
guckt auf euch youtube das video an wo man sarko total besoffen sehen kann z.b.
heute hielt er eine rede im TV wo er sagt er finde es schade das die leute sich für diese bettencour sache interessieren und sie sollten sich lieber um die renten usw. kümmern !
erst vor kurzem wurden einige junge leute die auf die polizei geschossen haben sollen bei den vorfällen von villiers-le-bell zu mehreren jahren haft verurteilt und das NUR auf basis von ANNONYMEN (gegen geld !!!) zeugen !
heute sagt eine person etwas gegen sarkozy und es soll angeblcih verleumdung seien...wo bleibt die gerechtigkeit ???

ps: sry für die schreibweise und die rechtschreibfehler..10j frankreich hinterlässt halt spuren !
jomimo (06.07.2010, 21:43 Uhr)
@ Benkku
Weil andere, aufrichtige Leute nicht mehr so weit kommen.

Es steht nur noch diese besondere, bestechliche und von der Lobby auch erpressbare Spezies zur Verfügung.

Der Begriff Demokratie ist heute nur noch ein Scheinkonstrukt.

Nebenbei : die Regierenden schämen sich nicht, jede Preiserhöhung ihrerseits als eine" Reform " von irgendwas zu bezeichnen.
Bodenseepeter (06.07.2010, 20:17 Uhr)
Genug illegale Euros
"Ich habe in meinem politischen Leben niemals einen einzigen illegalen Euro berührt. Ich habe inzwischen wirklich genug davon."

Sehr witzig, aber im Original vermutlich nicht so zweideutig.
Benkku (06.07.2010, 20:00 Uhr)
Es ist nicht zu fassen.
Wie kann es überhaupt möglich sein, daß dieser Art Leute vom Volk gewählt werden müssen?
Mastergirl (06.07.2010, 19:59 Uhr)
rien va plus
Bis vor kurzem hatte er -vor lauter Langeweile- Merkel und Co. versucht vorzuschreiben, was sie zu tun und zu unterlassen haben. Monsieur Sarkozy hat jetzt bei sich zu Hause genug zu tun. Er ist jetzt erst mal anderweitig beschäftigt.
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