Die Vorwürfe wiegen tonnenschwer: Hat Nicolas Sarkozy illegale Spenden von der Milliardärin Bettencourt angenommen? Dem Präsidenten droht eine Schlammschlacht, die ihn sein Amt kosten könnte.

Nicolas Sarkozy sieht sich dem schweren Vorwurf ausgesetzt, illegale Spenden angenommen zu haben© Lucas Dolega/DPA
Was für ein katastrophaler Sommer für die Grande Nation. Erst das peinliche Aus der "Equipe Tricolore" in Südafrika. Und jetzt auch noch ein saftiger Spendenskandal, der die Pariser Paläste in ihren Grundfesten beben lässt - und spätestens seit diesem Dienstag auch den umtriebigen Präsidenten höchstpersönlich erfasst hat. Der Vorwurf: Nicolas Sarkozy soll indirekt illegale Spenden für seinen Präsidentschaftswahlkampf entgegengenommen haben, 150.000 Euro allein im Jahr 2007 - und zwar von der greisen Liliane Bettencourt, der Milliarden schweren Erbin des Kosmetikkonzerns L'Oreal. Sollte sich der Vorwurf belegen lassen, könnte der schillernde Präsident, der großspurig angetreten war, Geschichte zu schreiben, bald selbst Geschichte sein.
Aber der Reihe nach. Den Vorwurf, ein Handlanger Sarkozys habe illegale Spenden angenommen, hat am Montag Claire T. erhoben. Lange Jahre war sie Buchhalterin Liliane Bettencourts gewesen, jener mutmaßlich reichsten Frau Europas, die einst L'Oréal erbte und immer noch Anteile an dem Unternehmen hält. Bettencourts verstorbener Mann André war Politiker. Am Montag war T. - ihr vollständiger Name ist unbekannt - von Ermittlern in Paris vernommen worden, das Internet-Magazin mediapart.fr veröffentlichte am Dienstag Auszüge ihrer explosiven Aussagen. Bettencourt und ihr Gatte, so der Vorwurf der ehemaligen Buchhalterin, hätten befreundete Politiker über Jahre hinweg systematisch mit illegalen Spenden versorgt.
Dabei bezieht sich der brisanteste Vorwurf, natürlich, auf Sarkozy. Ihn soll die damals schon verwitwete Liliane Bettencourt laut Claire T. 2007 mit 150.000 Euro bedacht haben. Hiervon entstammten 100.000 Euro einem Nummernkonto in der Schweiz, so die Zeugin. Das Geld soll Bettencourts Vermögensverwalter Patrice de Maistre Sarkozys damaligem Wahlkampforganisator übergeben haben. Cash. Sarkozys Kampagne dirigierte damals niemand Geringeres als Eric Woerth, zwischenzeitlich Finanzminister, heute Arbeitsminister. Sollten die Vorwürfe von Claire T. stimmen, hätte der Präsident Schwarzgeld angenommen. Eine Spende in dieser Höhe ist in Frankreich generell verboten. Gesetzlich erlaubt sind nur Parteispenden bis zu einer Obergrenze von höchstens 7.500 Euro im Jahr, davon dürfen nur 4.600 Euro auf einen Wahlkampf entfallen; bei Barspenden liegt die Obergrenze bei 150 Euro.
Aber damit nicht genug. Laut Claire T. war das Verteilen inoffizieller Spenden üblich bei den Bettencourts. Regelmäßig hätten Politiker deren Villa besucht und unbeschriftete Umschläge mit zehntausenden Euro für ihre Wahlkämpfe erhalten, so die ehemalige Buchhalterin. Unter den regelmäßigen Gästen hätte sich schon in den neunziger Jahren Sarkozy befunden, der von 1983 bis 2002 Bürgermeister des Pariser Nobelvororts Neuilly war. "Nicolas Sarkozy hat auch seinen Umschlag erhalten", erklärte Claire T. "Das geschah in der Regel nach dem Essen; jeder im Haus wusste das." Weil Bettencourt sehr schwerhörig sei, habe jeder sehr laut gesprochen.
Bettencourt wurde von ihrem Butler abgehört. Dieser erfuhr von geheimen Konten und pikanten Beziehungen. Lesen Sie mehr auf der nächsten Seite.